Nienburger Fall nährt Verdachtsmomente im Kreis Rotenburg

Krebszahl ist bestätigt

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Ob die Erdgasförderung in der Region die Krebsfälle ausgelöst hat, ist in Rotenburg noch unklar.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der Landkreis Rotenburg tappt weiterhin im Dunkeln, was die Gründe für die erhöhte Zahl von Leukämien und Lymphomen insbesondere bei älteren Männern in der Samtgemeinde Bothel und im Rotenburger Stadtgebiet betrifft. Ergebnisse der detaillierten Befragung in Bothel, die über mögliche Auslöser Aufschluss geben könnte, werden erst im kommenden Jahr vorliegen. Den Verdacht eines Zusammenhangs mit der Erdgas- oder Erdölförderung stärken nun aber Ergebnisse aus dem Landkreis Nienburg.

Dort waren in der Gemeinde Rodewald erhöhte Leukämie-Zahlen rund um einen mit Benzol verseuchten Erdöl-Förder- und Betriebsplatz festgestellt worden. Eine erste Anfrage beim Kinderkrebsregister in Mainz hat das bestätigt. Zwischen 1987 und 2014 sind vier Leukämiefälle aus Rodewald registriert worden. Dagegen wären nur 0,6 Fälle zu erwarten gewesen, zwei weitere wurden aus den weiteren Gemeinden der Samtgemeinde Steimbke registriert. Die jetzt vorliegende Auswertung zeigt außerdem, dass die Auffälligkeiten in einem sehr begrenzten Zeitraum, nämlich mit Ausnahme eines vorherigen Falles, zwischen 2004 und 2007 aufgetreten sind. Das Ergebnis bestätigt die Notwendigkeit des vom Landkreis Nienburg eingeschlagenen Weges, mehr über die einzelnen Fälle in Rodewald in Erfahrung bringen zu wollen, teilt Torsten Rötschke, Pressesprecher der Stadt Nienburg, mit. „Der Landkreis geht von einer zeitlich wie räumlich eng umfassten Leukämiehäufung bei Kindern aus“, fasst Torsten Vogel, Leiter des Nienburger Gesundheitsamtes, den Zwischenstand der Untersuchungen zusammen. Weitere Analysen laufen.

Für die Kritiker der großflächigen Erdgas- und Erdölförderung in der Region ist das ein klares Signal, da die Krebszahlen im Kreis Nienburg erstmals direkt mit Giftstoffen der Förderung korrelieren. „Das Ergebnis zeigt, dass Kohlenwasserstoff-Förderung in der Vergangenheit andernorts nun auch erwiesenermaßen zu erheblichen krebserregenden Gefahrenpotenzialen geführt hat. Derartige Nachweise sind ein Element, das in Rotenburg fehlt. Dennoch kann auch hier ein Zusammenhang keineswegs ausgeschlossen werden“, so Kathrin Otte vom Netzwerk für Umweltkranke (Genuk), die im Kreis Nienburg mit in der Arbeitsgruppe zu den Vorfällen sitzt. Dass diese Kinder nicht zufällig, sondern durch schädigende Einflüssen von außen erkrankt und zum Teil auch verstorben sind, sei ein schwerwiegendes Ereignis. Trotz aller Vorsicht, um die die verantwortlichen Behörden und Unternehmen im Kreis Rotenburg angesichts des sensiblen Themas bitten, sei festzuhalten: „Es zeichnet sich ein Bild ab, das die voreilige komplette Freisprechung der Erdgas- und Erdölindustrie in Bezug auf potenziell gesundheitsschädliche Auswirkungen immer mehr verbietet.“

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