Noch eine Namensdebatte

Stadtrat muss sich mit Buhrfeindstraße beschäftigen

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Den Name Buhrfeindstraße dürfte dem Rotenburger Stadtbild erhalten bleiben.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Es ist durchaus kein „Running Gag“ und in den meisten Fällen wohl auch nicht witzig zu verstehen – aber die Debatte um die Umbenennung von Straßen und Gebäuden in Rotenburg hält an. Kommende Woche muss sich der Stadtrat mit einer Petition beschäftigen, die das Ende der Buhrfeindstraße fordert. Eine Aussicht auf Erfolg hat das Ansinnen nicht.

Die Debatte ist in der Kreisstadt schließlich altbekannt, und so stuft auch Bürgermeister Andreas Weber (SPD) die Eingebung von Hermann Fricke aus Hann. Münden vom April, die nun auf den Tisch kommt, kaum als ernsthaft ein. Fricke zweifelt in seinem Schreiben an die Verwaltung an der Würdigung des Lebens von Pastor Johannes Buhrfeind durch die Behörden. Er spricht von „geschichtspolitischen Verwerfungen“ bei „kommunalpolitischen Entscheidungen“ und möchte die Benennung der entsprechenden Straße in Rotenburg hinterfragt wissen.

Doch das wurde längst getan. Der Bochumer Historiker Dr. Uwe Kaminsky hatte die Zeit von der Gründung des Mutterhauses bis zur Trennung der Personalunion in der Leitung der beiden Einrichtungen Diakonissen-Mutterhaus und Rotenburger Anstalten in der Zeit von 1905 bis 1955 betrachtet, im Speziellen die Rolle von Pastor Johannes Buhrfeind, der die Rotenburger Werke und das Diakonieklinikum von 1903 bis 1942 in prägender Weise geleitet hatte. Fazit nach seiner Studie und einer öffentlichen Debatte Anfang des Jahres: Buhrfeind war „ein Mitläufer“ wie viele andere, und anstatt Buhrfeindsaal und Buhrfeindhaus umzubenennen, wird das Mutterhaus nun eine aktive Erinnerungskultur mit Veranstaltungen und Schriften vorantreiben. Dieser Bewertung, so Bürgermeister Weber in der Ratsvorlage, die auch schon den Verwaltungsausschuss passiert hat, möge sich der Rat am Donnerstag doch bitte anschließen.

Petitionsschreiber Fricke hatte übrigens auch schon eine Petition zur Umbenennung der Lent-Kaserne an die Stadt geschickt. Der Stadtrat hat sich mittlerweile bekanntermaßen zwei Mal gegen die Umbenennung ausgesprochen, die Entscheidung muss irgendwann der neue Chef im Bundesverteidigungsministerium treffen.

Und noch eine mögliche Umbenennung steht demnächst in Rotenburg an: Die Frage, ob der Dr.-Walter-Mecke-Damm wegen der SA-Vergangenheit des einstigen leitenden Diako-Arztes einen neuen Namen erhalten soll, wird am 6. November im Ausschuss für Planung und Hochbau diskutiert. Allerdings unter anderen Vorzeichen. Bürgermeister Weber hatte nach den Erkenntnissen zu Mecke, die auch Kaminsky in der Mutterhaus-Studie zutage befördert hatte, selbst gesagt, es solle eine „grundsätzliche Überprüfung der Namensgebung“ stattfinden. Weber: „Ich werde dem Stadtrat eine Namensänderung noch in diesem Jahr vorschlagen.“

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