Neue Edition von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ist nach wenigen Tagen vergriffen

Ein Buch, das nach wie vor polarisiert

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Verkäuferin Michelle Hoppe hält die kommentierte Fassung für sinnvoll.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. „Aufgrund der limitierten Auflage ist der Titel derzeit nicht verfügbar“, heißt es beim Onlinehändler Amazon. Bei der Buchhandlung Thalia kann der Leser lediglich vorbestellen, der Titel „erscheint demnächst“, wird zurzeit nachgedruckt.

4000 Exemplare zählte die erste Auflage von „Mein Kampf – Eine kritische Edition“, jener zwischen 1924 und 1926 entstandenen Programmschrift Adolf Hitlers, die das Münchener Institut für Zeitgeschichte nun neu herausgebracht hat – wissenschaftlich und kritisch kommentiert. Die 4000 Exemplare waren schnell vergriffen, auch die Rotenburger Buchhändler gingen größtenteils leer aus.

So auch die Buchhandlung Müller: „Wir hatten einige Vorbestellungen“, erzählt Verkäuferin Michelle Hoppe, „und haben diese Bestellungen weitergegeben.“ Doch die Großhändler seien zuerst beliefert worden, nun warte man auf die zweite Auflage. „Ich persönlich halte eine kommentierte Fassung für sinnvoll“, sagt Hoppe. Schließlich dürfe durch ein Verbot ein Werk nicht im Nachhinein glorifiziert werden. Bedenken, dass so manch ein Rechtsextremer den Weg in den Laden finden könnte, habe sie nicht. „Die haben ganz andere, noch lebende Vorbilder heutzutage.“ Dennoch: Im Geschäft werde „Mein Kampf“ nicht vorrätig sein, lediglich auf Nachfrage seitens der Kunden reagieren die Mitarbeiter.

Und die Nachfrage nach der Neuauflage war bundesweit groß, ebenso kontrovers diskutiert wurde sie. Darf die politisch-ideologische Hetzschrift Adolf Hitlers überhaupt neu aufgelegt werden und somit für jedermann zugänglich sein? 70 Jahre lang, seit dem Tod des Diktators im Jahr 1945, lagen die Urheberrechte an „Mein Kampf“ beim Freistaat Bayern, denn in München war Hitler zuletzt mit Wohnsitz gemeldet. Am 31. Dezember 2015 erlosch diese Regelschutzfrist.

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Die Neuauflage beinhaltet rund 3700 Anmerkungen, es gibt Informationen zu Personen, Ereignissen und ideologischen Begriffen. Die Autoren legen Hitlers Quellen offen, ordnen Aussagen in den zeitlichen Kontext und widerlegen falsche Darstellungen. Am Erscheinungstag, 8. Januar 2016, lag die Zahl der Vorbestellungen in Deutschland bei rund 15000. Jeder, der das Buch haben möchte, werde es auch bekommen, betont das Institut für Zeitgeschichte.

Astrid Schloo, Inhaberin von „Buch und Aktuelles“, war eine der wenigen, die ein vorbestelltes Exemplar in der vergangenen Woche pünktlich an einen Kunden liefern konnte. „Der Mann hat vor, sich kritisch damit zu beschäftigen“, erzählt sie. In ihrem Laden will sie „Mein Kampf“ dennoch nicht ins Regal stellen. „Als Buchhändler sieht man sich schnell Anfeindungen ausgesetzt.“ So seien auch Werke von Verlagen, „die in die braune Richtung gehen“, ein absolutes Tabu bei ihr.

Schloo hat Hitlers Originalwerk zudem in Auszügen gelesen: „Literarisch ist es auf niedrigem Niveau, vom polemischem Aspekt her jedoch intelligent aufgebaut. Ich kann verstehen, dass es damals die Massen mitgezogen hat.“ Ein weiteres Argument für Schloo: Das knapp 2000 Seiten starke Werk kostet 59 Euro. „Die Leute sind neugierig, 99 Prozent wollen dann nur darin blättern. Dafür ist es einfach zu teuer.“

Diese Sorgen teilt Susanne Allers von der Buchhandlung Regina Mauer nicht. „Bei dem Werk handelt es sich um eine rein wissenschaftliche Ausgabe. Wenn die Nachfrage da ist, werden wir diese auch bedienen.“ Ab dem 17. Januar, so hofft sie, wird das Geschäft dann mehrere Exemplare auf Lager haben.

Eben weil es sich um rein wissenschaftliche Literatur handelt, will Stadtbibliotheksleiterin Christine Braun das Buch nicht im Bestand wissen. „Es passt nicht in unser Konzept. Bei uns gibt es Sach-, aber keine Fachbücher.“ Sollte „Mein Kampf – Eine kritische Edition“ es jedoch auf die Bestseller-Listen schaffen, dann werde sie die Entscheidung noch einmal überdenken.

Doch ganz wohl sei ihr bei der ganzen Debatte um „Mein Kampf“ nicht – angesichts der aktuellen Flüchtlingsthematik und der zunehmenden rassistischen Kommentare im Internet. „Das erschreckt mich doch sehr.“ Man wisse nicht, ob Hitlers Hetzschrift womöglich einen negativen Teil dazu beitragen könnte.

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