Kandidat für Die Linken

Nils Bassen - der Riepe-Typ

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Nils Bassen war bereits 218 Mal auf der Tanzfläche der Diskothek Padam. Viele nennen ihn daher den „Riepe-Typ“.

Rotenburg - Er studiert, er tanzt, und er macht Politik: Nils Bassen bewegt sich gerne und will als jüngster Landtagskandidat im Wahlkreis etwas vorantreiben. Mit 24 Jahren bewirbt sich der Rotenburger für das hohe Amt - die Wahl ist am 15. Oktober. Seine Partei ist Die Linke. Er ist noch ein Neuling in der Politik, schrecke aber nicht davor zurück, seine Meinung auch gegen den „Mainstream“ zu äußern, wie er sagt. „Wenn ich für etwas brenne, möchte ich den Leuten erklären, warum ich diese Meinung vertrete und für Akzeptanz sorgen.“

Nils Bassen beschreibt sich selbst als einen „sehr freundlichen, extrovertierten Menschen“, der gerne den Kontakt zu anderen Menschen sucht. Eine Eigenschaft, die in der Politik durchaus von Vorteil ist. Die Geselligkeit sucht und findet er auch regelmäßig auf der Tanzfläche, bevorzugt auf dem Parkett der Rieper Diskothek Padam. „Ich habe mitgezählt: 218 Mal war ich bereits in Riepe.“ Deswegen findet seine Homestory auch nicht in seiner eigenen Wohnung, sondern in eben jener Diskothek statt.

Nach einem kurzen Gespräch mit Padam-Inhaber Michel Marboeuf, öffnet dieser die Tür zu Bassens zweitem Zuhause. Der nimmt Platz auf einem Barhocker, platziert auf der Tanzfläche, für ein Foto. Marboeuf redet ihm gut zu und bringt den Linkenpolitiker zum Lachen – das Foto ist im Kasten. „Wegen meiner vielen Besuche nannten mich einige Leute schon häufiger ,den Riepe-Typ‘“, schmunzelt der Diskofox-Fan.

Vor seiner politischen und tänzerischen Zeit musste Bassen aber erstmal die Grundschulbank drücken. Dort hatte der 24-Jährige immer gute Noten geschrieben, sodass er an der Eichenschule angenommen wurde. Dann kam der Schock: „Ich bekam eine Fünf in Biologie. Das nahm mich richtig mit“, erinnert er sich. Damals sei er eher introvertiert gewesen, fühlte sich allein und kam nicht damit zurecht, „versagt zu haben. Von da an habe ich mich für andere Sachen als Schule interessiert. Mädchen zum Beispiel. Pubertät halt.“

Interesse für Politik erwacht früh

Nach dem Wechsel auf die Realschule wurden seine Noten zwar etwas besser, auf dem Fachgymnasium Wirtschaft der Berufsbildenden Schulen in Rotenburg schaffte er aber seinen schulischen Durchbruch und seine Hochschulreife mit 1,8. Aufgrund seines guten Abschlusses versucht Bassen, ein Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung für sein VWL-Studium in Lüneburg zu erhalten. In der Hansestadt möchte er auch einen Tanzverein suchen.

Das Interesse an Politik habe Nils Bassen schon als Jugendlicher gehabt. Auf Partys wollte er dieses Interesse teilen, „die anderen wollten sich aber immer lieber über Fußball unterhalten. Fand ich aber auch wichtig.“ Um politisch Gleichgesinnte zu finden, trat er im vergangenen Jahr den Linken bei. „Aber seitdem will keiner mehr mit mir über Fußball reden“, erzählt Bassen mit einem Lächeln. Jetzt, wo er politisch aktiv ist, kommt es halt vor, dass die Menschen ihn zum Beispiel auf dem Lauenbrücker Flohmarkt über Politik ausfragen. Somit teilt er seine Zuneigung zu Borussia Dortmund immer seltener.

Ein weiterer Grund, warum er den Weg in die Politik wählte, liest sich nicht so unterhaltsam. Vor drei Jahren starb sein Vater an Lungenkrebs. Fast vier Jahrzehnte war er als Buchhalter tätig. „Dann kam die Agenda 2010. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nahm der Staat ihm seine angesparte Lebensleistung weg.“ Dieses Schicksal habe seinem Vater auch an Kraft gekostet, gerade als er krank wurde. „Deswegen bin ich auch bei den Linken und nicht bei der SPD“, so Bassen, der sich daher selbst auch als „Agenda-Kind“ bezeichnet.

„Bin nicht fehlerfrei und muss noch viel lernen“

Als kleiner Junge wollte er, wie viele Kinder, den Beruf seines Vaters später ausführen. „Ich habe aber recht schnell gemerkt, dass ich dafür nicht ordentlich genug war.“ „Ich bin logischerweise nicht fehlerfrei und muss noch viel lernen, was ich aber auch werde. Ob politisch oder auch privat.“ Es gibt Leute, sagt er, die ihn als ein klein wenig selbstdarstellerisch beschreiben. „Ganz abstreiten kann ich das nicht, weil ich mich in einigen Situationen schon so verhalte. Ganz wichtig ist hierbei aber, dass ich jederzeit versuche, meine Mitmenschen zum Lächeln und glücklich sein zu motivieren.“ Bassen möchte Verantwortung übernehmen, ganz gleich, welche Herausforderung ihn erwartet.

Sein vordergründiges politisches Ziel ist der Einzug seiner Partei in den Niedersächsischen Landtag. „Gerade jetzt, und da bin ich auf der Seite vieler meiner Genossen, müssen wir eine soziale Alternative sein, die sich in einigen Bereichen gegen die Ökonomisierung der Gesellschaft einsetzt.“

Von Joris Ujen

Der Überblick

Alle Kandidaten aus dem Wahlkreis Rotenburg und die Ergebnisse am Wahlabend finden Sie im Überblick bei uns.

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