KLIMASCHUTZ VOR ORT Christoph Dembowski im Interview

„Nichtstun ist keine Option“

Christoph Dembowski geht vorweg: Bei einer Rotenburger Demo im Sommer ist er selbsverständlich dabei. Fotos: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Es gibt in Rotenburg einen Mann, der sich oft zu Wort meldet, wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht. Der Kinderarzt Dr. Christoph Dembowski wird nicht müde, sich mit seiner Sicht der Dinge an der öffentlichen Diskussion zu beteiligen und diese selbst auch anzuregen. Im Sommer dieses Jahres erst hatte er eine kleine Demo in der Stadt Rotenburg mitorganisiert – eine Demo ganz im Zeichen der „Fridays For Future“-Bewegung. Wir haben dem Mediziner ein paar Fragen gestellt.

Herr Dembowski, was tun Sie selbst, um das Klima zu schützen?

In unserem Haus verbrauchen wir im Schnitt der letzten fünf Jahre zwölf Prozent weniger Strom als ein vergleichbarer Drei-Personenhaushalt in Deutschland. Unser Strom ist dabei 100 Prozent erneuerbar. Beim Erdgas sind wir noch besser, da verbrauchen wir 33 Prozent weniger Heizenergie als der Bundesdurchschnitt. Zur Orientierung: Unser Haus wurde 1953 gebaut und hat etwa 130 Quadratmeter Wohnfläche. Außerdem fahre ich nahezu alle innerstädtischen Strecken mit dem Rad und kaufe im Bioladen keinen Joghurt aus Bayern. Für meine Flugreisen nach Weißrussland habe ich den „CO2-Schaden“ immer finanziell kompensiert.

Sie gehen also mit gutem Beispiel voran. Aber mal ehrlich: Was können wir vor Ort schon ausrichten?

Was ein einzelner Mensch bewirken kann, kann man gut am Beispiel Greta Thunberg sehen.

Wie groß aber ist der Nachholbedarf, diese Überzeugung auch in Rotenburg an den Mann und an die Frau zu bringen?

Seit dem Sommer 2018 ist Nichtstun keine Option mehr. Von daher kann ich den „Nachholbedarf“ gar nicht genau benennen. Das Einzige, was wir falsch machen können, ist zu klein zu denken. Jeder von uns ist gefordert. Unser CO2-Fußabdruck muss jährlich um sieben Prozent zu reduziert werden. Wenn wir überleben wollen.

Können Sie verstehen, dass es immer noch viele Menschen gibt, die am liebsten so weitermachen würden wie bisher?

Ja, weil wir den Status quo gerne halten wollen. Das klappt aber nicht. Wir merken das überall, wenn wir ehrlich sind: im Gesundheitsbereich, in der Verkehrspolitik, in der Landwirtschaft und in der Umweltpolitik.

Wie groß ist der Aufwand im Alltag, um sich klimagerechter zu verhalten?

Nicht besonders groß, wenn man zum Beispiel gerade zuletzt in der Adventszeit genau hinschaut, wieviel sinnloses Zeug uns da als „Schnäppchen“ verkauft werden soll, und wenn man sich diesem Unsinn verweigert. Denn kein Mensch braucht so etwas wie einen „Black Friday“!

Womit genau könnten wir alle eigentlich sofort anfangen?

Auf der Landstraße Tempo 80, auf der Autobahn Tempo 100 fahren.

Sie selbst engagieren sich schon seit vielen Jahren für den Klimaschutz. Woher kommt diese Überzeugung bei Ihnen?

Es ist die Überlebensfrage. Für uns und unsere Kinder.

Zuletzt haben Sie am Diako versucht, den Menschen klar zu machen, wo der Zusammenhang besteht zwischen Klima- und Gesundheitsschutz. Wie war die Resonanz?

Besonders gefreut hat mich da, als ich mit zwei Krankenpflegern ins Gespräch kam, die früher Patienten waren in meiner alten Kinderarztpraxis. Ich habe ihnen beiden je einen Anstecker „Health for Future“ überreicht.

Ihre Initiative vor einigen Monaten mit Blick auf eine Steuer für CO2 ist im Stadtrat gescheitert. Es ging um eine Resolution in Form einer Mitgliedschaft in dem Verein, der sich dafür bundesweit einsetzt. Wie enttäuscht sind Sie heute noch, dass der Rat sich dieser Initiative nicht angeschlossen hat?

Ich bin nicht enttäuscht, im Gegenteil: der Ratsantrag, dass unsere Stadt der Initiative CO2-Abgabe beitreten möge, hatte eine intensive Diskussion des Themas in der Stadt zur Folge.

Können Sie die Menschen verstehen, die es als zu viel empfinden, was in diesen Wochen und Monaten in Sachen Klimaschutz alles auf sie hereinprasselt?

Ja. Es ist eine Herkulesaufgabe. Aber Klimaschutz macht die Lebensbedingungen für alle Menschen gesünder.

Kann Klimaschutz auch einfach Spaß machen?

Ja, zum Beispiel, wenn ich merke, wie befreiend es ist, dass ich nicht nach Mallorca zu „All Inclusive“ muss, sondern mich am Grafeler Forst oder an einer Radtour durch Mecklenburg freuen kann. Und es macht mir auch Spaß, unser Auto so zu fahren, dass der Durchschnittsverbrauch bei vier Litern pro 100 Kilometern liegt.

Natur-, Umwelt- und Klimaschutz gehören ganz eng zusammen. Was muss sich der Landkreis, was müssen sich die Kommunen aus Ihrer Sicht für die kommenden Jahre dahingehend auf die Fahnen schreiben?

Jede politische beziehungsweise behördliche Planung muss konsequent auf Folgen für unser Klima überprüft werden.

Selbst beim Krimi-Shopping hat Sie das Thema „verfolgt“, man konnte Sie als Umweltdetektiv erleben. Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Aktivitäten in Sachen Umwelt- und Klimaschutz?

Immer, wenn ich eine Idee habe, das Thema voranzubringen.

Dass Klimaschutz eben auch in vielen Projekten des Umweltschutzes steckt, hat sich gerade erst bei der Vergabe des Rotenburger Umweltschutzpreises gezeigt. Sie selbst hatten Andreas Rieß als Leiterin des Umweltschutzbüros der Stadt als Preisträgerin vorgeschlagen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Andrea Rieß leistet seit Jahrzehnten eine unschätzbar wertvolle inhaltliche und organisatorische Arbeit für den Naturschutz und für unsere Umwelt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Clio kracht in Oldtimer-Traktor – begräbt Fahrer unter sich

Clio kracht in Oldtimer-Traktor – begräbt Fahrer unter sich

Clio kracht in Oldtimer-Traktor – begräbt Fahrer unter sich
Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Jeddingen bekommt einen Dorfladen
Wie schafft man 2G-plus?

Wie schafft man 2G-plus?

Wie schafft man 2G-plus?
Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht

Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht

Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht

Kommentare