Seine letzte Chance

Cannabis-Plantage im Gewerbegebiet: Visselhöveder kommt mit Bewährungsstrafe davon

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In dieser Lagerhalle in Visselhövede war die Polizei im Juni 2016 auf der Suche nach Drogen fündig geworden.

Es ist seine letzte Chance. Das betont Strafrichterin Petra Simon mehrfach. Noch einmal kommt ein 59-jähriger Visselhöveder mit einer Bewährungsstrafe davon. Sein Vorstrafenregister ist beachtlich, doch die Verurteilung für Drogenbesitz und Drogenhandel führt auch für ihn nicht ins Gefängnis.

Rotenburg/Visselhövede – Die Gespräche sind lang an diesem Dienstagmorgen im Rotenburger Amtsgericht. Die Hauptverhandlung gegen den der Justiz bestens bekannten 59-Jährigen aus Visselhövede sowie gegen seinen 31-jährigen Sohn und einen weiteren 29-jährigen Mittäter ist noch gar nicht eröffnet, da verschwindet Richterin Simon mit den drei Verteidigern und dem Staatsanwalt im Hinterzimmer. Die Fakten sind klar, es wird verhandelt – ein auch im Strafrecht bewährter Deal zum Strafmaß, um das Verfahren abzukürzen, wird angestrebt. Rechtlicher Kuhhandel, sagen Kritiker.

Dabei ist das, was sich die Männer zu Schulden haben kommen lassen, unstrittig. Anklage und Verteidigung sagen, es sei alles absolut zutreffend, wie es im Sitzungssaal eins vor Richterin Simon und den beiden Schöffen vorgetragen wird. Nur einer der damals ermittelnden Beamten muss dazu ergänzende Ausführungen machen. Im Kern geht es um eine Cannabis-Plantage, die die drei Männer gemeinschaftlich in einer Lagerhalle im Gebwerbegebiet Celler Straße-Ost in Visselhövede im Jahr 2016 aufgebaut hatten. Die Idee, so die Angeklagten, hatten die beiden Jüngeren, der Mieter der alten Werkstatt an der Rudolf-Diesel-Straße und Vater des einen Angeklagten sei mehr oder weniger „nur der Gärtner“ gewesen. Die Anleitung zum Bau gab es auf Youtube, Platz genug war unter dem Dach der Lagerhalle. 187, noch nicht für die Ernte ausreichend gereifte Hanf-Pflanzen räumten die Ermittler in einer Aufsehen erregenden Aktion am 29. Juni 2016 aus der Lagerhalle, nachdem sie von einem festgenommenen Drogenkonsumenten einen Tipp auf die Betreiber erhalten hatten. Auch die Sparkasse hatte die Beamten alarmiert, da sie auf den Online-Kauf der Pflanzensamen gestoßen war, so der Ermittler. Die drei Männer wurden kurzfristig festgenommen, kooperierten allerdings und wurden schnell wieder entlassen. Auch Kokain – von rund 18 Gramm ist die Rede – sei gefunden worden. Angeklagt sind die beiden Jüngeren wegen des Besitzes und Handels mit den weichen Drogen, dem heute 59-Jährigen wird zudem der Handel mit Kokain vorgeworfen. Im Mai dieses Jahres sind die Beamten bei ihm noch einmal fündig geworden – während das Verfahren um die Plantage bereits lief.

Man kennt sich sowieso. Als Richterin Simon beginnt, das Vorstrafenregister des 59-jährigen Arbeitslosen vorzulesen, lehnt dieser sich im Gerichtssaal entspannt zurück. Auch er weiß: Das dauert. Von 1975 bis 2019 reichen die Einträge, von Diebstahl über Körperverletzung, Urkundenfälschung und Trunkenheit im Verkehr bis zum Drogenhandel. Als er 2005 gegen Bewährungsauflagen verstößt, muss er ins Gefängnis. Richterin Simon spricht davon, dass „ein kleines Buch an Vorstrafen“ zusammengekommen ist. Als sie einschränkt, dass es in letzter Zeit „ruhiger geworden ist“, brummt der Angeklagte amüsiert auf. „Sie müssen echt aufpassen“, sagt die Richterin und verdeutlicht, dass jedes weitere Vergehen – vor allem Drogengeschäfte –, für das man sich vor dem Amtsgericht wiedertreffen wird, ins Gefängnis führen dürfte. Noch bleibt der 59-Jährige aber auf freiem Fuß, eine Strafe von einem Jahr und elf Monaten sind schließlich das Urteil, mit dem alle Seiten leben können. Ausgesetzt ist es für vier Jahre auf Bewährung, zudem muss der Mann 3000 Euro Strafe an die Landeskasse zahlen.

Der Sohn des 59-Jährigen und der Mittäter erhalten geringere Strafen. Dem Nachwuchs aus der der Polizei bekannten Familie attestiert Simon durchaus einen Willen, sich zu verändern. Auch er hat Vorstrafen wie Betrug und Körperverletzung, habe sich zuletzt aber gefestigt. Auch einen Job als Zusteller haber er gefunden. Eineinhalb Jahre Strafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung, erhält er, dazu muss er 1 500 Euro zahlen. Um das Strafmaß für den Jüngsten des Trios – nicht vorbestraft – gibt es noch ein wenig Diskussionen angesichts der Schwere des Vergehens, am Ende stehen für ihn eine einjährige Bewährungsstrafe und 1000 Euro. „Es tut mir alles leid, es war das erste und letzte Mal, ich bin geheilt“, sagt er und äußert sich damit als einziger mit einem eigenen Statement über seinen Verteidiger hinaus.

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