Neujahrsempfang der Rotenburger Werke

„Egal, wie jemand ist“

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Jutta Wendland-Park, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke.

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Arbeit“ war das große Thema gestern Vormittag beim Neujahrsempfang der Rotenburger Werke im Haus Niedersachsen. Die Werke als nach dem Diakonieklinikum zweitgrößter Arbeitgeber des Landkreises mit aktuell fast 1600 Angestellten, mit 350 Plätzen in den Behindertenwerkstätten, mit 214 jungen Menschen in den eigenen Berufsbildenden Schulen: „Rotenburg ist stark geprägt von den Werken“, brachte es Bürgermeister Andreas Weber in seinem Grußwort auf den Punkt.

Dabei bezog sich Weber vor gut 230 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und natürlich den Werken selbst nicht nur auf die Zahlen, sondern vor allem auf das soziale Miteinander. Wie er am Samstagmorgen gleich angesprochen wurde auf dem Wochenmarkt von Bewohnern der Werke, ob er denn auch schon vom Ergebnis des HSV gehört habe – „es herrscht eine unheimlich offene Kommunikation“. Die Bewohner und die Arbeitnehmer der vielen sozialen Berufe prägten das Stadtbild, und deshalb, so schlug er den Bogen zu den jüngsten Vorfällen auf dem „Campus Unterstedt“, habe Rechtsradikalismus hier auch überhaupt gar keine Chance, um sich zu greifen.

Für Superintendentin Susanne Briese war es nach ihrem Dienstantritt im März der erste Neujahrsempfang der Werke. Doch auch sie ließ sich nicht lange bitten, um das Miteinander in ihrer neuen Heimat zu loben – was Vertrauen schaffe, aus dem die Gemeinschaft wachse: „Von den Werken lernen, heißt wertschätzend und fördernd Leben lernen.“ Hier zeige sich, wie das Zusammenleben funktionieren kann, ohne dass es eine Rolle spiele, „wie jemand ist oder woher er kommt“.

Von diesem Miteinander unter der großen Überschrift der „Arbeit“ berichten die Angestellten und Beschäftigten der Werke ganz anschaulich im Zentrum der gut zweistündigen Veranstaltung. Vom Blumenlieferservice über die Fahrradwerkstatt und die Computerdemontage in den eigenen Werkststätten bis zur Kooperation mit der freien Wirtschaft auf dem ersten Arbeitsmarkt – die Werke trommelten ordentlich in eigener Sache und wollten so deutlich machen, dass sie nicht für sich arbeiteten, sondern als offener Dienstleister für alle. Denn, so Manfred Arnold von der Werkstatt Königskamp: „Das Beste für unsere Beschäftigten ist Beschäftigung.“

Neujahrsempfang der Rotenburger Werke

Doch es fielen auch kritische Worte. Finanzvorstand Thorsten Tillner und die Vorstandsvorsitzende Jutta Wendland-Park nahmen die Diskussion um die Aufarbeitung der Werke-Vergangenheit auf. „Ein dunkles Kapitel“, so Tillner, aber auch: „Wir schließen damit Lücken.“ Es solle entgegen anderslautender Stimmen zur Historie der „Anstalten“ nichts geschönt werden, sondern mit renommierten wissenschaftlichen Partnern das auf den Tisch kommen, was gesagt werden müsse. Wendland-Park: „Wir haben uns immer offensiv der Geschichtsaufarbeitung gestellt.“ Erste Ergebnisse der in Auftrag gegebenen Studie werden 2017 erwartet.

„Die Werke schwärmen aus“, hatte Moderator Henrik Pröhl zu Beginn in den Raum geworfen, und das war auch das Zeichen, was alle Verantwortlichen gaben. „Die größten Investitionen der vergangenen Jahre“ stünden an, so Finanzchef Tillner. Dezentrale Neubauten wie in Visselhövede und Harsefeld seien die Zukunft. Und Kooperationen: Ob mit dem Nabu beim Hartmannshof, der Wirtschaft insgesamt oder Projekt bezogen mit Schulen wie dem Ratsgymnasium in der Bildnerischen Werkstatt oder zuletzt beim Verkauf von Weihnachtskarten. Das funktioniert – bewiesen die 540 Euro, die dabei zusammenkamen.

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