Spekulationen um Zusammenhänge

Krebs im Erdöl-Fördergebiet

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Noch ist unklar, welche Rolle die Arbeiten von BEB und dessen Nachfolger Exxon bei den erhöhten Krebszahlen im Landkreis Nienburg spielen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Erdgas- oder Erdölförderung und höheren Krebsraten? Diese Frage beschäftigt den Landkreis Rotenburg seit Bekanntwerden der ersten Zahlen vor einem Jahr in der Samtgemeinde Bothel. Nun gibt es nach NDR-Angaben ähnliche Vermutungen im Landkreis Nienburg. In Rodewald sind demnach auffällig viele Menschen an Leukämie erkrankt – in der Nähe einer mit Benzol verseuchten Betriebsanlage.

In Bothel sind, wie mittlerweile auch für Rotenburg bekannt, vor allem ältere Männer öfter als normal von Leukämie- und Lymphomerkrankungen betroffen. Auch im Bereich Sottrum gibt es Auffälligkeiten, wenn auch nicht statistisch relevant. Zumindest in Rotenburg und Bothel sind die Zahlen für die Statistiker aber so eindeutig, dass es Gründe geben muss – und nach denen wird gesucht. Ein Zusammenhang mit der Erdgasförderung wird immer wieder angeführt, doch nachgewiesen ist noch nichts. Die Zahlen aus dem Landkreis Nienburg, über die der NDR am Montagabend in der Sendung „Markt“ berichten wird, könnten die Vermutungen untermauern.

Denn es gibt demnach eine neue „Qualität“ des Zusammenhangs: Noch mehr als in Rotenburg und Bothel drängt sich in Rodewald der Verdacht auf, dass die Förderung die Krankheiten ausgelöst haben könnte – es gibt laut NDR nicht nur eine auffällige Häufung von Leukämien, sondern auch erhöhte Benzol-Messwerte. Die gab es zwar teilweise auch in den hiesigen Fördergebieten, aber eben nicht in einem solch markanten und örtlich Zusammenhang. Die Messwerte für krebserregendes Benzol in der Luft seien vom Tüv in der Nähe eines Erdöl-Betriebsplatzes des „ExxonMobil“-Vorgängers BEB Erdgas und Erdöl im Jahr 1988 als hundertfach über den Grenzwerten klassifiziert worden. Auch die Werte für Benzol im Boden und Grundwasser an der Betriebsstelle, die seit 2014 saniert werde, sind laut NDR „teilweise stark erhöht“. Ein Verdacht, dass junge Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, davon beeinträchtigt wurden, dränge sich auf.

Nach NDR-Recherchen sind mindestens fünf Menschen unter 40 Jahren in Rodewald innerhalb von zehn Jahren an Leukämie erkrankt. Statistisch erwartbar wäre in diesem Zeitraum maximal eine Neuerkrankung gewesen. Das bestätigte auch ein Statistiker des Landesgesundheitsamtes: „Es handelt sich hier um eine auffällige Erhöhung, der man nachgehen müsste.“

Viele der an Leukämie erkrankten Dorfbewohner leben oder lebten laut NDR in der Nähe des ehemaligen Betriebsplatzes. Auf dem Platz sei das gesammelte Öl gereinigt und wieder abtransportiert worden. Über ein Ausblasrohr sei im Öl enthaltenes Gas in die Umgebung abgeben worden.

„Eigentlich müssten jetzt in niedersächsischen Behörden, und zwar auch in mehreren Ministerien, die Alarmglocken schrillen“, warnt Kathrin Otte, zweite Vorsitzende des Gemeinnützigen Netzwerks für Umweltkranke (Genuk).

Der Landkreis Nienburg will nun mit dem Epidemiologischen Krebsregister ähnlich wie im Landkreis Rotenburg eine Krebs-Clusteruntersuchung starten. Und Exxon? Der Konzern hat gegenüber dem NDR geäußert, dass auch andere Faktoren Auslöser sein könnten: Verkehr, Rauchen, Pestizide, Strahlung oder Alkohol.

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