Noch eine dritte Version

Umweltausschuss des Kreistags wartet auf nächsten RROP-Entwurf

+
Durch die Bedürfnisse der Bundeswehr werden einige Windkraft-Standorte im Landkreis in den Hintergrund gedrängt. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Das öffentliche Interesse ist weiter groß, die Ernüchterung im drückend warmen großen Sitzungssaal des Rotenburger Kreishauses am Mittwochnachmittag war es auch: Viele Besucher verließen die Sitzung des Kreistag-Ausschusses für Umwelt und Planung vorzeitig. Anwohner, Investoren und Flächeninhaber hatten auf Antworten zu den Windkraft-Vorranggebieten im neuen Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) gehofft. Doch die wurden zunächst einmal auf Ende August vertagt.

Schon in den vergangenen Tagen war durchgesickert, was Landrat Hermann Luttmann (CDU) in einer kurzen Präsentation noch einmal verdeutlichte: Von 19 Potenzialflächen des zweiten RROP-Entwurfs bleiben nach einer Stellungnahme des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr nur noch 14 oder 15. Groß Meckelsen, Fintel, Ahausen und Wittorf müssen gestrichen werden, da sie in einem Hubschrauber-Tiefflugkorridor der Bundeswehr liegen. Das war der Kreisverwaltung in dem seit nunmehr fünf Jahre andauernden RROP-Entwicklungsprozess noch nicht bekannt. „Wir versuchen, das Beste daraus zu machen, dass uns die Bundeswehr die Standorte gestrichen hat“, so Luttmann, der keinen Hehl aus seinem Unmut machte: „Ich will jetzt nicht sagen: kaputt gemacht hat.“

Vier Standorte gestrichen, die Fläche bei Weertzen/Langenfelde zudem deutlich verkleinert: Das eigene Ziel aus dem Klimaschutzkonzept im Jahr 2013, dass die Vorrangflächen für Windkraftanlagen von heute 0,51 Prozent der Kreisfläche verdoppelt werden, ist nicht mehr haltbar. Noch weiter ist Rotenburg nunmehr vom niedersächsischen Windenergieerlass mit 2,53 Prozent entfernt: Es bleiben im dritten Entwurf, der nun ausgearbeitet wird, Vorrangflächen mit 1 790 Hektar – 0,86 Prozent der Kreisfläche. Rechne man auch den noch offenen Bereich Ostervesede hinzu, für den eine Lösung für den dort brütenden und geschützten Rotmilan gesucht wird, komme man dem eigenen Ziel zumindest halbwegs nahe, versuchte sich Luttmann in Optimismus. Die Kritik einer Verhinderungsplanung lasse man sich im Kreishaus jedenfalls nicht gefallen, würden doch überall im Kreisgebiet die gleichen Maßstäbe angesetzt. Zudem bewege man sich auf dem Niveau der Nachbarkreise (Heidekreis 0,75 Prozent der Kreisfläche, Osterholz 0,77 und Verden 0,85 Prozent). Damit sei die Planung auch gerichtsfest, so Luttmann. Denn dass irgendwann Klagen kommen, sei sicher – zu groß ist das Interesse der Branche, sich Flächen für die neuen Mega-Windräder zu sichern.

Auch für Regionalplaner Rainer Meyer kamen die Einwände der Bundeswehr überraschend. Aber man müsse sich auf die Daten verlassen, überprüfen oder gar ablehnen ließe sich der militärische Anspruch auf die drei Kilometer breiten Tiefflugzonen, der sich aus dem Raumordnungsgesetz ergebe, sowieso nicht. „Es ruckelt sich so zurecht“, sagte Meyer und verwies auf große Debatten wie zum Beispiel in Wittorf, ob dort Windkraftanlagen aufgestellt werden dürften. Manche Entscheidung sei nun von anderer Stelle übernommen worden.

Nach 2005 braucht der Landkreis ein neues RROP, das sich um raumbedeutsame Planungen, also um Windräder gewisser Höhe, Abbauflächen bestimmter Größe oder andere Großprojekte kümmert. 450 Stellungnahmen gab es nach dem ersten Entwurf, 164 waren es nach dem zweiten. Dem Umweltausschuss soll am 29. August der dritte Entwurf der Verwaltung vorgelegt werden, dann folgt wieder ein öffentliches Beteiligungsverfahren. In der ersten Jahreshälfte 2019 ist der Satzungsbeschluss durch den Kreistag möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Kunsthandwerkermarkt im Kreismuseum Syke

Kunsthandwerkermarkt im Kreismuseum Syke

Bio-BBQ in Weyhe

Bio-BBQ in Weyhe

Wie werde ich Bibliothekar/in?

Wie werde ich Bibliothekar/in?

Neue Opulenz und die gewohnte Schlichtheit im Trend

Neue Opulenz und die gewohnte Schlichtheit im Trend

Meistgelesene Artikel

Ein Festival, mit dem jeder gut leben kann

Ein Festival, mit dem jeder gut leben kann

Schwerer Unfall in Seedorf: Zwei Menschen verletzt

Schwerer Unfall in Seedorf: Zwei Menschen verletzt

Festival-Caterer residiert im Gasthaus Götze

Festival-Caterer residiert im Gasthaus Götze

US-Austauschschüler erleben erstes Festival „made in Germany“

US-Austauschschüler erleben erstes Festival „made in Germany“

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.