Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzepts

Neue Ideen für Kompostierung

Vorne liegt grobes Holz für die thermische Verwertung, hinten liegt der feine Kompost bereit.
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Vorne liegt grobes Holz für die thermische Verwertung, hinten liegt der feine Kompost bereit.

Lange wurde über sie diskutiert, die Kompostierungsanlage auf dem Gelände der landkreiseigenen Entsorgungsanlage in Helvesiek-Rehr. Kaum ist sie in Betrieb, ist sie beim Ausschuss für Abfallwirtschaft wieder Thema: Denn es gibt neue Ideen.

Rotenburg – Es ist die erste Sitzung der neuen Wahlperiode und im Abfallwirtschaftsausschuss sitzen im Kreishaus neben bekannten auch neue Gesichter. Ihnen präsentiert Ellen Scherer, die Leiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs, gerade Fotos, unter anderem von der Kompostierungsanlage in Helvesiek. Die ist seit April in Betrieb, nach vielen Diskussionen. Und aus den Reihen der Mitglieder gibt es neue Ideen, ob die zum Beispiel entstehende Wärme sinnvoll genutzt werden könnte.

Allein auf den 17 Grünschnittsammelplätzen des Landkreises plus der Entsorgungsanlage in Helvesiek-Rehr fallen pro Jahr zwischen 25 000 und etwas mehr als 30 000 Tonnen Grünschnitt an. Die Plätze werden derzeit nach und nach asphaltiert, mitunter stehen weitere Einzelmaßnahmen an. Die große Anzahl der Abgabestellen sei „sehr bürgerfreundlich“, so Dezernent Torsten Lühring. Die Kommunen betreiben die Sammelplätze selbst, dürfen dafür eigene Abfälle des Bauhofs entsorgen.

Aber: Dass das Schnittgut auf einer nicht-asphaltierten Fläche gelagert wird, ist nicht mehr zeitgemäß. Die Abfälle müssten sonst in Container – auch nicht praktikabel. „Wir können nicht alle Plätze asphaltieren“, stellt Lühring gleich klar, denn pro Platz handelt es sich um Kosten in sechsstelliger Höhe. Nach dem „Piloten“ in Bothel konnten der Platz in Sittensen sowie zuletzt an der Harburger Straße in Rotenburg hergerichtet werden. Als nächstes stehen Selsingen, Tarmstedt, Visselhövede und Zeven auf dem Programm. Die Genehmigungsanträge werden voraussichtlich 2022 beim Gewerbeaufsichtsamt Cuxhaven eingereicht.

Eine Maschine siebt den Fertigkompost.

Und noch etwas soll sich perspektivisch ändern: Bisher werden Baum- und Strauchschnitt sowie Gras und Laub auf unterschiedliche Haufen verteilt – das ist vertraglich so geregelt. „Wir arbeiten daran, dass es nur noch einen Haufen gibt“, so Scherer – das könne aber noch ein paar Jahre dauern.

Vor allem für die Kompostierungsanlage in Helvesiek gibt es neue Ideen aus den Reihen der Ausschussmitglieder. Zum Start werden dort 10 000 Tonnen verarbeitet, die Genehmigung lässt auch mehr zu. Daraus entstehen am Ende etwa 6 000 Tonnen Kompost. „Wir müssen langfristig denken“, findet Elisabeth Dembowski (Grüne), bei der Frage danach, inwieweit die Verwertung der Abfälle für die eigene Nutzung denkbar ist. Die Idee mit der Nutzung der entstehenden Wärme oder anderer Rohstoffe bringt auch Ernst Behrens (CDU) auf.

Aktuell wird das meiste abgeholt. Der Baumschnitt wird geschreddert, die groben Stücke werden weggefahren und wandern in eine externe, thermische Verwertung – eine eigene Verwertungsanlage hat der Landkreis nicht. So wird die Wärme aktuell schon genutzt, aber nicht vor Ort. Perspektivisch könnte man überlegen, zum Beispiel auf dem Gelände mit eigenen Holzhackschnitzeln zu heizen, denn das alte Betriebsgebäude muss definitiv erneuert werden. „Das ist aber noch Zukunftsmusik“, sagt Scherer – und würde auch nur einen kleinen Teil der Rohstoffe benötigen. Gras, Laub und die feinen Teile aus dem Baum- und Strauchschnitt kommen dann in die Kompostierung, der am Ende entstehende feine Humus geht derzeit in die Erdenwerke nach Gnarrenburg.

Kompost

Wer übrigens Kompost kaufen möchte, kann das in Helvesiek auch weiterhin, aber nicht mehr in fertig befüllten Säcken. Der Umwelt zuliebe sind diese abgeschafft worden. Es ist aber möglich, beispielsweise mit dem eigenen oder geliehenen Anhänger nach Helvesiek zu fahren oder dort 30 Liter-Boxen zu erwerben, die nachbefüllt werden können.

Auch kommt die Frage nach der Verbreitung von Pilzsporen während der Umschichtung des Komposts auf – das war schon in der Vergangenheit ein Kritikpunkt, erinnert Susanne Hastedt (Grüne). Eine geschlossene, überdachte Anlage wäre bei Bioabfällen gesetzlich vorgeschrieben, in Helvesiek wird aber nur Grünschnitt verarbeitet. Und da die überdachten Anlagen offene Hallen sind, würde eine Überdachung somit bezüglich der Emissionen keinen Unterschied machen – wäre aber deutlich teurer.

Ideen wie diese könnten die Mitglieder in den kommenden Beratungen einfließen lassen. Für das kommende Jahr steht die Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzepts auf dem Programm, kündigt Lühring an. „Da stellt sich dann auch die Frage, was mit den anderen Abfällen geschieht“, merkt er gegenüber Dembowski an, die das Thema Biotonne im Landkreis kurz aufwirft – denn die gibt es bekanntermaßen hier noch nicht. Bis Herbst 2022 soll die Fortschreibung abgehakt sein.

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