Mais auf 58 Prozent der gesamten Ackerfläche

Ökologischer Landbau - im Landkreis Rotenburg eine Rarität

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Mais dominiert auf der bewirtschafteten Ackerfläche im Landkreis Rotenburg. Der Biogas-Markt hält die Pachtpreise weiterhin hoch, sodass sich eine Umstellung auf ökologischen Landbau für viele Landwirte nicht lohnt.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Öko boomt. Regionale Lebensmittel, biologisch hergestellt, sind in jedem Supermarkt und Discounter zu finden. Ein Trend, der auch zum Aufschwung der Branche vor Ort führen sollte. Im Landkreis Rotenburg ist davon aber wenig zu spüren. Mit 1,5 Prozent Ökoanteil an der landwirtschaftlichen Fläche rangiert der Kreis nach neuen Erhebungen des Statistischen Landesamtes im unteren Viertel aller Landkreise in Niedersachsen. Veränderungen sind nicht in Sicht.

Rund 1700 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Landkreis Rotenburg. Wie viele von diesen aktuell „bio“ sind, lässt sich nach Angaben der Kreisverwaltung nicht genau sagen: „Es gibt nicht den klassischen ,Bio-Betrieb’, da es hier unterschiedliche Zertifizierungen gibt“, heißt es. Eine genaue Erhebung gab es zuletzt im Jahr 2010, in diesem Jahr sollen die Daten aus der Agrarstrukturerhebung aktualisiert werden. Vor sieben Jahren zeichnete sich allerdings bereits der Trend ab, der noch heute offensichtlich ist: Damals betrieben zwei Prozent der Landwirte im Landkreis ökologischen Landbau, zertifiziert wenigstens nach der EU-Öko-Verordnung. Bei rund einem Prozent lag die ökologisch bewirtschaftete Fläche, die zu 60 Prozent aus Grünland bestand. Im Vergleich zu den Nachbarkreisen im Elbe-Weser-Raum war die ökologisch bewirtschaftete Fläche hier am geringsten. „Wir liegen in der Nähe der intensiven Agrarstandorte“, heißt es auch heute noch vom Landvolk Rotenburg-Verden. Niedersachsenweit betrieben im vergangenen Jahr 3,4 Prozent aller Betriebe auf 3,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologischen Landbau.

Regionaler Bio-Markt fehlt

Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Landkreis umfasst aktuell rund 126.800 Hektar. 68 Prozent davon (85.700 ha) werden als Acker genutzt, 32 Prozent (41.100 ha) als Grünland. Auf rund 50.000 Hektar der bewirtschafteten Fläche steht im Landkreis Mais – das sind 58 Prozent der Ackerfläche oder 39 Prozent der gesamten Nutzfläche. Vor allem damit begründet das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) mit Sitz in Visselhövede auch die Schwierigkeit, in der Region die Biobranche nach vorne zu bringen. Das Öko-Dienstleistungzentrum sieht einen Zusammenhang von Pacht- oder Kaufpreisen und dem Anteil des Ökolandbaus an der landwirtschaftlichen Fläche. Die Pachtpreise seien im Landkreis zu hoch, sodass sich die Umstellung auf „bio“ für viele Landwirte nicht rentiere.

Die Preise resultierten einerseits aus dem Flächenbedarf der intensiven Tierhaltung und den hohen Güllemengen, andererseits vor allem aus der hohen Zahl der Biogasanlagen und dem Flächenbedarf für den Energiepflanzenanbau – Mais. KÖN-Geschäftsführerin Carolin Grieshop: „Rotenburg ist nach Rott am Inn der Landkreis mit dem höchsten Anteil Energiepflanzen an der landwirtschaftlichen Fläche. Zehn Prozent der niedersächsischen Maisanbaufläche liegt im Landkreis Rotenburg. Knapp zehn Prozent der niedersächsischen Biogas-Anlagen stehen hier.“ Zudem gebe es keine großen Bio-Lebensmittelverarbeiter in der Region, sagt Grieshop. „In Rotenburg fehlt zum einen eine gute Infrastruktur der abnehmenden Hand und anderseits die Akzeptanz der Berufskollegen.“ Größere Veränderungen dieser Tendenzen erwartet das KÖN nicht. Der Pachtpreisdruck werde nicht nachlassen.

Auch das Statistische Landesamt bezeichnet den Öko-Landbau nach dem Boom Anfang der 2000er-Jahre als „Randerscheinung“. Und das trotz des Zeitgeistes. KÖN-Sprecherin Grieshop: „Lebensmittelhändler und Bio-Verarbeiter in Niedersachsen suchen händeringend nach regionaler Bio-Rohware. Die Nachfrage kann derzeit nicht regional bedient werden.“

Das Landvolk Rotenburg-Verden sieht wenig Möglichkeiten, selbst eingreifen zu können. Die Sprecherin des Bauernverbands, Bettina Diercks, sagt: „Der Ökolandbau ist nicht ohne Risiken im Ertrag und in der Vermarktung. Es fehlt häufig an Vermarktungsstrukturen, wenn der direkte Weg zum kaufkräftigen Verbraucher nicht gefunden werden kann.“ Die landwirtschaftliche Struktur im Kreis fördere intensive, konventionelle Landwirtschaft. Als Verband einzugreifen, verbiete sich: „Jeder Landwirt entscheidet in einem freien Wirtschaftssystem über seine Wirtschaftsform. Er trägt die Verantwortung für die Entwicklung seines Betriebes in der Generationenfolge und unter Beachtung der gültigen Gesetze und sozialen Anforderungen im Zusammenleben mit den anderen Bürgern.“

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