CDU im Landkreis hätte lieber Merz an der Parteispitze gehabt

Nicht der Rotenburger Wunschkandidat

Die CDU-Delegierten aus dem Landkreis im Homeoffice
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Parteitag daheim am Bildschirm: Svenja Frerichs (v.r.), Marco Prietz, Marco Mohrmann und Eike Holsten waren vier der 1001 CDU-Delegierten, die den neuen Parteichef wählen durften.

Laschet statt Merz - das passt der CDU im Landkreis nicht so wirklich. Aber die vier Delegierten loben den ersten digitalen Parteitag. Die K-Frage hält der Kreischef noch für offen.

  • Favorit aus dem Landkreis verliert Abstimmung zum CDU-Vorsitz.
  • CDU-Kreischef Marco Mohrmann lobt digitalen Parteitag.
  • Suche nach Kanzlerkandidat offen.

Rotenburg – Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Die CDU im Landkreis Rotenburg hätte gerne einen anderen an der Spitze der Bundespartei gehabt. Aber Friedrich Merz musste sich bekanntermaßen am Samstag beim digitalen Parteitag der Christdemokraten Armin Laschet geschlagen geben.

69,5 Prozent Merz, 21,4 Prozent Norbert Röttgen, 9,1 Prozent Laschet – mit einem klaren Votum ihres Kreisverbands waren der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Marco Mohrmann aus Rhadereistedt, der Rotenburger Gemeindeverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Eike Holsten, der CDU-Kreistagsfraktionschef und Landratskandidat Marco Prietz aus Bremervörde und die ehemalige Junge-Union-Kreisvorsitzende Svenja Frerichs aus Hipstedt als Delegierte in den zweitägigen Parteitag vor dem Bildschirm gestartet. Die Stimmberechtigten wollten der Mitgliederbefragung bei der Abstimmung folgen, hätten aber auch ohne den Arbeitsauftrag der 724 Umfrageteilnehmer Merz unterstützt – ihre Prioritäten hatten sie im Vorfeld kundgetan. Im Dezember 2018 war das zumindest bei Holsten noch anders. Bei der letzten Abstimmung über den CDU-Parteivorsitz hatte der Rotenburger als Delegierter Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt. Mohrmanns Stimme ging schon damals an Merz. Ein gutes Jahr später, als die Parteichefin ihren Rückzug verkündete, formulierte Holsten: „Kramp-Karrenbauer hat Fehler gemacht und weder in der Partei noch in der Bevölkerung ausreichend Rückhalt für eine Kanzlerkandidatur.“ Nun sollte es aus Rotenburger Sicht Merz machen, es wurde Laschet. Nach der Entscheidung haben wir mit dem CDU-Kreisvorsitzenden Mohrmann über die Wahl gesprochen.

Sind Sie mit der Wahl von Armin Laschet zufrieden?

Zufrieden bin ich vor allem damit, die Auswahl aus so hervorragenden Kandidaten gehabt zu haben. Das macht die Volkspartei CDU aus.

Warum ist der neue Vorsitzende ein guter?

Armin Laschet zeigt als Ministerpräsident einer schwarz-gelben Regierung in NRW, wie man selbst mit einer Einstimmen-Mehrheit erfolgreich und verlässlich regieren kann. Als Kandidat der Mitte gilt er als anschlussfähig in alle politischen Richtungen. Ich denke, diese Punkte haben am Ende den Ausschlag gegeben.

Sie als vier Delegierte des Kreisverbands wollten sich dem Votum vor Ort anschließen. Warum dieser Weg?

Wir sind Volkspartei, bei uns können alle Parteifreunde mitreden. Viele Mitglieder in unserem Verband haben intensiv diskutiert und wollten gerne ihrer Stimme mehr Gewicht verleihen. Dieser Bitte sind wir gerne nachgekommen. Ein Signal echter Beteiligung.

Dabei ist ja bekannt, dass Sie Merz lieber an der Parteispitze gehabt hätten.

