Ein neues Gutachten muss her

Prozess gegen Pfleger um fahrlässige Tötung ist vorerst unterbrochen

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Das Opfer musste künstlich beatmet werden. Noch ist unklar, ob der Pfleger den Tod hätte verhindern können. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Frage, ob der Tod des Patienten hätte verhindert werden können, wird so schnell nicht beantwortet werden. Das Rotenburger Amtsgericht hat den Prozess gegen einen 47-jährigen Krankenpfleger aus Jeddingen am Dienstag unterbrochen.

Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen, weil er den Alarm der Beatmungsmaschine des Pflegebedürftigen im März 2015 missachtet haben soll. Doch ob die Geräte damals richtig funktionierten, blieb auch beim zweiten Verhandlungstag offen. Die technischen Gutachter, die diese Frage beantworten sollten, durften nicht aussagen – sie hatten die Prüfung nicht ordnungsgemäß durchgeführt. Ein neues Gutachten muss her.

Was ist in der Nacht zum 12. März 2015 in der Pflegewohnung des 40-jährigen Opfers in Achim geschehen? Oberstaatsanwalt Thomas Löding wirft dem zweifachen Familienvater vor, dass er sich mit falschen Papieren bei Pflegeeinrichtungen beworben und den Tod des Querschnittsgelähmten mitverschuldet hat. In der Nacht habe die Beatmungsmaschine laut Alarm geschlagen, doch der Pfleger mit den mutmaßlich falschen Papieren habe erst eine Dreiviertelstunde später darauf reagiert und nachgesehen. Der seit einem Unfall 2001 Gelähmte und durch das Klinefelter-Syndrom schwerkranke Mann sei erstickt. Der Angeklagte hingegen bestreitet Schummeleien mit den Unterlagen und sagt, die Maschine habe keinen Alarm von sich gegeben, sodass er seinen Patienten und Freund hätte retten können.

Versagte Mensch oder Maschine? 

Und so geht es in diesem Prozess vor allem darum, zu klären, ob Mensch oder Maschine versagt haben. Nach der gestrigen Aussage von Dr. Axel Heinemann, dem leitenden Oberarzt der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sind mögliche andere Todesursachen als ein Ersticken des Patienten durch die Fehlfunktion des Geräts weitgehend auszuschließen. Heinemann hatte den 40-Jährigen vier Tage nach dessen Tod obduziert. Das Ersticken sei nach den Ergebnissen „ganz klar eine plausible Erklärung für das kurzfristige Ableben“. Auch eine Kollegin, die die Blutzuckerwerte des an Diabetes erkrankten Patienten untersucht hatte, hat keine andere Erklärung.

Die Todesursache scheint damit klar, fraglich bleibt jedoch weiterhin, warum der Pfleger nicht geholfen hat. Hat die Maschine keinen Alarm von sich gegeben, oder hat er nicht reagiert? Ein Sachverständigenbüro für Medizintechnik aus Dresden, das die Beatmungsmaschine nach dem Vorfall untersucht hatte, darf jedenfalls keine Antwort liefern. Die beiden geladenen Ingenieure wurden am Dienstag vor dem Rotenburger Schöffengericht ausgebremst: Den Auftrag der Staatsanwaltschaft hätte nur einer von beiden als vereidigter Sachverständiger durchführen dürfen. Die Arbeit im Team sei in dieser heiklen Frage nicht zulässig gewesen, so Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung übereinstimmend. Nun muss ein neues Gutachten angefertigt werden – und das wird einige Monate dauern.

Mehr zum Thema: 

Krankenpfleger wegen fahrlässiger Tötung vor Rotenburger Gericht

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