Kommentar: Der neue Stadtrat

Nichtwähler liegen vorne

Rotenburg - Von Guido Menker. Vollkommen klar: Wer den Einzug in den Stadtrat geschafft hat, wird – wenn überhaupt – erst auf den zweiten Blick wahrnehmen, wie schwach die Wahlbeteiligung in Rotenburg gewesen ist. Um es auf den Punkt zu bringen: Fast jeder zweite Wahlberechtigte hat darauf verzichtet, sein demokratisches Grundrecht wahrzunehmen und seine Stimmen bei der Kommunalwahl am Sonntag abzugeben.

Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein, warum die Kommunalpolitik auf so wenig Interesse stößt. Schließlich geht es gerade hier um Themen, die die Menschen zum größten Teil direkt betreffen. Auffällig ist dabei, dass die Wahlbeteiligung in den kleinen Ortschaften deutlich höher ist. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) bemüht das in der Stadt weniger ausgeprägte Wir-Gefühl als Erklärung. Er mag Recht damit haben, aber auch daraus ließe sich ein politischer Auftrag formulieren. Gerne ist bei der Bewertung der Wahlbeteiligung auch von einer fehlenden Nähe der Politik zur Bevölkerung die Rede. Aber wer, bitte schön, wenn nicht die Politiker selbst, sollte sich dieser Aufgabe annehmen? Info-Stände in den letzten vier Wochen vor einer Wahl reichen nicht aus, diese Nähe wieder herzustellen. Auch Bürgerfragestunden, Sprechstunden beim Bürgermeister oder Podiumsdiskussionen bewirken da nur wenig. Gäbe es einen Weg aus dieser Misere, wäre er schon längst eingeschlagen worden. Ganz sicher. Vielleicht hilft es aber schon ein wenig, wenn bei den Gewählten etwas mehr Demut im Spiel ist, während sie im Rat und in den Ausschüssen diskutieren, sich streiten, also um Mehrheiten bemüht sind. Demut gegenüber denen, für die sie dort sitzen. Auch, wenn sie wissen, dass es vielen Rotenburgern egal zu sein scheint. Den Nichtwählern vom Sonntag sei empfohlen: Gehen Sie doch mal zu einer Ratssitzung. Platz gibt’s da immer reichlich: auf der Zuschauertribüne!

Lesen Sie dazu den Artikel „Nur jeder Zweite geht wählen“

Rubriklistenbild: © Henschel/Symbolbild

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