Neuer Träger, neues Motto

Fitnessraum: Diakonisches Werk raus, die Stadt übernimmt

Die Stadt Rotenburg übernimmt die Trägerschaft für den Fitnessraum. Es gibt Blumen, Geschenke und nette Worte.
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Die Stadt Rotenburg übernimmt die Trägerschaft für den Fitnessraum. Es gibt Blumen, Geschenke und nette Worte.

Rotenburg – Die Stadt Rotenburg übernimmt die Trägerschaft des Fitnessraums an der Freudenthalstraße. Damit ist in Sachen „Offenes Sportprojekt“ jetzt alles in der Hand der Kreisstadt. Fast 14 Jahre lang hatte der Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werkes die Trägerschaft. Für den Wechsel haben sich alle Beteiligten im Fitnessraum im Keller der Außenstelle der Berufsbildenden Schulen (BBS) am Lohmarkt getroffen. Es gab Blumen, eine Urkunde und dazu noch viele nette Worte.

Die Gründe für den Wechsel der Trägerschaft hat Angela Hesse als Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes auf den Punkt gebracht: Einerseits sei es nicht mehr möglich gewesen, nach so vielen Jahren für ein Projekt die erforderlichen Mittel einzuwerben, andererseits habe sich der Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werkes in seiner Arbeit verändert – hin zu mehr Einzelfall-Beratung, auch an der Schnittstelle von Schule und Beruf sowie verstärkt zur Integration in die Gesellschaft. „Zwölf Jahre lang ist es uns gelungen, die Mittel für den Fitnessraum zu bekommen – zuletzt aber nicht mehr“, so Hesse. 

Es gehe um Kosten in Höhe von 25 000 Euro pro Jahr. Das Geld fließt in erster Linie in die Betreuung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die den Fitnessraum aufsuchen. Ein festes Team kümmert sich um sie und steht ihnen nicht nur hinsichtlich eines guten Trainings zur Seite. Im Fokus haben die „Macher“ immer auch die sozialen Aspekte. Die Jungen und Mädchen kämen mit vielen Fragen, aber auch mit Problemen auf sie zu. Manchmal sind es ganz banale Dinge, wie etwa Fragen zu einem Mobilfunkvertrag oder auch zu Problemen in der Schule oder in der Ausbildung. 

Peter Schäfer, Vladimir Bondarenko, Jasmin Mählmann, Natalie Schäfer, Melanie Kapp, Alexander Frizler, Ivan Suslov, Artjom Dück, Nadine Freese und Jenny Oddoy sowie Angelina Köster machen das alles aber eben nicht für lau – sie erhalten eine Aufwandsentschädigung und stellen sicher, dass der Raum von montags bis freitags besetzt ist. Montags, mittwochs und freitags sind die Männer dran, dienstags und donnerstags können die Mädchen zum Trainieren kommen. Die meisten der Betreuer engagieren sich bereits mehr als zehn Jahre ehrenamtlich in den Projekten.

„Das ist wirklich ein Erfolgsmodell“, sagt Katharina Engelhardt als stellvertretende Schulleiterin der BBS, die den Trainingsraum sowie den benachbarten Theaterraum zur Verfügung stellen, in dem sich die Armwrestler treffen und die Street-Workout-Abteilung aktiv sind.

Die Macher im Fitnessraum rufen ein neues Motto aus: „Fit mit ROW“.

Das offene Sportprojekt insgesamt ist ein Erfolgsmodell, aus dem das Fitnessangebot einst hervorgegangen ist. Eine der prägenden Kräfte war und ist Eduard Hermann, der seit vielen Jahren schon als Streetworker der Stadt unterwegs ist und in Franziska Gölitzer eine Kollegin an der Seite hat. Sie beide haben natürlich auch am Treffen zum Trägerwechsel teilgenommen – sie gehören einfach dazu.

Mit dieser Selbstverständlichkeit ist an einer der Wände im Fitnessraum immer noch das Motto dieser Einrichtung zu lesen: „Fit und gut drauf – Kraft ohne Gewalt“. Dort könnte aber schon bald ein neues Motto hängen – denn das Fitnessraum-Team hat es jetzt ausgerufen: „Fit mit ROW“. Und auch vom offenen Sportprojekt will Eduard Hermann eigentlich nicht mehr sprechen. Er redet lieber von den Angeboten der aufsuchenden Jugend-Sozialarbeit. Die Zeiten ändern sich. Nach 14 Jahren wohl auch kein Wunder.

Andreas Weber (SPD) als Bürgermeister der Stadt Rotenburg brachte nun den Dank in Richtung Diakonisches Werk zum Ausdruck und erinnerte vor allem auch an das große Engagement von Herbert Neumann. Der war lange Jahre im Jugendmigrationsdienst tätig und hat sich intensiv für das Projekt Fitnessraum stark gemacht. Inzwischen ist er im Ruhestand. Auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wollten „Danke“ sagen und überreichten Blumen an die Leiterin des Amtes für Jugend und Soziales, Elke Bellmann, an Angela Hesse sowie an Katharina Engelhardt. Jeweils eine Hantel hatte Eduard Hermann für Angela Hesse und Andreas Weber mitgebracht – einmal mit dem Logo der Stadt, einmal mit dem des Jugendmigrationsdienstes.

Angela Hesse betonte, dass der Jugendmigrationsdienst ganz sicher Partner der Projekte bleibe. „Wir sind weiterhin beratend und im Netzwerk dabei.“ Sie brachte aber auch ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass die Stadt als Trägerin des Fitnessraumes einspringt. Denn: „Ein Aus für diese Einrichtung wäre ein großer Verlust.“ Das zu verhindern war dem Vernehmen nach vor allem auch das Bemühen von Elke Bellmann. Sie hat sich demnach mächtig ins Zeug gelegt, dass es eine Zukunft für das Angebot gibt. Aber Angela Hesse sprach auch den vielen weiteren Gästen aus der Seele.

Bürgermeister Andreas Weber betonte beispielsweise, dass es im Fitnessraum eben nicht nur darum gehe, Kraft zu erlangen. „Hier findet wichtige Präventionsarbeit statt, es geht um Lebensperspektiven.“ Daher sei es der Stadt ein großes Anliegen, diese 2006 geschaffene Einrichtung zu erhalten. Die Nachfrage ist schließlich weiterhin groß – „hier ist an jedem Tag was los“, sagt einer aus dem Team voller Freude über die große Resonanz.

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