Trockenheit in der dritten Runde

Wasserknappheit in Niedersachsen: Kanus auf Wümme und Oste bleiben trocken

Das dritte Jahr in Folge ist das Wetter in Niedersachsen trockener als gewohnt. Das macht sich in vielen Bereichen bemerkbar. Auch Kanufahren ist davon betroffen.

  • Das Wetter in Niedersachsen ist laut NLWKN Experte das dritte Jahr in Folge zu trocken.
  • In Niedersachsen gibt es auch 2020 eine „außergewöhnliche hydrologische Situation“.
  • Niedrige Wasserstände in der Wümme und Oste führen zu Probleme für Kanu-Verleihe.

Rotenburg/Hellwege/Elsdorf – Der Sommer hat sich verabschiedet. Zeit, einmal zurückzuschauen: Auch in diesem Jahr war es wieder gefühlt warm und trocken, Regen gab es selten. Doch was sagen die Zahlen, kann dieses Gefühl belegt werden? Ja, sagen die Experten des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): „Die Kernaussage für 2020 lautet: ,Die Trockenheit geht in die dritte Runde‘“, so das Statement der Experten.

2020 eine außergewöhnliche hydrologische Situation

Demnach sei auch in 2020 eine außergewöhnliche hydrologische Situation gewesen, Parallelen zu den vergangenen beiden Ausnahmejahren 2018 und 2019 könnten durchaus gezogen werden, bestätigte Bettina Dörr, Pressesprecherin des Landesbetriebs. Das sorgt für Probleme, unter anderem beim beliebten Wasserwandern.

Im Landkreis gibt es mehrere Kanuverleiher, viele davon an der Wümme, wie zum Beispiel Johannes Beckmann (l.) und Hans-Jürgen Ruthner.

Der Frühjahrsregen und die sommerlichen Niederschläge seien dürftig und punktuell sehr unterschiedlich ausgefallen. Ausreichende Reserven, die sonst im Winterhalbjahr wieder gebildet wurden, fehlten. Einzig der Februar sei ein außergewöhnlich nasser Monat mit im Schnitt 120 Litern pro Quadratmeter gewesen.

Wetter in Niedersachsen: Nur 30 Prozent der üblichen Regenmenge

Üblich für diesen Zeitraum seien Mengen um die 50 Liter pro Quadratmeter. Ansonsten lagen von Januar bis Juli dieses Jahres alle Summen erheblich unter den langjährig gemessenen üblichen Werten. Im April und Mai fielen im Schnitt nur 30 Prozent der sonst üblichen Regenmengen.

Da die Grundwasserreserven aus den Jahren zuvor kaum aufgefüllt worden seien, gebe es inzwischen einen nicht unerheblichen Fehlbetrag, der sich nun zunehmend auf die Gewässer auswirkt. In der Vergangenheit gab es zwar auch längere Trockenperioden mit niedrigen Wasserständen, aber gleich drei Jahre aufeinander folgend und praktisch den ganzen Sommer hindurch anhaltend, „das ist tatsächlich außergewöhnlich“, so Dörr.

Auch die Landwirtschaft leidet unter der Wasserknappheit stark.

Probleme für Landwirtschaft und erhöhte Waldbrandgefahr in Niedersachsen

All dies verursacht Probleme. Zum Beispiel bei der Ernte, einen sinkenden Grundwasserstand und eine erhöhte Waldbrandgefahr. Der Wassermangel trifft aber auch die vielen Kanuverleih-Anbieter. Der Hellweger Kanuverleiher Sören Prüser berichtet: „Mit dem Wasserstand der Wümme gab es schon immer mal Probleme. Vor allem in den letzten drei Jahren ist es aber schlimmer geworden, immer wieder mussten wir den Betrieb einstellen.“

Geplante Touren mussten abgesagt werden. Als Alternative habe er die Möglichkeit, die Aller zu befahren. „Das haben wir in diesem Sommer auch schon gemacht, aber der Aufwand ist groß“, führt Prüser aus. Auch Diana Meinke, die als Einzelunternehmerin hauptberuflich den Kanuverleih Wümme in Elsdorf betreibt, findet deutliche Worte: „Dieses Jahr war ganz schlecht.“ Die ersten zwei Monate habe man aufgrund der Corona-Situation nicht fahren dürfen, danach passte der Wasserstand nicht mehr. Zwar könne sie bei zu wenig Wasser Strecken bis nach Bremervörde befahren, diese seien aber wenig attraktiv.

Nicht nur Wasserstand auf Wümme und Oste ein Problem

Neben dem Wasserstand sieht sie noch ganz andere Probleme: Gerade die idyllischen Strecken seien zugewuchert und nicht mehr zu befahren. „Das ist zwar ein Naturschutzgebiet, aber das heißt doch nicht, dass man das nicht mehr pflegen darf.“ Es käme ja auch niemand auf die Idee, die Lüneburger Heide nicht mehr zu pflegen. Die Weiden würden nicht mehr zurückgeschnitten, dadurch würden viele andere Pflanzen verdrängt. Das sei früher anders gewesen.

Seit 22 Jahren betreibt sie den Verleih, vor allem die Oste und Wümme befährt sie. „In all diesen Jahren wurde viel investiert, der Tourismusverband hat ganz viel dafür getan, damit das hier attraktiv ist“, schildert sie. Doch inzwischen verkomme alles. „Wir können auch nicht planen, wir werden in keinerlei Entscheidungen miteinbezogen“, klagt sie – es ist ihr anzuhören, dass die Situation belastend ist. Sie sei selber im Naturschutz engagiert, vom Landkreis Rotenburg und den zuständigen Behörden fühle sie sich jedoch im Stich gelassen.

Probleme auf Strecken bei Lauenbrück

Von Problemen durch zugewachsene Strecken berichteten im Sommer auch Johannes Beckmann und Hans-Jürgen Ruthner, die in Lauenbrück Kanus verleihen. Der Landkreis betont auf Anfrage, die Kanuverleiher zu unterstützen. Die schwierigen Wetterbedingungen werden hier nur teilweise bestätigt: Insbesondere die Jahre 2017 und 2018 seien witterungsbedingt Besonderheiten gewesen. 2017 habe man fast durchgängig paddeln können, 2018 sei sehr trocken gewesen.

2019 und 2020 habe man die Oste und die Wümme überwiegend befahren können. Auf die Problematik der Landschaftspflege angesprochen, verweist Pressesprecherin Christine Huchzermeier darauf, dass die Unterhaltung der Gewässer dem jeweils zuständigen Unterhaltungsverband obliege. Es sei aber nicht verboten, Weiden oder andere Gebüsche zurückzuschneiden oder zu entnehmen. Auch sei eine Verdrängung von anderen Pflanzenarten nicht bekannt.

Die Mindestwasserstände könnten auf Antrag abgesenkt werden: Nämlich dann, wenn die Verleiher nachweisen, dass der niedrigere Wasserstand ausreicht, um an keiner Stelle mit dem Kanu oder den Paddeln auf der Gewässersohle oder Sandbänken aufzusetzen. 2018 und 2019 seien diese Befreiungen kurzfristig ohne umfangreiche Prüfung erteilt worden – möglicherweise können die Verleiher so etwas gelassener auf die wahrscheinlich weiterhin eher trockenen Sommer blicken.

Von Judith Tausendfreund

Rubriklistenbild: © Tausendfreund

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