Nils Köhler über die Zukunft des Volksbundes deutsche Kriegsgräbervorsorge

Sinkende Mitgliederzahlen zwingen zum Wandel

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Nils Köhler vom VdK-Bundesverband sprach über den Wandel in der Gedenkarbeit.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge (VdK) steht vor einer Umgestaltung seiner 65-jährigen Arbeit. Das hat Nils Köhler von der VdK-Bundeszentrale in Kassel auf der Mitgliedsversammlung des Rotenburger Kreisverbandes erklärt, die jüngst im Haus am Luhner Forst stattfand. Sinkende Mitgliederzahlen zwingen zu einem Wandel in der Gedenkkultur, so der Historiker.

Der in Celle aufgewachsene Leiter der Abteilung Gedenkkultur und Bildung zeigte sich erfreut über die große Zahl von Besuchern, die sich für seinen Vortrag zum Thema „Die künftigen Entwicklungen und Planungen des Volksbundes“ interessierten. „Ein vergleichbares Interesse an der Arbeit des VdK ist heute längst nicht mehr überall die Regel“, sagte er.

126504 Mitglieder habe der VdK aktuell, aber in „den nächsten fünf Jahren wird ihre Zahl deutlich unter 100000 sinken“. Das müsse, so Köhler, nicht der „Untergang“ des VdK sein, zwinge jedoch zu einem Wandel der Gedenkkultur. Die Erinnerung an Kriegstote spiele in der heutigen Gesellschaft jedoch „kaum noch eine Rolle“.

Über Jahrzehnte sei der VdK ein Suchdienst gewesen, heute hätten sich seine Aufgaben gewandelt. Wie die Arbeit und das Anliegen des Volksbundes künftig aussehen sollen, daran werde auf unterschiedlichen Ebenen nachgedacht.

Das Recht jedes Kriegstoten – unabhängig von seiner Nationalität und seinem Handeln im Krieg – auf eine Grabstätte sei das wichtigste Anliegen des Volksbundes. Die Soldatenfriedhöfe sollen künftig Ruhestätten aller Toten sein. 832 Kriegsgräberstätten in 45 Ländern gilt die Arbeit des VdK, über die Gräber hinweg sollen sich künftig die Völker die Hände reichen, so Köhler.

Um die Menschen anzusprechen seien Schwerpunkte ausgesucht worden. Köhler nannte unter anderem die Verdun-Gedenkstätte in Frankreich. Ferner gab es auch eine Reise zu einer Gedenkstätte nach Lappland für jüngere Menschen, die schnell ausverkauft gewesen sei. Der Referent erwähnte zudem den Versuch, über Kriegsbiografien „den Toten ein Gesicht“ zu geben.

Ein weiteres Thema Köhlers waren die jährlich bis zu 35000 Umbettungen, um tote Soldaten in ihre Heimat zu holen. Alles Aufgaben, die den Jahresetat des VdK von rund 43 Millionen Euro – davon etwa 30 Millionen Euro Spenden – überstiegen. Er forderte deshalb eine Erhöhung der öffentlichen Mittel. „Man braucht den Volksbund heute mehr denn je“, sagte er. Polnische Bürger seien ein Beispiel, wo sich ehemalige Gegner versöhnt die Hände reichen: die Restaurierung von Kriegsgräbern durch die Polen im ehemaligen Ostpreußen.

Das Ziel sei, so Köhler in seinem einstündigen Vortrag, den fertigen Entwurf über die künftigen Entwicklungen und Planungen des VdK im kommenden Jahr der Bundesvertreter-Versammlung vorzulegen. Dafür nahm er aus dem Kreis der Besucher eine Reihe von Anregungen mit nach Kassel.

Zum weiteren Programm der Versammlung gehörte der Bericht einer Soldatengruppe der Bundeswehr über den Arbeitseinsatz auf dem Monte-Cassino-Friedhof (Sizilien). Hier liegen Fallschirmjäger, die 1944 bei dem Versuch, den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten, ihr Leben ließen. Mit monatlich etwa 4000 Gästen ist die Gedenkstätte „Flamme des Friedens“ eine der am meisten besuchten Kriegsgräberstätten.

Landrat Hermann Luttmann, Vorsitzender des Kreisverbandes, berichtete über die Arbeit des VdK im vergangenen Jahr. Die Mitgliederzahl schrumpfte im Jahr 2014 um fünf Prozent auf 857. Das Sammelergebnis belief sich im Kreis auf rund 59000 Euro. Er bedankte sich bei den Helfern, die wieder von Haus zu Haus gezogen waren. Luttmann erinnerte auch an die Gedenkfeiern, die in den Gemeinden zum Volkstrauertag begangen wurden.

Neben dem Vortrag ehrte der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge (VdK) folgende Mitglieder: Die Weißgoldene Nadel für 20-jährige ehrenamtliche Tätigkeit erhielten Ute Henning aus Gnarrenburg und Hans-Joachim Rösch aus Lengenbostel. Eine Goldene Nadel für 15 Jahre Engagement bekam Heinrich Wellenbrock aus Scheeßel, für zehn Jahre ehrenamtliche Arbeit verlieh der VdK Werner Holsten aus Heeslingen die Silberne Nadel. Olaf Jungnitz aus Nindorf und Werner Liszkowski aus Rotenburg erhielten die Bronzene Nadel für fünf Jahre Tätigkeit.

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