Neuer Ansatz: Biogasanlagen als Energielieferanten für Elektroautos

Eine Alternative zu Bussen und Co.?

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Biogasbetreiber sind auf der Suche nach Alternativen. Sie könnten in Zukunft unter anderem Strom für Elektroautos liefern.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Das Auto mit Verbrennungsmotor ist über kurz oder lang ein Auslaufmodell. Also stellt sich verstärkt die Frage, wie die Menschen von A nach B kommen. In den Städten lässt sich dieses Problem leichter lösen, weil es in der Regel zahlreiche Bus- und Bahnverbindungen gibt. Auf dem Land hingegen sind andere Lösungen notwendig. Einen Beitrag zur Mobilität könnten Elektroautos leisten – vorausgesetzt es gibt genug Tankstellen und ausreichend Energielieferanten.

Welchen Beitrag Biogasanlagen dazu leisten können, das sollte jüngst eine Konferenz in Hannover zeigen, zu der der Fachverband Biogas und die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg eingeladen hatten. Die Anlagen in die notwendige Energieversorgung einzubinden, stößt bei Vertretern des Landvolk-Verbandes und der Landwirtschaftskammer grundsätzlich auf offene Ohren. Inwieweit dies geschehen kann und soll, lässt sich nach Auskunft von Jörn Ehlers, Vorsitzender des Kreislandvolk-Verbandes Rotenburg-Verden, derzeit noch gar nicht sagen: „Das Thema ist noch ganz frisch.“

Gleichwohl findet Ehlers den Zeitpunkt zum Einstieg in die Diskussion richtig. Ehlers weist darauf hin, dass die Hersteller beziehungsweise Lieferanten von Biogas auf der Suche nach Perspektiven seien. Die Zeit der großen Zuwächse sei vorbei, die Branche werde derzeit „ausgebremst“. Als Hauptgrund nennt Ehlers das Auslaufen der bislang garantierten Einspeisevergütung für die Hersteller von Elektrizität aus Biogas in etwa zehn Jahren.

Davon sind auch die zahlreichen Anlagenbetreiber im Landkreis Rotenburg betroffen. Sie gehörten in den Jahren 2004 und 2005 zu den ersten Akteuren am Markt, der laut Ehlers seinen Höhepunkt in den Jahren 2008 und 2009 hatte. Trotzdem ist der Anteil der Biogasproduktion in ganz Niedersachsen je Quadratkilometer Landwirtschaftsfläche in den vergangenen Jahren gestiegen. Im Jahr 2011 waren es 25,9 Kilowatt, 2012 schon 27,3 und 2013 genau 30,7 Kilowatt. Diese Werte weist die Statistik der Agentur für Erneuerbare Energien aus.

Um sich im Segment der Elektromobilität tummeln zu können, ist es für die Biogasanlagen-Betreiber notwendig, die aktuellen Marktentwicklungen bei Fahrzeugen und Stromtankstellen zu kennen und zu wissen, wohin die Reise führen wird. Dabei spielen die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen eine gewichtige Rolle.

Sollten sich in diesem Bereich Perspektiven für die Betreiber ergeben, geht Ehlers davon aus, dass die bestehenden Anlagen bestehen bleiben. Wenn nicht, so der Landvolk-Chef mahnend, dürften sie über kurz oder lang von der Bildfläche verschwinden.

Dreh- und Angelpunkt der Biogasanlagen-Zukunft ist nach Überzeugung von Peter Schünemann-Plag, beim Bezirk Bremervörde der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für Energie- und Unternehmensberatung zuständig, eine Frage des Preises.

„Wird Strom aus Biogas zu Sonderkonditionen durchgeleitet?“, fragt Schünemann-Plag. Laut seiner Überschlagskalkulation liegt der Grundpreis je Kilowattstunde Strom bei der Erzeugung zurzeit bei drei Cent. Hinzu kommen sechs bis acht Cent an Durchleitungsgebühren sowie weitere Kosten wie die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Am Ende zahle der Kunde 0,28 Cent je Kilowattstunde.

Der Preis für Biogas schwankt zwischen 15 und 25 Cent. Teurer dürfe es nicht werden, ist Schünemann-Plag überzeugt. Wenn die grüne Technologie eine Chance haben soll, müsse auf Aufschläge zum Beispiel für das EEG verzichtet werden.

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