Natürlich haben wir uns ebenfalls an der Mitgliederbefragung beteiligt und unsere Meinung eingebracht. Das prozentuale Ergebnis der Mitgliederbefragung hat die Prioritäten unter den vier Delegierten gut widergespiegelt.

Armin Laschet (r.) ist neuer CDU-Vorsitzender. Das Kanzleramt trauen im Netz aber nur wenige zu. Dort hätten die Rotenburger CDUler gerne Friedrich Merz gesehen.

Drei Männer standen zur Wahl. Hat die CDU genug von einer Frau an der Parteispitze?

Die CDU stellt mit Angela Merkel seit mehr als 15 Jahren die erste Bundeskanzlerin in der Geschichte unseres Landes. Mit Ursula von der Leyen kommt auch die erste Präsidentin der EU-Kommission aus den Reihen der CDU. Unsere Politik wird von vielen starken Frauen geprägt, deshalb freue ich mich auch ganz besonders, dass Anna Kreye, Laura Hopmann und Wiebke Winter aus der Jungen Union mit sehr starken Ergebnissen in den Bundesvorstand gewählt wurden. Nach über 20 Jahren mit einer Frau an der Spitze wurde jetzt eben mal wieder ein Mann zum Vorsitzenden gewählt – das ist Demokratie.

Welche große Aufgabe muss für die Partei jetzt dringend erledigt werden?

Als Land und als Partei in Regierungsverantwortung haben wir aktuell mit der Pandemie Großes zu bewältigen. Wir müssen Leben schützen und zugleich die sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Folgen der Krise im Blick behalten. CDU und CSU müssen jetzt schnell ein breites programmatisches Angebot formulieren, mit dem unser Land gut durch die Krise kommt und gestärkt aus ihr hervorgeht. Dafür brauchen wir einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wird Armin Laschet als neuer Vorsitzender der Partei nun auch automatisch Kanzlerkandidat, so wie es sonst immer war? Oder wird es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der in der Pandemie sehr nach vorne drängt?

Bei der Entscheidung auf dem Bundesparteitag ging es zunächst allein um die Wahl eines neuen CDU-Vorsitzenden. Die Frage der Kanzlerkandidatur wird von CDU und CSU rechtzeitig gemeinsam geklärt. Wir sollten hier keiner Entwicklung vorgreifen wollen.

Alleine wird die CDU vermutlich nicht regieren können nach der Bundestagswahl im Herbst. Welches ist ihre Wunschkoalition? Und was gilt es zu verhindern?

Wir müssen jetzt ein Wahlprogramm entwerfen mit klaren CDU-Positionen und damit den Menschen ein Angebot machen. Mir ist wichtig, dass die Union bei der Bundestagswahl im September klar stärkste Kraft wird. Welche Koalitionen wahrscheinlich und umsetzbar sind, sehen wir dann nach der Wahl. Eines ist klar: Die CDU könnte mit jeder im Bundestag vertretenen Partei koalieren, außer mit der AfD und der Linkspartei.

Wie beurteilen Sie den ersten digitalen Parteitag– ein Modell für die Zukunft?

Großen Respekt an die CDU-Bundesgeschäftsstelle für die tolle und souveräne Organisation des übrigens ersten digitalen Parteitags einer Partei mit Vorstandswahlen. Wie man hört, gab es wohl unzählige Hackerangriffe. Trotzdem ist der Parteitag technisch einwandfrei abgelaufen. Auf Dauer ersetzt aber natürlich keine noch so perfekte Technik den persönlichen Austausch. Deswegen werden wir in Zukunft sicher Kombinationen des Besten aus digitaler und analoger Welt erleben. Ich freue mich darauf.

Wie haben Sie den digitalen Parteitag verfolgt? In Jogginghose auf dem Sofa?

Sofa, Büro, Esstisch... Ich habe mir zwar keinen Schlips umgebunden, aber schon der Bedeutung angemessen bekleidet im Arbeitszimmer am Laptop gesessen. Das soll sich ja auch alles richtig anfühlen.

Glauben Sie, dass sich die Delegierten nun auch in der Briefwahl ans Ergebnis halten werden?

Ja, sicher. Alles andere würde auch keinen Sinn machen.

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