Neues Zuhause erst im Januar

Tierheim Rotenburg verhängt während der Feiertage Vermittlungsstopp

Silke Wingen freut sich: Viele Spenden haben das Tierheim erreicht. Foto: Beims
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Silke Wingen freut sich: Viele Spenden haben das Tierheim erreicht.

Rotenburg - Das Telefon klingelt im Rotenburger Tierheim. Es ist ein Anruf, wie es sie viele in diesen Tagen kurz vor Weihnachten gibt: „Wir hätten gerne eine Katze, unsere Tochter wünscht sich eine. Haben Sie eine rot-weiße, die wir jetzt abholen können?“

Silke Wingen verneint, sie weist den Anrufer ab. Wie viele andere Tierheime hat auch der hiesige Tierschutzverein seit dem Nikolauswochenende einen Vermittlungsstopp verhängt. „Wir führen keinerlei Gespräche“, sagt die Vorsitzende. Zu groß ist die Sorge, dass leichtfertig gekaufte Tiere, die als Geschenk unter dem Tannenbaum landen, nach den Feiertagen wieder abgegeben werden.

Die meisten Anrufer halten auch nicht hinterm Berg damit, dass sie das Tier als Weihnachtsgeschenk möchten. Nicht selten soll es eine Überraschung sein. Das geht schon gar nicht, erklärt Wingen. „Die Chemie zwischen Tier und Halter muss stimmen.“ Dazu sollen künftige Besitzer im Tierheim vorbeischauen, außerdem schauen sich Wingen und ihre Mitarbeiter genau an, in welches Zuhause die Tiere kommen. Viele Interessenten zeigen Unverständnis. „Es passt jetzt gerade, wir haben Urlaub, wir möchten unserem Kind was schenken“, seien einige der Sätze, die sie regelmäßig hört. Andere kommen einmal und nie wieder. Aber: „Wem es ernst ist, der wartet auch bis Anfang Januar“, kommentiert Wingen.

Dabei spreche nichts dagegen, wenn Interessenten vorbeischauen, ob einer der Tierheim-Bewohner ins eigene Zuhause passen würde. „Es ist eine gute Zeit, Vertrauen aufzubauen“, so Wingen. Ein Paar komme regelmäßig, kuschelt mit „seinem“ Hund und lernt ihn kennen. Im Januar darf dieser in sein neues Zuhause einziehen.

Die Feiertage seien aber nicht nur wegen möglicher Abgaben gesperrt, sondern auch, weil es eine schlechte Zeit ist, ein Tier in eine neue Umgebung zu integrieren. „Viele haben Familienfeiern oder sind eingeladen, die Tiere sind entweder überfrachtet oder allein“, so die Vorsitzende. Katzen würden als typische Überforderungsreaktion überall hinmachen, nur nicht ins Katzenklo. „Dann heißt es, sie sind nicht sauber und müssen weg.“ Ein Hund hingegen könne in einem solchen Moment auch mal zuschnappen. „Das hat dann viel weitreichendere Konsequenzen“, sagt Wingen.

Kommen nach den Feiertagen doch Anfragen zur Abgabe, hakt Wingen genau nach: Woran liegt es, kann man das Problem gemeinsam lösen? Bringen Halter die Hunde oder Katzen dennoch, wird eine Abgabegebühr fällig. Diese richtet sich nach dem Zustand der Tiere. „Wenn sie richtig versorgt sind, ist sie um einiges niedriger. Wenn nicht, wird’s teuer.“ Katzen beispielsweise müssten geimpft, kastriert und gechippt sein, sonst werden sie nicht vermittelt.

Die Tiere, die über die Feiertage im Tierheim sind, können sich über eine Überraschung freuen: In dem Raum, in dem Wingen sonst Kunden und Gäste empfängt, stehen unzählige Tüten, versehen mit Fotos der Tiere, gefüllt mit Futter, Spielzeug, Decken und Streu. „Das ist nur die Vorhut“, meint Wingen. Am Montag ab 10 Uhr kommt die zweite Fuhre mit Spenden, die über den Weihnachtswunschbaum im Futterhaus gesammelt worden sind. 

„Das haben sie so dort noch nicht erlebt. Und uns zeigt es, dass die Bevölkerung hinter uns steht“, zeigt sich Wingen erfreut über die Spendenbereitschaft. Jeder Spender sei daher eingeladen, am Montag dabei zu sein. Auch die Igelpflege Rotenburg durfte Fotos an den Baum hängen. Für sie sind ebenfalls schon einige Tüten eingetroffen. „Tierschutz muss zusammen halten. Und die Igelpflege ist auch viel Arbeit“, sagt Wingen. Der Baum hat zudem weiter Gutes getan: Vor dem Vermittlungsstopp haben ein paar Bewohner noch ein neues Zuhause gefunden.

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