Kreistage beschließen Zusammenlegung von Rotenburg und Osterholz

Die neue Sparkasse steht

Thorben Prenntzell (v.l.), Reinhard Krüger, Ulrich Messerschmidt und Stefan Kalt bilden künftig den neuen Sparkassen-Vorstand.

Rotenburg/Osterholz - Von Joris Ujen. Die CDU hat am Mittwoch im Kreishaus Bremervörde von „einer historische Entscheidung“ gesprochen, die SPD „von dem Anfang einer neuen Welt“, und die Grünen waren skeptisch, stimmten aber ebenfalls der Zusammenlegung der Sparkassen Rotenburg-Bremervörde und Osterholz zu: Die großen Bankenfusion in der Region ist perfekt. Der neue Name „Sparkasse Rotenburg Osterholz“ sowie ein neuer Vorstand stehen bereits fest. Der bisherige Vorsitzende der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde, Reinhard Krüger, übernimmt auch dieses Amt, der Hauptsitz wird in der neuen Zentrale in Zeven sein.

Bevor der Kreistag über die neue Sparkassenkonstellation abstimmte, gaben einige Kreistagsmitglieder sowie Landrat Hermann Luttmann (CDU) ihren Zuspruch, aber auch ihre Zweifel kund. Der Landrat hielt sich kurz, betonte nur den Einklang bei den vorangegangen Gremien – die einstimmige Empfehlung vom Verwaltungsrat der Sparkasse, des Kreisausschusses und bei zwei Gegenstimmen des Kreistages in Osterholz-Scharmbeck.

CDU-Fraktionsvorsitzender Marco Prietz teilte die Befürwortung der Maßnahme: „Die Sparkassen nehmen einen wichtigen gesetzlichen Auftrag und eine wichtige Funktion in unserer Region wahr. Sie versorgen die regionale Wirtschaft mit Krediten, fördern Existenzgründer und sind ein starker regionaler Partner in den Kommunen. Und nicht zuletzt fördern sie die Ausbildung junger Menschen“, lauteten nur einige Argumente von Prietz für die Zusammenlegung. Im Mittelpunkt der Sparkasse stehe nicht das Gewinnstreben, sondern ihr öffentlicher Auftrag. „Und deswegen ist sie für uns alle so wertvoll.“

Klaus Manal, SPD-Kreistagsmitglied, stimmte seinem Vorredner in fast allen Punkten zu. Nach den vorangegangenen Sondierungsgesprächen, an denen auch der Kreisvorsitzende der Sozialdemokrat teilgenommen hatte, sei für die Beteiligten klar gewesen: „Jawohl, es lohnt sich und es muss sein. Wir haben gar keine andere Wahl“, so Manal. Eine Abkehr würde die Zukunft der Bankenhäuser gefährden. Eine der Sondierungskommission vorgelegte Fünf-Jahres-Prognose der Sparkasse „hatte keinen Spaßfaktor. Die Existenz der Häuser wäre mittelfristig in Gefahr.“ Er, als ehemaliger Betriebsrat und Mitarbeiter einer Bank, habe er schon vier Fusionen miterlebt. Bei einem Kreditinstitut seien von ursprünglich 4 700 Mitarbeitern innerhalb von dreieinhalb Jahren 3 000 Stellen abgebaut worden, sagte Manal. „Ich habe gesehen, wie es nicht funktioniert.“ Bei den jetzigen Sondierungsgesprächen habe der Sozialdemokrat wahrgenommen, dass „gewisse Dinge passieren müssen, aber so sozial verträglich wie eben nur möglich“. Und dann sagte Manal das, was sicherlich viele Sparkassenmitarbeiter gerne hören: „Es wird keine Kündigungen geben.“ Gemeinsam beschäftigt die dann zehntgrößte Sparkasse Niedersachsens mit einer Bilanzsumme von rund 3,5 Milliarden Euro mehr als 700 Mitarbeiter.

Weniger optimistisch zeigte sich Grünen-Politiker Ingolf Lienau. „Viele machen sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Aufgrund von Pensionierungen wird die Zahl an Mitarbeitern sowieso sinken. Man will ja auch Kosten sparen.“ Nichtsdestotrotz hoffe Lienau, dass die Zusammenlegung der Sparkassen eine sinnvolle Entscheidung ist.

„Wir sehen am Horizont schon die dunklen Wolken“, begann Jan-Christoph Oetjen (FDP) seine Rede. Es sei jetzt sowohl für die Sparkasse als auch ihre Mitarbeiter jetzt der richtige Zeitpunkt, „wo man noch nicht im schweren Fahrwasser ist“. Kosteneinsparungen seien unumgänglich, was auch Mitarbeiter betreffen kann. „Aber auf Dauer ist es auch für die Mitarbeiter besser, neue Strukturen zu schaffen und ein Marktpotenzial zu erschließen, die in beiden Häusern momentan brachliegen.“ Am Ende des Tagesordnungspunktes stimmten die Kreistagsmitglieder für die Zusammenlegung, die AfD enthielt sich.

Und warum war die Zusammenlegung, die in der Kreistagsvorlage als „Übernahme der Sparkasse Osterholz durch die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde“ bezeichnet wird, notwendig? Das Kreditinstitut nennt als Gründe die dauerhaften Niedrig- und Negativzinsen, die stark zunehmende Regulatorik, die Digitalisierung, den demografischen Wandel und den mittelfristigen Bevölkerungsrückgang. Dadurch seien sowohl die Ertrags- als auch die Aufwandsseite der Sparkassen unter Druck geraten. Berechnungen zufolge könne die Bank durch die Übernahme rund zehn Millionen Euro pro Jahr einsparen. Gehe man diesen Weg nicht, wäre das Betriebsergebnis für Rotenburg-Bremervörde ab 2021 nicht mehr auskömmlich, hieß es zuletzt.

Nachdem die Kreistage dem Vorhaben zugestimmt haben, fehlt noch die Genehmigung der Sparkassenaufsicht. Erst dann sei der rechtliche Prozess abgeschlossen, sodass die Zusammenlegung am 1. Januar 2018 juristisch vollzogen werden kann. Ulrich Messerschmidt, künftiger stellvertretender Vorstandsvorsitzender, gab zudem bekannt, dass es zu keinen „fusionsbedingten“ Filialschließungen kommen wird. Die Zahl von 55 soll vorerst erhalten bleiben. Thorben Prenntzell und Stefan Kalt komplettieren den neuen Vorstand.

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