Gemischte Reaktionen im Landkreis

Nicht alle freuen sich über den neuen Feiertag am 31. Oktober

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Nach langen politischen Debatten haben auch die Niedersachsen am 31. Oktober frei.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Mit nur neun Feiertagen im Jahr bildeten Niedersachsen und Bremen das Schlusslicht im bundesweiten Vergleich.

Seit Dienstag steht fest: In unserem Bundesland kommt mit dem Reformationstag ein weiterer dazu. Das hat der Niedersächsische Landtag beschlossen. Bremen debattiert am Donnerstag. Im vergangenen Jahr gab es mit der 500. Wiederkehr des Tages, an dem Martin Luther seine 95 Thesen über die Missstände in der Kirche veröffentlicht hatte, bereits einen Vorgeschmack auf einen zusätzlichen freien Tag. 

Nun ist der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag, ganz zur Freude der Arbeitnehmer. Doch nicht alle sind mit dieser Wahl zufrieden.

Der Reformationstag war bislang nur in den östlichen Bundesländern, nicht aber in Berlin und im alten Bundesgebiet gesetzlicher Feiertag – mit der Ausnahme des Reformationsjubiläums im vergangenen Jahr. 

Kritiker sprechen von einer vorschnellen Entscheidung

Die norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten sich auf die Einführung eines neuen Feiertages geeignet, um dem Ungleichgewicht zu den anderen Bundesländern entgegenzuwirken. Hamburg und Schleswig-Holstein hatten sich bereits im Februar für den Reformationstag entschieden, in Niedersachsen verlief die Debatte hingegen nicht so geschlossen.

Unter anderem wurde Kritik laut über eine zu vorschnelle Entscheidung ohne eine wirkliche gesellschaftliche Debatte. Einige Vertreter der katholischen Kirche werten den 31. Oktober als den Tag, der die Christen spaltete. 

Das ist laut Bernd Felix Borgas, Mitglied im Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat der katholischen Corpus-Christi-Gemeinde Rotenburg, auch nicht bestreitbar. Aber: „Als katholischer Christ habe ich allerdings keine Probleme mit dem Reformationstag als Feiertag. Ob ein weiterer gesetzlicher Feiertag notwendig ist, sei mal dahingestellt.“ 

Borgas: Die Reformation hat die Welt verändert

Die von Deutschland ausgehende Reformation war laut Borgas weltweit eines der größten und prägendsten Ereignisse, das nicht nur die religiöse Landkarte entscheidend verändert habe. Für ihn sei die Reformation im Sinne des Wortes weltverändernd gewesen.

„Und Luther kann trotz der üblen Kirchenspaltung und zeitbedingter Defizite mit Fug und Recht als einer der bedeutendsten Deutschen gelten, der die deutsche Kultur und Sprache nachhaltig geprägt hat.“

Stellvertretender Superintendent Matthias Wilke vom evangelischen Kirchenkreis Rotenburg bewertet den Reformationstag nicht nur als einen protestantischen. „Er muss alle erreichen.“

Der religiöse Bezug eines zusätzlichen Feiertags stößt aber auch auf Unverständnis. Der Sottrumer Landtagsabgeordnete der FDP, Jan-Christoph Oetjen, hatte sich klar gegen den Reformationstag positioniert. Seine Partei lehnte einen zusätzlichen Feiertag ab, da er zu Lasten Dritter, der Arbeitgeber, führt. 

Die FDP hätte lieber einen nichtreligiösen Feiertag gehabt

„Wenn, dann hätte man sich auf einen nichtreligiösen Feiertag einigen müssen“, so Oetjen, „beispielsweise den ,Tag des Grundgesetzes‘ oder den ,Europatag‘.“ Denn wie von den vier Ministerpräsidenten aus Norddeutschland verkündet, solle der Reformationstag als interreligiöser Feiertag verstanden werden. 

„Allerdings“, argumentiert der Sottrumer, „haben sich Vertreter katholischer, muslimischer und jüdischer Gemeinden klar gegen den Reformationstag ausgesprochen.“

Rotenburgs Landtagsabgeordneter Eike Holsten (CDU) sieht die Reformation in religiöser, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht als Aufbruch in eine neue Zeit. 

„Meine Kirche hat im vergangenen Reformationsjahr sehr eindrucksvoll bewiesen, dass dieser Feiertag sehr würdig in seiner gesellschaftlichen Bedeutung und im Sinne der Ökumene begangen werden kann.“ Daher habe sich Holsten der Mehrheitsposition innerhalb der CDU angeschlossen und für den Reformationstag als Feiertag gestimmt.

Holsten: Eine niedersächsische Insellösung wäre eine schlechte Idee

Praktisch gesehen sei ihm die Einigung zwischen den vier norddeutschen Bundesländern wichtig. Aufgrund der engen wirtschaftlichen Beziehungen wäre eine niedersächsische Insellösung der denkbar schlechteste Weg gewesen. 

„Sonn- und Feiertage sind innerhalb der religiösen und kulturellen Identität unseres Landes auch zukünftig unverzichtbar“, so Holsten. Ziel müsse es jetzt sein, den neuen Feiertag im Zeichen der Ökumene gemeinsam für interreligiösen Dialog zu nutzen. Denn die Reformation stehe eben nicht für Spaltung, „sondern für Aufklärung und Erneuerung im christlichen Glauben insgesamt, der auch anderen Religionen Beispiel sein kann.“

Wilfried Warncke, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Rotenburg, wertet den zusätzlichen Feiertag für Niedersachsen „als ausgleichende Gerechtigkeit“. 

Heiko Kehrstephan sieht das als Arbeitgeber sogar ähnlich. Der Hotelier und Vorsitzende des Rotenburger Wirtschaftsforums ist gebürtiger Bayer und weiß, wie es ist, mehr Feiertage zu haben: „Das fördert auch die Work-Life-Balance.“

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