Klinik sieht alles gegen Corona für sinnvoll an – aber Teil-Impfpflicht kritisch

Impfpflicht für Mitarbeiter im Diako

Coronatest in Ferdemappe
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Unter den neu gemeldeten Coronafällen sind immer mehr Kinder. Das Gesundheitsamt hat nun PCR-Test an einer Rotenburger Grundschule vorgenommen.

Alles, was gegen Corona hilft, ist sinnvoll – aber auch eine Impfpflicht für nur Teile der Gesellschaft?

Rotenburg – Es gibt die erste Corona-Impfpflicht in Deutschland: Beschäftigte in Einrichtungen mit schutzbedürftigen Menschen wie Pflegeheimen und Kliniken müssen bis Mitte März nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind. Das hat der Bundestag beschlossen. Als größter Arbeitgeber im Landkreis ist das Rotenburger Diakonieklinikum damit mit einem weiteren Thema der Pandemie stark betroffen: Die Pflicht wird die meisten der mehr als 2 500 Mitarbeiter betreffen.

Unternehmenssprecher Lars Wißmann zeigt sich in einer ersten Reaktion am Freitagnachmittag gelassen. Organisatorisch und logistisch werde das kein Problem sein, auch wenn es natürlich weitere Ressourcen und damit Geld kosten werde. Der Anteil der noch Ungeimpften in der Diako-Belegschaft liege bei „weit unter zehn Prozent“ und sei damit „wesentlich geringer als im Durchschnitt der Bundesbevölkerung“. Dennoch bemühe man sich im Haus intensiv darum, diese Quote weiter zu verbessern. Dass es nun eine staatlich verordnete Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppe gibt, sieht Wißmann aber kritisch: „Eine Begrenzung der Impfpflicht auf bestimmte Bevölkerungs- oder Berufsgruppen oder Bereiche birgt das Risiko von Spannungen und von Fehlanreizen, auch bei uns im Krankenhaus.“ Der Nationale Ethikrat müsse das einordnen. Man enthalte sich aber grundsätzlich einer Bewertung der politischen Entscheidung. Klar sei ja, dass das Diako „jede Maßnahme, die Corona bremst, Ansteckungsketten verhindert und vor schweren Krankheitsverläufen schützt, für unmittelbar sinnvoll“ hält. Und: „Konkret weisen wir auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen hin, nach denen eine möglichst hohe Durchimpfung der Bevölkerung wesentlich zur Bewältigung der pandemischen Lage beiträgt. Das medizinisch-pflegerische Fachpersonal setzt sich zurzeit einem hohen Risiko eigener Ansteckung aus, wenn es keine generelle Impfpflicht gibt.“

PCR-Tests an Rotenburger Grundschule

Nachdem fünf Kinder aus zwei Klassen der Grundschule am Grafel in Rotenburg positiv auf Corona getestet wurden, hat das Gesundheitsamt am Donnerstag vor Ort PCR-Tests durchgeführt. Das bestätigt Sprecherin Christine Huchzermeier. So sollte „schnell eine mögliche weitere Verbreitung des Virus gestoppt werden“. Für die beiden Klassen sei Homeschooling angeordnet worden. Die Testergebnisse waren glücklicherweise alle negativ. Das Gesundheitsamt habe versucht, vor den Tests alle Eltern zu erreichen – rechtlich gesehen bedürfe die Testung aber keiner Zustimmung. Einige Eltern hatten sich darüber beschwert.

Im Landkreis wurden am Freitag neben dem ersten Fall mit der Omikron-Virusvariante 47 weitere neue Infizierte gezählt. Damit gelten im Kreisgebiet aktuell 378 Menschen als infiziert. 126 Kontaktpersonen sind in Quarantäne. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 105. Acht Covid-Patienten aus dem Landkreis werden aktuell in einem Krankenhaus behandelt. Auf den beiden Intensivstationen in Bremervörde und Rotenburg lagen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts am Freitag aber keine Covid-Erkrankten. Anders als zum Beispiel in Sachsen ist die Lage zumindest in den Kliniken aktuell noch relativ entspannt. Dass sich das aber schnell ändern könnte, weiß auch Diako-Sprecher Wißmann. Er appelliert: „Wir sollten mehr von belegbaren segensreichen Wirkungen (und belegten Nebenwirkungen) der Impfungen reden und weniger von diffusen Befürchtungen.“

Corona: Erster Omikron-Fall

Im Landkreis Rotenburg gibt es den ersten Coronafall mit der Omikron-Variante. Der Mann habe vermutlich Kontakt in einen anderen Landkreis, wo es bereits ähnliche Verdachtsfälle gibt, heißt es vom Gesundheitsamt. Direkte Verbindungen zu einer Reise nach Südafrika, wo die Virus-Variante erstmals Ende November aufgetreten war, gebe es nicht. Kreissprecherin Christine Huchzermeier: „Der Fall zeigt, dass sich die Omikron-Variante allmählich – so wie die Delta-Variante seinerzeit auch – in der Bevölkerung verbreitet.“

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