Christengemeinde Sottrum legt eine Pause ein / Inzidenz steigt

Neues Cluster deutet sich an

Positives Testergebnis mit negativen Folgen: Seit Dienstag gibt es im Landkreis 32 neue Corona-Fälle, die „7-Tage-Inzidenz“ steigt auf 96. Der Landkreis stockt personell auf, um die Arbeit schaffen zu können.
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Positives Testergebnis mit negativen Folgen: Seit Dienstag gibt es im Landkreis 32 neue Corona-Fälle, die „7-Tage-Inzidenz“ steigt auf 96. Der Landkreis stockt personell auf, um die Arbeit schaffen zu können.

Rotenburg – Die Corona-Zahlen steigen – auch im Landkreis Rotenburg. Zuletzt habe man es jedoch eher mit einer diffusen Entwicklung zu tun gehabt, sagt Carmen Menzel als Leiterin des Gesundheitsamtes. Aber: In diesen Tagen deute sich im Umfeld einer freien Christengemeinde in Sottrum ein neues Cluster an. Weitere Einzelheiten nennt Menzel noch nicht, doch aus der aktuellen Statistik von Mittwoch geht hervor, dass die Samtgemeinde mit zurzeit 39 aktiven Corona-Fällen bereits auf den zweiten Platz hinter der Kreisstadt (41 Fälle) vorgerückt ist. Im Landkreis gibt es seit Dienstag 32 neue Corona-Fälle. Insgesamt wurden bisher 765 Fälle gezählt. 549 Betroffene sind wieder genesen. Damit gibt es aktuell 210 Infizierte, wovon sich 23 Personen im Krankenhaus befinden – zwei von ihnen werden intensivmedizinisch behandelt, so Carmen Menzel.

Zunehmend rückt allen voran der Südkreis mit deutlich höheren Zahlen als der Nordkreis in den Fokus. Das „diffuse Aufwachsen“, wie es Menzel nennt, befinde sich weiter auf einem hohen Niveau. Die sogenannte „7-Tage-Inzidenz“ liegt für das gesamte Kreisgebiet jetzt bei 96 Neuinfektionen in Bezug auf 100 000 Einwohner und nähert sich der Marke von 100, deren Überschreitung punktuell noch einmal schärfere Maßnahmen nach sich ziehen würde. Mit Blick auf die Entwicklung in den Landkreisen Osterholz sowie in Verden sagt Landrat Hermann Luttmann: „Die Gefahr kommt aus dem Westen.“

Die Christengemeinde in Sottrum habe zugesagt, bei ihren Aktivitäten eine 14-tägige Pause einzulegen. Allen anderen Menschen im Landkreis empfiehlt Hermann Luttmann ebenfalls, unbedingt die nach wie vor aktuellen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten und die Kontakte auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Der Landrat: „Besorgniserregend ist für mich vor allem die Anzahl der Kranken in den Kliniken. Wir haben da eine Phase erreicht, wo wir sagen: Jetzt ist aber auch gut.“ Zugleich blickt er auf den Bedarf an Personal. Da werde es langsam eng. Heike von Ostrowski als zuständige Dezernentin im Kreishaus berichtet derweil, dass der Landkreis für die Bewältigung der Aufgaben dieser Pandemie ordentlich aufgestockt habe. Fünf Mitarbeiter seien hausintern abgeordnet worden, außerdem habe es sechs befristete Neueinstellungen gegeben, zwei weitere sollen folgen. Amtshilfe gibt es von der Bundeswehr.

Acht Soldaten unterstützen das Gesundheitsamt nicht nur bei der Nachverfolgung von Kontakten, sondern auch bei den Testuntersuchungen. Dafür nutzt der Landkreis nun auch jene Räume in Zeven, die er ursprünglich der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) als Testzentrum zur Verfügung gestellt hatte.

Besonders gefreut haben sich Heike von Ostrowski und Landrat Hermann Luttmann über Anrufe aus den Finanzämtern in Zeven und Rotenburg:: „Sie haben sich freiwillig gemeldet und unterstützen uns mit sechs Mitarbeitern.“

Carmen Menzel wirft während eines Gespräches mit der Presse Bilder an die Wand, Karten, die die Entwicklung der Pandemie deutlich machen: „Vor vier Wochen war unsere Welt noch schön gelb, heute ist sie überwiegend rot.“ Fast ganz Deutschland sei zu einem Risikogebiet geworden – und damit eben auch der Landkreis Rotenburg. Die deutliche Zunahme der Fallzahlen sei seit Ende Oktober zu registrieren. Das Ziel und die Hoffnung, mit dem jetzigen Teil-Lockdown diese Entwicklung zumindest stoppen zu können, zeichne sich hier im Landkreis derzeit noch nicht ab, unterstreicht der Landrat die Verantwortung, die jeder Einzelne mit seinem Verhalten trage.

Heike von Ostrowski weist zugleich darauf hin, dass jeder, der von seinem positiven Test erfährt, sich sofort in die häusliche Quarantäne zu begeben und somit nicht erst auf einen entsprechenden Anruf vom Gesundheitsamt zu warten habe. „Das gilt seit Samstag.“  men

Unterschiedliche Angaben zum Inzidenzwert: Bei medizinischen Vorfällen wie einer Pandemie bezeichnet die Inzidenz die Häufigkeit von Ereignissen innerhalb einer Zeitspanne, meistens bezogen auf die Neuerkrankungen, die binnen eines Jahres bei 100 000 Einwohnern in einem bestimmten Gebiet auftreten. In der Corona-Pandemie ist die „7-Tage-Inzidenz“ als Richtwert maßgeblich geworden, ab der bei bestimmten Grenzen neue Maßnahmen notwendig werden. In der aktuell gültigen „Niedersächsischen Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus SARS-CoV-2“ gelten 35, 50 und 100 als kritische Marken. Im Landkreis steigt die Inzidenz seit Wochen kontinuierlich. Problematisch ist allerdings in der Außenwahrnehmung, dass die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) oftmals abweichen von denen, die das Rotenburger Gesundheitsamt veröffentlicht. Kreissprecherin Christine Huchzermeier begründet das so: „Grundsätzlich ist es so, dass der Landkreis die positiven Befunde schnellstmöglich an das Landesgesundheitsamt meldet, welches wiederum weiter an das RKI meldet.“ Wenn die Zahlen beim RKI unter denen des Kreises liegen, was aktuell meist der Fall ist, sei „davon auszugehen, dass es in den vergangenen Tagen, aufgrund der rapide ansteigenden Fallzahlen und des damit verbundenen Arbeitsaufwandes, zu zeitlichen Verzögerungen im Prozess des oben beschriebenen Meldeweges gekommen ist“. Zusätzlich seien die teils unterschiedlichen Zeiten der Veröffentlichungen zu beachten, die ebenfalls Abweichungen erklären könnten. In der Niedersächsischen Corona-Verordnung, die seit dem 2. November gilt, ist laut Huchzermeier festgelegt, dass für die Vorgaben der Verordnung die Inzidenzwerte gelten, die auf der „Aktuellen Inzidenz-Ampel für Niedersachsen“ veröffentlicht werden. Diese sind online abrufbar über www.niedersachsen.de/ Coronavirus/aktuelle_lage_in_niedersachsen. Fragen beantwortet der Landkreis unter 04261 / 983983.  mk

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