Grewe-Gruppe plant Firmenzentrale an der Knickchaussee / Widerstand von Anwohnern

Neubau im Sonnenaufgang

Die neue Zentrale von Grewe nach Vorstellung der Architekten. - Grafik: PGN

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Reichen vier Geschosse aus, die Sonne auf ewig zu verstecken? Nach Meinung des einen oder anderen Anwohners der Königin-Christina-Straße in Rotenburg schon. In deren Nachbarschaft – an der Knickchaussee/Ecke Am Linteler Feld – möchte der Landschaftsbauer Grewe seine neue Holding-Zentrale bauen. Der städtische Ausschuss für Planung und Hochbau hat nun den Weg dafür freigemacht. Doch nicht jeder ist glücklich über die „neuen Nachbarn“.

So sei, so Bürgermeister Andreas Weber (SPD) in der Ausschusssitzung, in der Wohngegend ein Infoschreiben verteilt worden, dass die Pläne falsch dargestellt habe. 22 Anwohner hätten daraufhin Einwände gegen die neue Firmen-Zentrale bei der Stadtverwaltung vorgebracht. Ihre Hauptsorge: Das Gebäude ist zu groß. Der Anlass war ein auf dem Schreiben abgedrucktes Bild einer Ansicht aus der Königin-Christina-Straße, bei dem die Höhenverhältnisse des etwa 14 Meter großen Komplexes eingezeichnet waren. „Völlig falsch dargestellt“, so Weber (SPD) – viel zu groß, und an eine Stelle vorgerückt, wo das Gebäude gar nicht stehen soll.

Zudem wies der Verfasser des Schreibens laut Weber auf eine vermeintlich erhebliche Beeinträchtigung des Wohnbereichs und des Grundstückswertes hin. „Alles absolut nicht richtig“, so der Bürgermeister. Nach Klarstellung seitens der Stadtverwaltung, dass das Infoschreiben eben nicht den Tatsachen entspreche, erschienen bei einer in der vergangenen Woche kurzfristig angesetzten Anliegerversammlung lediglich acht Personen, um sich über die Pläne zu informieren.

Weber: „Für mich ist das ein Zeichen, dass das Gebäude nicht mehr für ganz so schlimm gehalten wird.“ Dass er mit seiner Einschätzung offenbar richtig liegt, zeigte auch, dass keiner von den etwa 15 bei der Sitzung des Ausschusses anwesenden Anwohnern das Wort ergreifen wollte, als Vorsitzender Oliver Credo für sie diese unterbrach.

Tatsächlich habe es in der Anliegerversammlung sogar positive Stimmen zum Projekt gegeben, berichtet der Bürgermeister. Manche hätten die nachbarschaftlich verträgliche Planung bestätigt, einige teilten das Interesse der Stadtverwaltung nach der Sicherung von Arbeitsplätzen, andere wiederum ließen sich nicht umstimmen. Einer habe sogar befürchtet, dass er durch den Neubau die Sonne nie wiedersehen würde. Auch nicht, als man auf dem Standort der neuen Firmenzentrale im Osten – in Richtung des Sonnenaufgangs – und eine höhere Baumreihe davor hinwies. Andreas Weber: „Manche wollen einfach das Gebäude nicht.“

Ursprüngliche Planungen hatten die Zentrale noch auf dem Gelände eines abgebrannten Wohnhauses an der Knickchaussee/Ecke Moorkamp vorgesehen. Nach Einwänden von Anwohnern sahen Grewe, die Planer und die Stadtverwaltung ein, dass dies städtebaulich nicht verträglich gewesen wäre. Nun soll an dieser Stelle ein neues Wohnhaus entstehen. Auch darüber beriet der Ausschuss kurz und gab schließlich einstimmig grünes Licht.

Der Bürgermeister machte deutlich, welche Position die Stadtverwaltung in der Sache einnimmt: Sie befürwortet das Projekt, um bis zu 50 Arbeitsplätze zu sichern. „Wir wollen nicht riskieren, dass der Investor in eine Großstadt abwandert“, sagte der Verwaltungschef und warnte eindringlich davor, falsche Signale zu senden.

Auch die Ausschussmitglieder nahmen das Projekt wohlwollend auf. So bezeichnete Marion Bassen (SPD) den Entwurf als „repräsentativ“ und verwies darauf, dass Grewe schon mit dem Abrücken von der Ursprungsplanung entgegen gekommen sei. Sie sprach so den überparteilichen Konsens aus; einstimmig votierten die Ausschussmitglieder für den Beschlussvorschlag. Jetzt sollen die Planungsunterlagen öffentlich ausgelegt werden.

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