Deutschkenntnisse vertieft

Flüchtlinge bauen Sitzmöbel: Neue Bänke für Nordpfade

Helfer vor dem Material für neue Bänke.
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Fleißig arbeiten Halil Khalaf, Abdelkadir Kurdi, Murad Hussein, Khalaf Abbas und Husein Khalaf gemeinsam mit Hermann Miesner (l.), Werner Ruhe (3.v.r.) und Martina Hoffstedt an neuen Bänken.

Es gibt wieder neue Picknickbänke für die Nordpfade: In der Holzwerkstatt auf dem Unterstedter Campus wird bereits fleißig gewerkelt - und so ganz nebenbei die deutsche Sprache vertieft.

Rotenburg – Halil und Husein Khalaf sind sich einig: „Es ist ein Hobby“, sagen die beiden Brüder. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern arbeiten sie an diesem Samstag, quasi aus Spaß. Sie sind nach ihrer eigentlichen Arbeit gekommen. Das Wort „Hobby“ sprechen sie mit Bedacht aus, sie sind noch dabei, Deutsch zu lernen. Manche Wörter müssen gesucht werden, doch die Verständigung funktioniert schon recht gut. Dabei sind die Menschen, die in der Holzwerkstatt auf dem Campus in Unterstedt zusammenkommen, aus unterschiedlichen Ländern: Sie sind aus Krisengebieten geflohen. Doch gerade ihr Engagement hier hilft, die fremde Sprache anzuwenden.

„Wir treffen uns hier, wir haben Spaß und wir üben, Deutsch zu sprechen“, ergänzt Abdelkadir Kurdi. Insgesamt sechs Flüchtlinge sind es, die sich gemeinsam mit Werner Ruhe und Hermann Miesner an die Arbeit machen. Sie kennen sich und zwar auch, weil sie ursprünglich einmal auf dem Campus gewohnt haben. Die Flüchtlinge sind vor einigen Jahren hier angekommen, inzwischen ist ein Stück des Weges bewältigt: Sie haben in Rotenburg Wohnungen gefunden und arbeiten regulär.

Arbeit für die Nordpfade macht Beteiligte stolz

„Ich bin Elektriker“, sagt Kurdi und man sieht ihm an, dass er stolz ist. Hussein Khalaf berichtet, dass er neben seiner Arbeit und seinem Engagement auch malt, vor Kurzem gab es eine Ausstellung seiner Bilder. „Ich sitze nicht gerne zu Hause“, sagt er und lacht – schnell wird klar, dass alle gerne anpacken und aktiv sind. „Eine Bank haben wir in einer halben Stunde zusammen“, berichten sie weiter. Sie sind zu Recht stolz auf das Ergebnis, welches sich sehen lassen kann.

Die Holzwerkstatt, die vor einigen Jahren von Werner Ruhe und Hermann Miesner eingerichtet wurde, hat sich bewährt. „Die Menschen, die hier als Flüchtlinge aufgenommen werden, sind sehr dankbar für die Unterstützung, die sie erhalten“, weiß Ruhe. Oft sei es so, dass die Betroffenen wenig Möglichkeiten sehen, diesen Dank auszudrücken. Und so kommt es, dass das Werkstatt-Projekt mit dem Namen „Gemeinsam mehr erreichen“ gleich mehrere Ergebnisse mit sich bringt.

Das Training der handwerkliche Fähigkeiten ist ganz nebenbei mit dem Üben der deutschen Sprache verknüpft.

Zum einen werden so weitere Bänke für die Nordpfade des Touristikverbandes Landkreis Rotenburg (Tourow) erstellt. Zum anderen lernen die Beteiligten, ihre handwerklichen Fähigkeiten weiter auszubilden. Und zum dritten ist es eben für die Gruppe eine Möglichkeit, der Öffentlichkeit etwas zurückzugeben. „2015, als die Flüchtlingskrise ein großes Thema war, haben wir überlegt, was wir machen können, um den Menschen die Integration in unserer Gesellschaft zu erleichtern – so ist diese Werkstatt hier entstanden“, so Miesner. Er ist ehrenamtlich aktiv und hat viele Jahre in der nahe gelegenen BBS Unterricht in Sachen Holztechnik, aber auch Deutsch gegeben.

Ruhe leitet die Werkstatt. Zunächst entstanden kleinere Holzarbeiten, Regale, Bilderrahmen oder mal ein Vogelkäfig. Auf die Idee mit den Holzbänken ist Martina Hoffstedt gemeinsam mit Udo Fischer gekommen. Die Ehrenamtskoordinatorin ist im Diakonissen-Mutterhaus beschäftigt, den Tourow-Geschäftsführer trifft sie zuweilen im Zug. „Das Projekt konnte durch eine enge Zusammenarbeit des Campus-Teams, des Tourows und natürlich der „Mehrheimischen“, die auch Lust auf dieses Projekt hatten, realisiert werden“, so Hoffstedt.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Unterstützt wurde die Idee auch vom Landkreis, der Stadt und der lokalen Politik, finanziell gefördert vor allem vom Rotary Club Rotenburg und vom Rotary Club Bremervörde-Zeven. „Hero Feenders war sehr angetan und hat das Ganze unterstützt – und so kommt es jetzt dazu, dass wir schon die zweite Charge an Bänken produzieren können“, führt sie aus. Damit es schnell weiter gehen kann mit der Aufstellung, arbeitet die Gruppe einige Stunden durch.

Zu bewundern sind die fertigen Bänke schon jetzt, zum Beispiel am Unterstedter Wehr, direkt an der Wümme. Weitere Standorte sind etwa die Nordpfade Rotenburger Wasserreich und Wümmeniederung in Sottrum und auch eine Strecke in der Samtgemeinde Fintel. „Die neuen Bänke kommen jetzt auf Nordpfade in Zeven, Bremervörde, an die Oste, nach Riekenbostel und weitere Standorte“, so Hoffstedt. Und die Gruppe? Die würde sich sicher über weitere gute Projektideen freuen.

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