Nicht nur für die „Reichen und Schönen“

Richter und Busche äußern sich zu Vorwürfen bezüglich der Haus-B-Erweiterung 

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Lieselotte Busche und Matthias Richter verteidigen die Baumaßnahme des Diakonieklinikums. Auch die vorgeworfene fehlende Unterstützung seitens des Krankenhauses gegenüber den „Grünen Damen und Herren“ stößt bei ihnen auf Unverständnis.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Das Haus B des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg wird um ein Stockwerk erweitert, die Baumaßnahmen haben bereits Anfang November begonnen. Dort soll eine interdisziplinäre Komfortstation entstehen.

Nach der Berichterstattung über die Baumaßnahme in der Kreiszeitung, äußerten sich zwei Frauen in Leserbriefen kritisch über das Vorhaben: Darin war die Rede von „Superluxus“ und einer einhergehenden Benachteiligung ärmerer Patienten. Zudem wurde die Finanzierungsmaßnahme an sich scharf kritisiert. So hätte das Geld auch für die Finanzierung der Mitgliedsbeiträge der ehrenamtlichen „Grünen Damen und Herren“ verwendet werden können. Das Krankenhaus hingegen verteidigt die Baumaßnahme, ebenso wie die Leiterin der Ehrenamtlichen.

„Die Vorwürfe sind unverständlich“, sagt Matthias Richter, Theologischer Direktor des Diakonieklinikums. „Wir reagieren mit der Erweiterung auf die vielen Anfragen von Patienten, die sich ein größeres Einzelzimmer mit etwas mehr Komfort wünschen.“ Würde das Agaplesion darauf nicht reagieren, verliere die Einrichtung laut Richter wichtige Patienten. „Sonst gehen sie woanders hin.“ Der Pastor betont, dass die neue Etage nicht nur „für die Reichen und Schönen“ angedacht ist, sondern auch von gesetzlich Versicherten mit einer Zusatzversicherung in Anspruch genommen werden kann.

Erweiterung notwendig

„Die Rechnung ist einfach: Wir als Klinikum haben uns dafür 6,4 Millionen Euro geliehen. Viel Geld, das wir aber recht schnell wieder erwirtschaften können. Der anschließende Gewinn kann dann zum Beispiel in Sanierungsmaßnahmen investieren“, erläutert Richter das Rechenmodell.

Die Erweiterung sei notwendig, da keine Zuschüsse wie bei den Krankenhäusern in Verden und Zeven vom Bund gewährleistet werden. „Es wird alles größer und komfortabler, die Zimmer, die Fernseher und einiges mehr. Das liegt auf der Hand. Dafür zahlen die Patienten mit Zusatz- oder Privatversicherung aber auch viel Geld. Wir wären dumm, wenn wir das nicht machen würden.“

Kein Zwang zum Mitgliedsbeitrag

Lieselotte Busche, die seit 2016 zusammen mit Birgit Behrndt die Leitung der „Grünen Damen und Herren“ führt, kann die Vorwürfe ebenfalls nicht nachvollziehen: „Jährlich zahlt ein ordentliches Mitglied 24 Euro, ein Beitrag, der aber keinem Zwang unterliegt, um das Ehrenamt im Diakonieklinikum auszuführen.“ Alternativ könne man einfach mithelfen bei den Tätigkeiten der „Grünen Damen und Herren“. Die kümmern sich unter anderem um die Getränkevergabe in Wartebereichen und unterstützen beim Anreichen von Essen im Krankenhaus, erkennbar an ihren minzgrünen Kitteln. Viele Helfer seien auch gar nicht Vereinsmitglieder. „Für die zwei Euro im Monat wird uns auch viel geboten. Seien es Fortbildungen oder rechtliche Beratungen“, so Busche.

Wichtiges Ehrenamt

Der Verein gehört zur Evangelischen Krankenhaushilfe (EKH), der seit dem Jahr 2004 als eingetragener Verein mit rund 12. 000 Mitgliedern bundesweit aktiv ist. „Die EKH lebt von Spenden und Sponsorengeldern, es gibt keine Unterstützung vom Bund“, betont Richter. „Das Diako ist Fördermitglied, 1000 Euro spenden wir jährlich.“ Des Weiteren zahle das Krankenhaus auch das Kilometergeld sowie die Fortbildungsmaßnahmen der Ehrenamtlichen. Richter: „Damit ist der Vorwurf, dass das Diako die ,Grünen Damen und Herren‘ nicht unterstütze, hinfällig.“

Rund 20. 000 Euro kämen dafür jährlich zusammen. „Und die 50 Ehrenamtlichen wissen, dass dieser Vorwurf nicht stimmt“, sagt Richter. Busche ergänzt, dass all diese Informationen auch auf der EKH-Internetseite (www.ekh-deutschland.de) nachzulesen sind. „Gerade weil sich die Krankenhäuser heutzutage in einem Konkurrenzkampf befinden, ist das Ehrenamt so wichtig“, so die 67-Jährige und wirbt im gleichen Atemzug für neue Helfer: Wer Interesse an dem Ehrenamt der „Grünen Damen und Herren“ hat, meldet sich bei Busche unter der Telefonnummer 04261 / 62155.

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