Blick ins Jahr 2069

Neujahrsempfang der Rotenburger Werke: „Wir müssen jetzt vordenken“

Die Chefetage blickt in die Kristallkugel: Jutta Wendland-Park und Thorsten Tillner.
+
Die Chefetage blickt in die Kristallkugel: Jutta Wendland-Park und Thorsten Tillner.

Rotenburg - Von Michael Krœger (Text) Und Guido Menker (Fotos). Als Emma auf die Bühne rollt, geht ein Raunen durchs Publikum. Sie ist 1,20 Meter groß, wiegt rund 45 Kilo und hat kugelrunde Augen - total knuddelig! Dabei ist das Thema, das der Roboter der Fachhochschule Kiel verkörpert, ganz und gar kein kuschelweiches, sondern ein sehr ernstes, und es steht an diesem Montagvormittag im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs der Rotenburger Werke im Haus Niedersachsen: Wie leben wir in 50 Jahren und wie lässt sich die Pflege im Jahr 2069 gestalten? Nicht wenige glauben, dass angesichts einer alternden Gesellschaft und des massiven Fachkräftemangels Roboter dabei eine zentrale Rolle spielen werden.

Jutta Wendland-Park gesteht vor den gut 200 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und verschiedenen Institutionen, dass auch sie skeptisch war. Ihre ersten Reden als Pastorin, sagt die heutige Geschäftsführerin der Werke, habe sie noch auf Papier im Lichte einer Kerze geschrieben. Dass der Heilige Geist den Weg der Digitalisierung mitgehen würde, habe sie sich nicht vorstellen können, scherzt sie - und spielt damit doch genau auf eine der zentralen Fragen an, die sich vor allem eine diakonische Einrichtung wie die Rotenburger Werke mit ihren mehr als 1000 Bewohnern und den fast 1800 Mitarbeitern für die Zukunft stellen muss: „Ich wünsche mir eine Debatte nicht nur über künstliche, sondern auch über moralische Intelligenz“, sagt Wendland-Park.

Umfassende Antworten, was in 50 Jahren sein wird, könnten jetzt nicht gegeben werden, sagt die Hausherrin, wohl aber könnten „einige Impulse“ gesetzt werden. Die kommen vor allem auf die Bühne, nachdem Landrat Hermann Luttmann (CDU) und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ihre kurzen Grußworte mit Blick auf aktuelle Themen gehalten haben - mit Emma. „Wir reden über die soziale Zukunft und sprechen mit einem Informatiker“, sagt Werke-Sprecher Rüdiger Wollschlaeger, als er Professor Jens Lüssem vom Institut für Angewandte Informatik der Fachhochschule Kiel auf dem Podium empfängt. Lüssem zeigt, wie der niedliche Roboter mit ganz einfachen Mitteln wie Memory-Spielen und leichter Interaktion mit Gesprächspartnern zum Beispiel in der Betreuung von Demenzkranken das Pflegepersonal entlasten kann. „Noch ist die Pflege nicht entmenschlicht, und wir müssen uns die Frage stellen, ob wir das überhaupt wollen“, so Lüssem. Der Professor mahnt zur Eile, denn die digitalisierte Zukunft habe auch in der Betreuung von Kranken, Alten und Menschen mit Behinderung längst Fahrt aufgenommen. „Wir müssen jetzt vordenken“, sagt er, es bleibe gar nichts anderes übrig als mitzugehen. Momentan könne jetzt der Weg noch gestaltet werden. „Es gibt leider sehr gruselige, aber auch sehr tolle Visionen, wie man mit Robotern umgehen kann.“

Landrat mit Insektenhotel.

Dass der Mensch seine zentrale Rolle in der Pflege nicht verlieren darf, dafür plädiert die Werke-Psychologin Nadine Donzelmann. „Wir sind soziale Wesen“, argumentiert sie, bei denjenigen, die Hilfe bräuchten, wirke die Beziehung zu anderen Menschen: „Und die sollte nicht ersetzt werden.“ Emma könne immer nur unterstützen.

Es sind auch andere Zukunftsthemen, die die Verantwortlichen der Werke in den rund zwei Stunden, bevor es ans Büfett geht, wie gewohnt sehr kurzweilig aufs Programm des Neujahrsempfangs setzen. Smartphones, Wünsche, Träume - wohin geht es? Werke-Sprecher Wollschlaeger, der beim Abgang von Roboter Emma („Die müssen wir jetzt entsorgen“) nonchalant Skepsis durchblicken lässt, ist von alledem insgesamt begeistert: „Hier werden die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt!“

Roboter Emma ist der Blickfang des Empfangs.

Der Entertainer im Altenheim als Pflegekraft von morgen?

Pepper wurde am 5. Juni 2014 in einem Vorort von Tokio geboren. Damals wurde der „Roboter-Gefährte“ als Gemeinschaftsprojekt des französischen Unternehmens Aldebaran Robotics SAS und des japanischen Telekommunikations- und Medienkonzerns SoftBank Mobile Corp. zum ersten Mal öffentlich vorgestellt.In seinem ersten Einsatz diente Pepper zur Unterhaltung und Information von Kunden. Seit 2016 ist der Roboter in unterschiedlichen Bereichen auch in Deutschland im Einsatz. 

Neujahrsempfang der Rotenburger Werke

 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker
 © Guido Menker

Die Universität Siegen und die Fachhochschule Kiel entwickeln aktuell zusammen mit Pflegekräften roboter-basierte Szenarien und Modelle für die Zukunft der Pflege - auch mit dem Pepper-Roboter, der dort auf den Namen Emma hört. Es wird untersucht, welche Rollen und Aufgaben Roboter im Altenheim übernehmen können und sollen. Dabei kommen ethische Gesichtspunkte ebenso zum Tragen wie Fragen nach den rechtlichen Grundlagen und der sozialen Verträglichkeit der neuen Technik. Mit den humanoiden Robotern besuchen die Wissenschaftler Pflegeeinrichtungen und analysieren, wie offen Bewohner und Pflegekräfte für die neuartigen Technologien sind. Emma ist auch seit zwei Jahren in einer Kieler Demenz-WG zur Unterhaltung im Einsatz.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Näher dran

Näher dran

Näher dran
In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen

In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen

In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen
Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer

Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer

Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer
Verkehrsunfall bei Ahausen mit sieben beteiligten Fahrzeugen

Verkehrsunfall bei Ahausen mit sieben beteiligten Fahrzeugen

Verkehrsunfall bei Ahausen mit sieben beteiligten Fahrzeugen

Kommentare