Neuseeländische Violinistin Amalia Hall verzaubert Rotenburg mit virtuosem Strich

Reiche Klangfarben

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Die neuseeländische Geigerin Amalia Hall (l.) und Atsumi Ohno am Klavier bestachen durch Virtuosität und sensibles Zusammenspiel.

Rotenburg - Was den Zuhörer freut, das kann dem Rezensenten schon mal Kopfzerbrechen bereiten, will er sich nicht dem Ruf kompetenzloser Lobhudelei aussetzen. In diesem Fall bleibt aber keine Wahl: Das Konzert der jungen Preisträgerin des Joseph Joachim Violinwettbewerbs Amalia Hall aus Neuseeland und ihrer kongenialen Begleitung Natsumi Ohno am Flügel in der Reihe „Rotenburger Konzerte“ geriet einfach grandios.

An diesem Donnerstagabend stimmte – bis auf die etwas dezimierte Zuhörerschaft – alles; der vollmundige Titel: „Ein Traum – Klang von allen Saiten“ – nicht übertrieben, sondern Statusbeschreibung der hohen Standards, die der Klassik-Verein „Rotenburger Konzerte“ bei der Verpflichtung seiner Künstler anlegt.

Wer das konkret beim Preisträgerkonzert des weltweit renommierten Wettbewerbs sein würde, der alle drei Jahre Teilnehmer aus aller Welt nach Hannover zieht, stand bis kurz vor Konzertbeginn noch in den Sternen. Mit der Neuseeländerin Amalia Hall, die sich unter 300 Bewerbern einen der sechs Preise erspielte, hätten es die Rotenburger kaum besser treffen können. Ob beim romantisch-verspielten Schubert, solistisch in einer Bach-Partita oder bei Beethovens a-moll-Sonate: Die Preisträgerin brillierte mit durchgängig stimmiger Intonation, Klangfarbenreichtum und Technik. Die kongeniale Begleitung der Japanerin Natsumi Ohno, die in Hannover einen Großteil der Teilnehmer am Flügel unterstützt hatte, wurde spätestens bei Debussys Spätwerk der Sonate in g-Moll offenkundig: Dort wird das Klavier von einer Begleitung zum gleichwertigen Partner. In der zunächst versponnenen Komposition zeigte Hall mit fast sphärischen Tönen ganz neue Klangfacetten und lotete eindrucksvoll die gesamte dynamische Palette aus.

Ratsgymnasium-Lehrer Frank Domhardt, selbst Streicher, lobte Bogenführung, „blitzsaubere“ Intonation und Klang: „Da bleiben keine Wünsche offen!“ Der Leiter einer Streicherklasse hatte viele seiner Siebtklässler begeistern können, diese Veranstaltung in der Freizeit zu besuchen: „Hier bekommen die Schüler eindrucksvoll vorgeführt, wo die Reise hingehen kann!“

Und die ging nach der Pause zu Bach und Beethoven. Auch solistisch arbeitete die sympathische Neuseeländerin die einzelnen Stimmen sorgsam heraus, fast als wären mehrere Instrumente zu hören. Die anschließende Beethoven-Sonate bot auch Pianistin Ohno große Entfaltungsmöglichkeiten. Die beiden Musikerinnen harmonierten, als würden sie sich seit Jahren kennen, obgleich sie erst vor zwei Tagen das erste Mal gemeinsam gespielt hatten. Ein Bild, das in heutigen Zeiten Mut macht: Die Möglichkeit eines fruchtbaren Miteinanders über kulturelle und ethnische Grenzen hinweg. Das bekräftigte der minutenlange Applaus, mit dem sich das Publikum in der Zugabe einen Kreisler erklatschte.

hey

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