„NOlympia“: Bedauern bei Vertretern von Politik, Tourismus und Wirtschaft

Große Enttäuschung

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„NOlympia“ – die Olympiagegner haben das Referendum gewonnen. Das sorgt auch in Rotenburg für Enttäuschung.

Rotenburg - Von Guido Menker. Das Nein der Hamburger war knapp. 48,4 Prozent haben bei einem Referendum am Sonntag für eine Olympia-Bewerbung Hamburgs gestimmt, 51,6 Prozent dagegen. Nicht nur in der Freien und Hansestadt, sondern auch in der gesamten Region hatten sich schon viele Menschen auf Olympia gefreut und sich viel davon versprochen – entsprechend groß ist bei allem Respekt gegenüber den Gegnern die Enttäuschung. Auch in Rotenburg.

Höher, schneller, weiter: Die Stadt Hamburg ist bereits in der Qualifikation um Olympia 2024 gescheitert und hat damit den Einzug in die finale Bewerbungsphase verpasst. „Ich bin tief enttäuscht“, sagt Rolf Ludwig. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS) habe sich dafür eingesetzt, dass auch die hiesige Region bedacht wird. „Olympia wäre ein Erlebnis nicht nur für Hamburg, sondern auch fürs Umland.“ Seiner Ansicht nach hätten sich vor allem Jugendliche von einem Olympia-Fieber anstecken lassen und wären vermehrt in die Sportvereine eingetreten. Ludwig: „Und Rotenburg hätte seinen Beitrag geleistet.“ Bei aller Enttäuschung: Nach den Anschlägen von Paris und den Diskussionen über Funktionäre im Sport, „die einfach nur absahnen“, während unten nichts mehr ankomme, sei er alles andere als überrascht. Ob Fifa-Skandal, die negativen Meldungen aus der Leichtathletik und die Olympia-Kosten – das alles habe zu diesem Ergebnis beigetragen. Ludwig: „Für Hamburg und den Sport ist das ein Rückschlag.“

Heiko Kehrstephan, Vorsitzender des Rotenburger Wirtschaftsforums, zeigt sich überraschter. „Ich fand die Bewerbung gut, und die Vorteile hätten überwogen“, sagt er. Im Vorfeld hatte er von einer Strahlkraft der Spiele gesprochen, die locker bis nach Rotenburg gereicht hätte. Udo Fischer, Geschäftsführer im Touristikverband Landkreis Rotenburg, sieht es sportlich: „Schade. Es wäre eine große Chance für Hamburg und die Region gewesen, aber das Referendum ist zu akzeptieren.“

„Komplett überrascht konnte man nach den Erfahrungen mit den gescheiterten deutschen Bewerbungen in der Vergangenheit nicht sein“, meint der Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil (SPD). Die Stimmung in Hamburg habe sich zuletzt offensichtlich gedreht, obwohl die auf Nachhaltigkeit ausgelegte Bewerbung von vielen gelobt worden sei. Klingbeil: „Ich bin schon enttäuscht vom Ergebnis. Ich halte aber überhaupt nichts davon, den Hamburgern jetzt Kleingeisterei oder Ähnliches vorzuwerfen, wie es einige Kommentatoren tun.“ Er sei froh über die Beteiligung beim Referendum, und es gehöre zur Demokratie, ein solches Ergebnis zu akzeptieren und umzusetzen. Klingbeil: „Ich bin froh, dass der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz das von Anfang an betont hat. In keiner anderen Bewerberstadt für die Spiele 2024 hat es übrigens ein solches Referendum gegeben. Ich finde, dass dies der richtige Weg war.“ Breitensport und Tourismuswirtschaft hätten in der Region durch die Bewerbung Hamburgs enorm profitieren können, fügt er an. Es gebe aber eine tiefe Vertrauenskrise in die Strukturen des Leistungssports, weit über das IOC hinaus. Korruption, Doping-Skandale, undurchsichtige Finanzströme – all das führe dazu, dass es eine große Skepsis in der Bevölkerung gebe, viel Geld für so eine Großveranstaltung in die Hand zu nehmen. Klingbeil weiter: „Das ist durch den Skandal um den DFB in den vergangenen Wochen sicher noch einmal zusätzlich befördert worden.“

Es sei schon zu spüren gewesen, dass die Stimmung in Hamburg langsam kippte, meint der Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel (CDU). Die Menschen seien irritiert gewesen, dass die Hamburger Bewerbung weltweit die mit Abstand teuerste war und über die Finanzierung zwischen Senat und Bundesregierung bisher keine Einigung erzielt wurde. „Sicher bin ich enttäuscht. Das Votum würde ich aber nicht als Absage der Menschen an sportliche Großveranstaltungen werten“, so der Christdemokrat. Und weiter: „Wir sollten jetzt umso entschlossener die Bewerbung für die Euro 2024 vorantreiben, weil wir die Stadioninfrastruktur haben und eine solche Veranstaltung gerade in Deutschland ohne großen Finanzaufwand und sehr umweltgerecht durchzuführen ist.“ Das Hamburger Umland hätte seiner Meinung nach vor allem touristisch von Olympia 2024 profitiert. Das falle jetzt weg. Grindel: „Ich glaube schon, dass das Flüchtlingsthema in Hamburg besondere Probleme herbeiführt, die sich auch in dem Votum niederschlagen. Es ist leider eine bedauerliche Entwicklung, dass es bei Bürgerentscheiden nicht immer nur um das eigentliche Abstimmungsthema geht. Außerdem haben die Hamburger die ungeklärte Kostenfrage beschäftigt und die Anschläge von Paris verunsichert.“ Der Zustand des IOC oder der Fifa habe dagegen keine wesentliche Rolle gespielt, „sonst wäre das gute Ergebnis für Olympia in Kiel nicht zu erklären“.

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