Neujahrsempfang von Stadt und Wirtschaftsforum

Rotenburg muss „neue Wege“ gehen

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Der Blick über die Schulter von Rainer W. Werther zeigt: Der Buhrfeindsaal ist beim Neujahrsempfang gut besucht.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Es bleibt im Konjunktiv, als „Holmes & Watson“ zum Händeschütteln der eintreffenden Gäste am Donnerstagabend im Rotenburger Buhrfeindsaal anfangen, Sam Cookes Klassiker zu spielen: „What a wonderful world this would be“, heißt es da, es wäre doch so eine schöne Welt – sinnbildlich für das, was auch anschließend in den Reden mitschwingt.

Denn die Bedingungen müssen stimmen, und die sind nicht gerade einfacher geworden, waren sich die mehr als 300 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Militär beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Stadt und des Rotenburger Wirtschaftsforums (RWF) weitgehend einig. Dennoch versuchten Hausherr und Diakonieklinikum-Geschäftsführer Rainer W. Werther, Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und RWF-Vorsitzender Heiko Kehrstephan in ihren Reden auch in stürmischen Zeiten die Chancen und Potenziale für Rotenburg herauszuheben. Dafür ernteten sie durchaus kräftigen Applaus, bevor es zum Büfett und eigentlichen Zweck des traditionellen Neujahrstreffs ging, der zum zweiten Mal in Folge im Saal auf dem Diako-Mutterhausgelände über die Bühne ging: Netzwerken, Plaudern, Bekanntschaften auffrischen.

Alle drei Redner befassten sich mehr oder weniger ausführlich mit dem Thema Asylsuchende, der „dynamischen Entwicklung des Flüchtlingszustroms“, wie es Weber formulierte. Klinik-Chef Werther attestierte seinem Haus anhand der Bilanz 2015 einen guten Stand, die Zufriedenheit der Patienten sei hoch, „der Standort verspricht viel Zukunft“. Und zu dieser gehöre auch die Einbindung der Flüchtlinge, denn nur so gelinge die Integration. Gemeinsam mit dem RWF will das Diakonieklinikum demnach eine Plattform für Beschäftigung der Zugewanderten aufbauen.

Eine Ankündigung, die Bürgermeister Weber gerne zur Kenntnis nahm. Er lobte die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen in Rotenburg in verschiedenen Bereichen der Flüchtlingshilfe, die Zusammenarbeit mit der Diakonie zum Beispiel auf dem „Campus Unterstedt“ und die Bewältigung der „größten Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg“ bislang in der Kreisstadt. Vorfälle wie die jüngst auf dem „Campus“ mit Neonazis gäben allerdings auch zu denken: „Rassistische Äußerungen sind offensichtlich gesellschaftsfähig geworden.“ Der Aufschrei müsse wieder größer werden: „Lassen Sie uns nicht durch Gerüchte, durch rechtsradikale Propaganda, die teilweise auch aus dem Ausland geschürt wird und durch Verallgemeinerungen zusätzlich beunruhigen und falsch informieren“, sagte Weber und spielte damit auch auf die Demonstrationen Russlanddeutscher gegen kriminelle Ausländer an.

Hotelier und RWF-Vorsitzender Kehrstephan schlug in die selbe Kerbe und wurde noch deutlicher, als er vor „abstrusen Idioten mit komischen Ideologien“ warnte. Aus seiner Erfahrung mit Flüchtlingen im eigenen Betrieb könne er nur dafür plädieren, die „Chancen durch neue Bürger in Rotenburg“ zu nutzen. Man müsse nicht nur über sie, sondern vor allem mit ihnen reden. Praktika, Sprachkurse und reguläre Arbeit, insbesondere mit Blick auf den Fachkräftemangel, seien der konsequente Weg zur Integration, appellierte er an seine Kollegen aus der hiesigen Wirtschaft. Sprachlich spielte er damit immer wieder auf die Nordpfade an, dass es Neues zu betreten gelte, man müsse auf das schauen, was vor einem liegt. Diese Wanderung sei, diesen Seitenhieb musste Weber einstecken, nicht nur am 1. Mai zu beschreiten, sondern 366 Tage im Jahr 2016: „Es bleibt nichts, außer einen neuen Weg zu gehen.“

Der Rück- und Ausblick beinhaltete aber noch viel mehr Themen: Schulpolitik, Innenstadtentwicklung, Neubaugebiete und die Kommunalwahl im September. Darüber und über viel mehr wurde in kleinen Runden bis spät am Abend diskutiert – ohne neugierige Journalistenohren.

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