„Corona-Bonus als Wertschätzung“

Notaufnahme in Nöten: Rotenburger Team protestiert

Die Pfleger, die in der Notaufnahme beschäftigt sind, wünschen sich mehr Anerkennung für den Job, der in Corona-Zeiten noch belastender ist.
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Die Pfleger, die in der Notaufnahme beschäftigt sind, wünschen sich mehr Anerkennung für den Job, der in Corona-Zeiten noch belastender ist.

Rotenburg – „Wir sind immer da, ja da ist wirklich wahr – tagaus, tagein kommt ihr zu uns herein.“ So beginnt der ungewöhnliche Protest, den das etwa 40-köpfige Team der Notaufnahme des Rotenburger Agaplesion Diakonieklinikums in Gedichtform verfasst hat (siehe Kasten). „Im Kern geht es darum, dass wir uns gewünscht hätten, auch einen Corona-Bonus auf unseren Gehaltsabrechnungen zu finden“, sagt eine Pflegerin, die ebenso wie ihr Kollege nicht namentlich in der Zeitung genannt werden möchte, „weil es uns um das ganze Team geht“.

Grundsätzlich gingen zurzeit alle Mitarbeiter eher mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zum Dienst in die Notaufnahme, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche besetzt ist. „Dabei haben wir ähnlich wie die Pfleger in den Altenheimen immer wieder mit Corona-Patienten zu tun, und begeben uns dabei selbst in Gefahr“, begründet der Pfleger seinen Wunsch nach einer finanziellen Anerkennung, die „gar nicht hoch sein muss“, aber 50 oder 100 Euro wären schon mal ein Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit in der Notaufnahme „und auch für die Jobs in der Intensivstation oder auf der Corona-Station 22“.

Eine entsprechende Eingabe der Mitarbeitervertretung sei von der Geschäftsführung mit dem Argument geblockt worden, dass das Land Niedersachsen für diese Pflegebereiche kein Geld zur Verfügung stelle. „Dabei hat das Land die Zahl der Infektionen von März zugrunde gelegt. Da war der Landkreis Rotenburg noch nicht so betroffen. Das sieht jetzt in der zweiten Welle schon ganz anders aus“, betont der Krankenpfleger.

Krankenpfleger in Corona-Krise: „Fühlen uns regelrecht vergessen“

„Darum fühlen wir uns regelrecht vergessen. Zwar hat uns das Klatschen der Gesellschaft zu Beginn der Pandemie im Frühjahr ein wenig moralisch aufgemuntert, aber Applaus allein reicht nicht“, so die Krankenschwester, die sich ebenso wie ihre Kollegen wundert, dass im Freundeskreis viele einen Corona-Bonus bekommen hätten, die eigentlich kaum gefährdet seien. „Da sitzt ein Freund, der bei einem Energiekonzern beschäftigt ist, seit Monaten im Homeoffice und bekommt 500 Euro extra. Und wir retten tagein, tagaus Menschenleben und werden mit einer Packung Tee und einem Stollen abgespeist“, sagt der Pfleger und nimmt Bezug auf die Geschenke zur Weihnachtszeit.

Schon vor der Pandemie habe das Team der Notaufnahme „am Anschlag gearbeitet“ und sei personell wie auf vielen anderen Stationen auch „chronisch unterbesetzt“. Corona habe dem „ganzen Wahnsinn noch die Krone aufgesetzt“. Dadurch seien dann aber plötzlich die Pflegeberufe in aller Munde gewesen, und jeder Politiker habe beteuert, dass die Menschen in diesen Jobs besser bezahlt werden müssten. „Aber wir gucken wieder mal in die Röhre“, sagt die Frau, die den Beruf „aus Leidenschaft“ ausübt und nicht verstehen könne, warum zum Beispiel Rettungssanitäter den Bonus bekämen und sie nicht. „Vielleicht regt unser kleines Gedicht mal zum Nachdenken an“, hoffen die beiden Pflegekräfte im „Namen des gesamten Teams“.

Hier das Gedicht des Teams der Notaufnahme:

Immer das

Wir sind immer da, ja, das ist wirklich wahr. Tagaus, tagein kommt ihr zu uns herein. Egal, welche Beschwerden es sind, Erwachsener oder Kind, Husten, Schnupfen, Heiserkeit, wir stehen jederzeit für euch bereit. Wir arbeiten mit Verstand und ganz viel Herz, Gewusel, Trubel und auch mal etwas Terz. In diesen Zeiten zu Corona-Bedingungen, wird noch mehr als sonst um Pflegepersonal gerungen. Das Personal rar ist, kommt nicht von heut´ auf morgen, scheinbar hatte man vorher andere Sorgen. Es ist traurig in diesen Zeiten zu sehen, vor welchen echten Problemen wir weiterhin stehen. Es wird geklatscht – vielen Dank – dafür, es ist schon nett, dennoch fehlt das Gespür worauf es ankommt in dieser Zeit, wir wollen ja für euch da sein und sind gerne dazu bereit. Es ist schön zu sehen, dass ein Corona-Bonus wird gezahlt irgendwo, bei uns kommt der nicht an, das ist leider so. Den Bonus bekommen Politiker, Beamte, Handwerke und viele mehr, bei uns im Krankenhaus blieb das Konto davon aber leer. Der Bonus wird die Welt nicht retten, nein, aber eine Wertschätzung für uns Pflegepersonal, das muss doch möglich sein. Wir sind die, die jederzeit für euch da stehen, das muss man auch mal ganz klar so sehen. Seid ihr krank, kommt ihr zu uns her, wenn wir nicht mehr da sind, wird es wohl schwer. Diese Zeilen wurden geschrieben, über den Beruf, den wir so lieben. Die Wertschätzung, die ist nicht gegeben, dennoch kämpfen wir um euer Leben. Wenn es uns nicht mehr gibt – wir sind schon rar –, dann ist plötzlich niemand mehr da, um tagaus, tagein für euch das zu sein.

Von Herzen!

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