Restart mit Touristen

Öffnung, doch die Unsicherheit bleibt bei Hoteliers

Schilder der Hotelroute
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Lockerungen für Hotelbetreiber: Sie dürfen ab sofort wieder Touristen aller Bundesländer bei sich beherbergen.

Rotenburg – Neben der Außengastronomie darf auch die Hotellerie den Betrieb wieder aufnehmen. Noch rechtzeitig vor Pfingsten fällt dazu auch die Landeskinderregelung weg: Diese wurde am Dienstag vom niedersächsischen Oberverwaltungsgericht außer Kraft gesetzt. Touristen aus ganz Deutschland dürfen also wieder Urlaub auch im Raum Rotenburg machen. Doch noch sieht es da verhalten aus.

„Wir hatten seit November keine Touristen mehr“, sagt zum Beispiel Dennis Westermann, neben seinem Vater Frank Westermann Geschäftsführer des Kräuterhotels Heidejäger in Mulmshorn. In den Hotels seien derzeit vor allem Geschäftsreisende und Handwerker zu finden. Und es gibt weiterhin Einschränkungen. Die Hoteliers dürfen ihre Zimmer nur zu 60 Prozent an Gäste mit einem negativen Test vermieten. Bleiben diese länger, müssen sie sich regelmäßig neu testen. „Es gibt derzeit viele Variablen, die uns das Leben schwer machen“, so Westermann. Ausnahmen von der Testpflicht gibt es für Handwerker und Geschäftsleute. Für viele ergibt das keinen Sinn, haben sie doch teils mehr Kontakte als Privatpersonen. Die Antwort darauf ist allerdings einfach: Beide Berufsgruppen werden bereits regelmäßig getestet, müssen daher keinen zusätzlichen Test vorlegen. Dennoch: „Es wäre schöner, wenn viele Sachen besser zu verstehen wären, das ist nicht hilfreich“, sagt Lutz Hillmer, Geschäftsführer vom Hotel am Pferdemarkt in Rotenburg.

Denn es ist ein Hin und Her mit den Corona-Regeln, was heute noch gilt, kann morgen überholt sein. Viel wurde Gastwirten und Hoteliers versprochen, nicht viel gehalten. Die Hoffnung ist aber da, sagt Westermann, dass es nun wieder losgehen kann. Zu Beginn der Woche hieß es noch, vorerst sind nur Gäste aus dem eigenen Bundesland erlaubt. Nach dem gerichtlichen Eilbeschluss ist das nun hinfällig. So hatte eine Befragung der Dehoga-Mitglieder ergeben, dass diese Regelung das Haupthindernis für das Anspringen des touristischen Übernachtungsgeschäftes gewesen ist.

„Es war vorher schon nicht einfach, Mitarbeiter zu finden, jetzt wird es nicht besser“, sagt Hans-Wilhelm Röhrs (r.), Dehoga-Kreisvorsitzender, hier mit dem Landeschef des Verbands Detlef Schröder.

Die Landesregierung, die bereits weitere Lockerungen für Anfang Juni angekündigt hatte, war vorsichtig: Aufgrund der vielen Feiertage im Mai und weniger Testungen würden noch keine verlässlichen Zahlen vorliegen. Aber: „Wenn man lockert, muss man auch richtig lockern“, findet Hillmer. „Jede Lockerung kann helfen. Jeder Gast ist wichtig und wir hecheln danach, unseren Job vernünftig machen zu können.“

Lockerungen mit Sinn, mit Maß, seien dabei wichtig, denn sie entspannen das Leben aller. Gibt die Lage das nicht her, sei es zu riskant, dass bereits in kurzer Zeit die Zahlen deutlich steigen und alles wieder dichtmachen müsste. Das ist allen bewusst und das gelte es, zu vermeiden. „Wir warten lieber noch etwas ab, bevor die Zahlen wieder hochschießen, aber irgendwann muss es auch vorangehen“, meint Hans-Wilhelm Röhrs, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Rotenburg und Hotelier in Sottrum.

Sein Kollege Westermann findet noch deutlichere Worte: „Es ist zu spät, dass es wieder losgeht. Die Leute treffen sich trotzdem zuhause, ohne Maske, ohne Hygienekonzept. Hier können wir noch einlenken, deswegen haben wir von Anfang an gesagt, lasst die Gäste kommen – wir haben Hygienekonzepte, Abstände, wir können es umsetzen.“ Er ist sicher: „Natürlich hat es zwei, drei schwarze Schafe in Niedersachsen gegeben, aber von meinem Bauchgefühl her wären die Zahlen weniger stark gestiegen, wenn wir die Gastronomie über Feiertage hätten öffnen können. Die Leute haben sich vielleicht nur mit einem Haushalt zur gleichen Zeit getroffen – aber auch oft mit mehreren über die Tage verteilt.“

Unter der Woche sind die Hotels in der Region derzeit meist durch Handwerker und Geschäftsleute noch gut gebucht. Deswegen sei die Situation nicht gut, aber zumindest in Ordnung. Oder, wie Hillmer es flapsig, aber treffend ausdrückt, „das rettet uns den Arsch“. In Rotenburg ist die Auslastung durch Touristen bislang verhalten, das hat mehrere Gründe. Zum einen fiel erst jetzt der Startschuss, viele zögern also noch, zu buchen. Und dann spielt hier vor Ort das Wetter eine große Rolle: „Wir haben eine Fahrrad-Gegend, da kommt niemand bei schlechtem Wetter“, erklärt Hillmer.

Schwierig, Personal zu finden

Zwar halte sich so der Frust bei den meisten Hoteliers in Grenzen, doch ist die Situation vor allem für ihre Mitarbeiter belastend und frustrierend: anhaltende Kurzarbeit, Einschränkungen im Service. Und die Außengastronomie läuft auch nicht unter idealen Bedingungen. „Es wird noch dauern, bis es wieder einen normalen Betrieb gibt“, vermutet Hillmer.

Das Thema Mitarbeiter werde dann ein großes Problem. Viele sind abgesprungen, haben sich andere Jobs gesucht. Als zu unsicher hat sich ihr Arbeitsplatz in Pandemiezeiten erwiesen. „Es war vorher schon nicht einfach, Mitarbeiter zu finden, jetzt wird es nicht besser“, sagt Röhrs. Sein Betrieb bewirtet oft Außer-Haus-Veranstaltungen. Er hat noch Hoffnung, dass ein paar Events im Spätsommer realisiert werden können. Doch manches ist bereits abgesagt – und die Frage bleibt: Sind wenn genügend Mitarbeiter da? „Die fehlen, wenn es wieder losgeht“, ist sich auch Westermann sicher.

Auch für das Thema Testpflicht werden sie gebraucht, bei für den aktuellen Stand normaler Auslastung zum Beispiel in der Außengastronomie der Hotels sei der Aufwand „kaum zu schaffen“, so Westermann. Kommen die Gäste nicht bereits mit dem Nachweis, dass sie genesen, vollständig geimpft oder direkt zuvor negativ im Testzentrum getestet wurden, müssen sie den Test vor Ort machen – unter den Augen der Mitarbeiter. Sollte da mal ein positiver Test bei sein, müsste der entsprechende Mitarbeiter zudem direkt mit in Quarantäne. „Das Risiko haben wir“, sagt Westermann.

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