Rotenburger Nabu rekonstruiert Gebäude im Erlebnisgarten

Neuer alter Torfschuppen

Bei den Vorbereitungen für den Aufbau des Torfschuppens fasst Nabu-Mitglied Wilfried Glauch mit an.
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Bei den Vorbereitungen für den Aufbau des Torfschuppens fasst Nabu-Mitglied Wilfried Glauch mit an.

Rotenburg – Die ersten Schritte sind getan: Die Baugenehmigung kam Ende vergangenen Jahres, das Grundgerüst steht. Wer beim Mitmach- und Erlebnisgarten (Mega) am Hartmannshof vorbeigeht, kann schon die Maße des Torfschuppens erkennen, der in den kommenden Monaten auf Initiative des Nabu Rotenburg entstehen wird: Fünf mal sieben Meter mit einem offenen Unterstand im vorderen Bereich.

Solche Torfschuppen hat es früher viele in der Region gegeben, typisch für die Moorgegend, weiß der Vorsitzende Roland Meyer. Torf wurde als Heizmaterial verwendet, konnte in den Schuppen gut gelagert werden. Denn sie wurden auf Lücke gemauert. Es gab keine schlichten Ausfachungen aus Geflecht und Lehm, wie man sie beispielsweise im Schafstall im Mega findet. „Sondern moderner, haltbarer mit gebrannten Ziegeln.“ Durch die Lücken dazwischen konnte der Wind fegen, der Torf trocknete schneller – und die Bauweise sparte Material. „Die Schuppen wurden damals sehr einfach und billig gebaut – das waren keine repräsentativen Bauten.“

Heute sind sie nahezu verschwunden, Meyer weiß von „einem halben in Wenkeloh“, gerade noch als solcher zu erkennen. Bei Wittkopsbostel in der Gemeinde Scheeßel gab es bis vor 15 Jahren auch einen, aber sehr verfallen. Fotos davon sind noch erhalten. „Sie sind, wie die Schafställe, zu klein, um sie in heutiger Landwirtschaft zu nutzen oder sie umzunutzen, zum Beispiel als Wohnhäuser – und dann erhält sie auch niemand.“ Daher sei es für die Gruppe umso reizvoller gewesen, so etwas im Mega wieder aufzubauen.

Da der Nabu sein Hauptlager für das benötigte Werkzeug bei Einsätzen wie die Pflege von Libellenteichen oder Moorflächen auf dem benachbarten Hartmannshof bald nicht mehr nutzen kann, musste eine neue Lösung her. Die Idee: einen Torfschuppen rekonstruieren und dabei das Nützliche mit dem Schönen verbinden. Denn zum einen möchte der Nabu sein Angebot dort stetig ergänzen. Das Gebäude wird sich nach seiner Fertigstellung passend in das Ensemble einfügen. Zum anderen soll in dem Schuppen nicht nur Werkzeug untergebracht werden, er dient auch als Anknüpfungspunkt, um Besucher über die Trockenlegung der Moore und deren Auswirkung auf den Klimawandel aufzuklären.

Denn aus trocken gelegten Mooren in Niedersachsen entweicht jährlich fast so viel CO2, wie der gesamte Verkehr im Bundesland im gleichen Zeitraum verursacht, weiß Meyer. Die Trockenlegung hatte nicht nur die Vernichtung der Lebensräume vieler Tiere und Pflanzen zur Folge, sondern hat hohe Mengen klimaschädlicher Gase freigesetzt. Umso wichtiger ist ihr Schutz, ihre Renaturierung, ihre Wiedervernässung. Durch den markanten Standort im Eingangsbereich zum Mega „kommt man automatisch auf das Thema Moor, den Lebensraum und den Klimaeffekt sowie die -krise zu sprechen“, so Meyer. „Es ist toll, wenn sich nützliche Sachen wie ein Lager mit inhaltlichen und atmosphärischen Aspekten verbinden lassen.“ Unterstützt wird das Ganze von Informationstafeln, die vor dem Gebäude aufgestellt werden sollen, damit Besucher das auch auf eigene Faust erkunden können.

Anfang vergangenen Jahres war klar, dass der Torfschuppen kommen soll. Bei einem Gesamtvolumen von etwa 47 000 Euro braucht es eine Finanzierung – und die kann der Nabu nicht komplett aus eigenen Mitteln stemmen. Dennoch kann er, vor allem dank einer Spende, einen großen Eigenanteil aufbringen und leistet in hohem Maß eigene Arbeit. Der Rest finanziert sich aus Förderungen der Deutschen Postcode Lotterie, der Stadt Rotenburg sowie der Stadtwerke.

Der Schuppen, nach Wittkopsbosteler Vorbild, soll aus Recyclingmaterial entstehen. Deswegen haben die Mitglieder bereits im Sommer 2020 angefangen, beispielsweise Fundamentsteine oder Ziegelsteine aus Abbruchhäusern zu sammeln. Wenn alles klappt wie geplant, könnte der Torfschuppen bis Oktober fertiggestellt sein – das hängt aber vom weiteren Verlauf der Pandemie ab, sagt Meyer, „wenn man Eigenleistung bringen will, muss man sie auch machen dürfen“.

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