Landkreis reformiert das Überschwemmungsgebiet des Flusses

Die neuen Grenzen der Wümme

Die Wümme tritt gerne mal über die Ufer. Jetzt werden ihr neue Grenzen gesetzt. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Der Wümme werden neue Grenzen gesetzt. Der Ausschuss für Hoch- und Tiefbau des Landkreises hat sich gestern mit der Festsetzung des Überschwemmungsgebietes des Flusses beschäftigt. Mehr als 30 Jahre lang hatte die alte Fassung Bestand, eine Reform musste her. Am Ende waren die Ausschussmitglieder einstimmig dafür. Und beschlossen damit ein ein Jahr andauerndes Verfahren.

Hintergrund des Ganzen: Wissenschaftler erwarten angesichts des Klimawandels in der Zukunft stärkere Regengüsse mit extremen Wetterlagen. Bezugsgröße sind die sogenannten Jahrhundertregenfälle, HQ100 genannt. Mehr Wasser von oben heißt, dass auch die Flusspegel höher als bisher ansteigen. Dadurch weiten sich die Überschwemmungsgebiete aus. Deshalb hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NWKLN) schon Ende Juli 2013 diese Gebiete vorläufig gesichert. Eine entsprechende Verordung durch den Landkreis Rotenburg stand allerdings noch aus.

Mehr als ein Jahr hat das Verfahren gedauert. Denn in den Überschwemmungsgebieten darf in Zukunft nicht mehr gebaut werden. Auf ihren mehr als 50 Kilometer langen Weg durch den Landkreis durchquert die Wümme mit den Samtgemeinden Sottrum und Fintel sowie der Gemeinde Scheeßel und der Stadt Rotenburg schließlich vier Kommunen, in denen vorab Bürger, Ämter und andere Institutionen – beispielsweise Brandmeister – angehört werden mussten. 15 gaben ihre Stellungnahmen oder Einwände ab. Größtenteils wurde diesen entsprochen und die Planungen entsprechend angepasst.

In den nun ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten gelten strenge Auflagen für die Bebauung. Eine Ausweisung neuer Baugebiete in den Gebieten ist nicht möglich – generell seien alle genehmigungspflichtigen Bauvorhaben ausgeschlossen, heißt es vom Landkreis.

Mauern und Wälle, sofern sie quer zur Fließrichtung der Wümme stehen, sind im Überschwemmungsgebiet verboten, ebenso das Erhöhen oder Vertiefen der Erdoberfläche. Außerdem betroffen sind Gegenstände, die im Falle eines Hochwassers wegschwimmen können. Die dürfen nur kurzfristig im Gebiet gelagert werden. Außerdem kann Grün- nicht in Ackerland umgewandelt werden.

Betroffen sind davon vor allem Grundstücksbesitzer oder Landwirte am Rande des Überschwemmungsgebietes. Teilweise ragt dieses sogar in die Gärten hinein. Die Eigentümer müssen aufpassen: Ein Gartenhäuschen ist in den betroffenen Teilen ebenso verboten wie Rundballen oder landwirtschaftliches Gerät, aber auch Bäume und Sträucher, die dem Hochwasserschutz entgegenstehen.

In Stein gemeißelt ist deshalb aber nichts. Grundsätzlich seien Ausnahmen und Ermessensentscheidungen möglich, heißt es von der Kreisverwaltung. Diese würden von Fall zu Fall getroffen werden. Beispiele für Ausnahmen gibt es bereits einige. So durfte ein Architektengebäude an der Bahnhofsstraße/Ecke In der Ahe in Rotenburg bereits nach der alten Fassung und nur unter strengen Auflagen gebaut werden. Ähnliches gelte für die Roseninsel an der Scheeßeler Mühle, da sie mehrheitlich über der Hochwassermarke liegt und deshalb aus dem Überschwemmungsgebiet rausgenommen wird.

Genaues Kartenmaterial zum Überschwemmungsgebiet ist online über das Kreistagsinformationssystem unter www.lk-row.deeinsehbar.

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