Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff bei Unternehmer-Treffen

Ein sportliches Plädoyer für mehr Miteinander

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Oliver Bierhoff mit Rotenburgs Erster Stadträtin Bernadette Nadermann.

Und Mareike Ludwig - Von Michael Krüger. Etwas holprig zwar, aber gerade noch in letzter Sekunde kriegt Wolfgang Reichelt die Kurve und rettet den Abend. Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft, steht im Rotenburger Autohaus Sternpartner vor dem Präsidenten des Unternehmensverbands Rotenburg-Verden (URV) und bekennenden Nicht-Fußballfan und fragt ihn vor rund 150 geladenen Gästen, wie oft Deutschland Weltmeister gewesen sei. Bei falscher Antwort halte er seinen Vortrag nicht. „1956 das erste Mal“, sagt Reichelt, und dann: „Vier Mal.“

Oliver Bierhoff hält an diesem Montagabend in der Glasrotunde des Mercedes-Hauses doch noch seinen Vortrag, korrigiert den kleinen Fehler charmant (Reichelt: „1954? Da hatte ich keine Zeit, habe gerade ein Haus gebaut.“) und spricht schließlich eine knappe Stunde über „Den Weg zum Titel“, den vierten also, 2014 war es bekanntermaßen. Zum 18. Mal seit 1992 hatte der URV zu seiner Wirtschafts-Tafel geladen, Rotenburgs CDU-Bundestagsabgeordneter Reinhard Grindel lotste in seiner Funktion als DFB-Schatzmeister Bierhoff an die Wümme.

Ein durchaus lohnenswerter Ausflug, nicht nur für die Unternehmerschaft am Abend, die so manchen Tipp des Diplom-Kaufmanns zur erfolgreichen Teamführung mitnehmen konnte, sondern auch für diejenigen, die Fußball-Deutschland intensiv sucht: ambitionierte Nachwuchskicker. Am Nachmittag lobte Bierhoff auf dem Rotenburger Sportplatz das Ahe-Gelände: „Es ist alles sehr weitläufig, alles ist gut einsehbar. Ihr habt hier tolle Bedingungen.“ Zusammen mit Ralf Hastedt, dem Vorsitzenden des Jugendfördervereins (JFV) Rotenburg, sprach der Ex-Profi über das Jugendkonzept des neu gegründeten Vereins. Zudem informierte sich Bierhoff bei Jugendtrainer Adam Posilek über seine Arbeit mit den Kindern. Da Bierhoff am Abend auf seine Gage beim Unternehmerverband Rotenburg verzichtete, spendete die Wirtschafts-Tafel in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde an den JFV 2000 Euro. „Das ist eine tolle Sache, vielen Dank“, freute sich Hastedt über den Scheck.

Bierhoff beim URV in Rotenburg

Grindel ist es dann, der in seinem kurzen Grußwort am Abend die Arbeit an der Basis anspricht und die Bedeutung betont. Bierhoff sei immer einer gewesen, der über die vier Ecken eines Fußballplatzes hinausgedacht habe und für die Jugendlichen ein Idol sei. Da seien solche Besuche vor Ort eine tolle Geste. Und in Richtung der Unternehmerschaft appelliert Grindel, die Wertschätzung für das Ehrenamt zu behalten. Egal, ob Fußballverein, Kirche oder Freiwillige Feuerwehr – die dort erworbenen Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Organisationsvermögen und Verantwortungsbewusstsein könnten wieder in den Betrieb eingebracht werden. Grindel: „Das macht uns alle reicher und Betriebe nicht ärmer.“

URV-Präsident Reichelt betont neben seiner Fußball-Unkenntnis auch die Gemeinsamkeit von Sport und Wirtschaft. Schließlich träten beide als Botschafter „Made in Germany“ auf. Wie sich die Nationalmannschaft diesem Ziel verschrieben und so das Image eines ganzen Landes durch ihre Auftritte verändert hat, greift wiederum Bierhoff auf. Bezug nehmend auf das 7:1 bei der WM gegen Gastgeber Brasilien: „Es waren nicht mehr die hässlichen oder unterkühlten Deutschen, die das Spiel gewonnen haben.“ Bierhoff zeichnet den akribisch geplanten Weg zum Erfolg und zum Mannschaftsgeist nach und mahnt, auch das nicht zu vergessen, was zu alledem eigentlich immer gehören sollte, aber selten betont werde: Spaß an der Sache.

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