Fundtiere sollen ab sofort nach Brinkum

Neues Tierheim in Rotenburg vor dem Aus

+
Fundtiere kommen im Altkreis Rotenburg nicht mehr nach Mulmshorn, sondern nach Brinkum. 

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Fundtiere aus dem Südkreis Rotenburg sollen zukünftig im Tierheim „Arche Noah“ in Brinkum bei Bremen betreut werden. Die Bürgermeister der Kommunen haben sich mit dem Betreiber, der Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT), auf eine dauerhafte Zusammenarbeit verständigt. Damit scheint das Ende des geplanten Tierheim-Neubaus an der Soltauer Straße in Rotenburg besiegelt.

Es ist die Konsequenz einer mittlerweile mehr als einem Monat andauernden Diskussion zwischen dem Tierschutzverein im Landkreis Rotenburg und den Städten und Gemeinden. Am Mittwoch haben die Bürgermeister der Kommunen der Vereinsvorsitzenden Regina Buchhop mitgeteilt, in Zukunft auf eine weitere Zusammenarbeit in Sachen Fundtiere zu verzichten. Ab dem 1. Juli will man eine Partnerschaft mit dem BMT eingehen. Dieser betreibt elf Tierheime in ganz Deutschland.

Bürgermeister Weber sieht keinen Bedarf im Südkreis

Für Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ist damit klar: Es besteht kein Bedarf an einem neuen Tierheim im Südkreis. Die Verträge, die nun jede einzelne Kommune mit dem BMT abschließen wird, seien eine dauerhafte Lösung. Damit erklärt er mehr als fünf Jahre der durchaus bewegten Vorbereitungen für das Projekt für nichtig – alle Planungen sind seitens der Stadt eingestellt. Die Kommunen hatten bereits Fördermittel und Darlehen für den Neubau des Tierschutzvereins bereitgestellt, die Stadt Rotenburg zudem das Grundstück an der Soltauer Straße, der Verein selbst hatte in der Vergangenheit viele Spenden für das Projekt gesammelt. Vorsitzende Buchhop lehnte eine Stellungnahme zur Zukunft des Projekts am Donnerstag ab, zunächst müsse sich der Vereinsvorstand über die neue Situation beraten, sagte sie auf Nachfrage.

Im Gespräch mit den Bürgermeistern am Mittwoch sei sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden, so die Vereinsvorsitzende. Im Streit mit den Kommunen geht es ums Geld: Der Tierschutzverein hatte am 11. Mai aus finanziellen Gründen einen Aufnahmestopp von Fundtieren ausgesprochen. Schon seit Jahren greife man auf Rücklagen zurück, um die Kosten zu decken, hieß es. Buchhop warf den Kommunen damals öffentlich vor, sie würden nicht genügend für die erbrachten Leistungen zahlen.

Alle Beteiligten weisen eine Verantwortung für die Situation von sich. Weber und seine Amtskollegen sprachen am Donnerstag beim Pressegespräch immer wieder die Verlässlichkeit an, die sie in der Vergangenheit beim Tierschutzverein vermisst haben. Um mehr Geld an den Verein überweisen zu können, fehlten belastbare Zahlen, die man in den Haushaltsdebatten der einzelnen Kommunen hätte rechtfertigen können. Die Kalkulationen seien nicht ausreichend genug. Schließlich arbeite man hier mit Steuergeldern, sagte Peter Freytag, Sottrums Samtgemeindebürgermeister.

Kommunen zahlen Pauschale an BMT

In Brinkum würde es „einfach funktionieren“, so Dirk Eberle, Samtgemeindebürgermeister in Bothel. Er hatte vor wenigen Wochen den Kontakt zum BMT hergestellt und bereits das Heim in Brinkum besichtigt. Er zeigte sich begeistern von der Einrichtung und der Organisation. Der Bund habe ihn eine vollständige Bilanz vorlegen können, danach habe man sich auf die Vertragskonditionen geeinigt. 75 Cent jährlich bezahlen die Kommunen jeweils pauschal pro Einwohner an den BMT, nach einem halben Jahr gibt es einen Nachberechnungstermin. Fallen weniger Kosten für die Fundtiere einer Gemeinde an, bekommt sie Geld erstattet. Falls es mehr werden, zahlt sie nach.

Fundtiere sollen ab sofort bei den Fundbüros abgegeben werden. Die Kommunen halten Zwinger und Katzenboxen – in Rotenburg beispielsweise an der Kläranlage – vor, in denen die Tiere zunächst einige Tage untergebracht werden. Später werden sie in die Tierklinik nach Posthausen gebracht, die bereits mit dem BMT zusammenarbeitet. Sie übernimmt die tiermedizinische Erstversorgung, erst danach kommen die Fundtiere nach Brinkum. Die Tiere werden zu den Öffnungszeiten der Rathäuser angenommen.

„Wir werden das so akzeptieren, wie es ist“, sagt Buchhop. Schließlich würde der Verein so auch Geld sparen – beispielsweise dadurch, dass die Ehrenamtlichen in Zukunft keine 24-Stunden- beziehungsweise Wochenendbereitschaft mehr anbieten müssen. Beide fallen nun weg.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Neue PC-Spiele: Weltraum-Odyssee und eiserne Flügel

Neue PC-Spiele: Weltraum-Odyssee und eiserne Flügel

Missbrauchsvorwürfe: Papst-Vertrauter Pell beurlaubt

Missbrauchsvorwürfe: Papst-Vertrauter Pell beurlaubt

Unfall auf der A1: Lastwagen rast in Stauende 

Unfall auf der A1: Lastwagen rast in Stauende 

Drei Menschen bei Verkehrsunfall auf A4 in Sachsen getötet

Drei Menschen bei Verkehrsunfall auf A4 in Sachsen getötet

Meistgelesene Artikel

Rotenburger Kreistag plädiert für den Namen Lent-Kaserne

Rotenburger Kreistag plädiert für den Namen Lent-Kaserne

Eine Stütze für die Ortsfeuerwehr

Eine Stütze für die Ortsfeuerwehr

Meier-Zindler verabschiedet sich nach 26 Jahren

Meier-Zindler verabschiedet sich nach 26 Jahren

Kommentare