Mehrheit des Stadtrats gegen Umbennung

Dr.-Walter-Mecke-Damm: Name bleibt erhalten

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Es bleib, wie es ist: Der Dr.-Walter-Mecke-Damm behält seinen Namen.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Was sich bereits durch ein klares Mehrheitsvotum des Verwaltungsausschusses der Stadt Rotenburg abgezeichnet hatte, ist nun in letzter Instanz schlussendlich vom Stadtrat am Donnerstag beschlossen worden: Der Name des Dr.-Walter-Mecke-Damms bleibt erhalten bei 18 Ja-Stimmen gegenüber fünf Nein-Stimmen, acht Ratsmitglieder enthielten sich.

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) wird es freuen, da er sich noch vor dem Votum für den Namenserhalt ausgesprochen hatte. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass Dr. Walter Mecke während der Zeit des Nationalsozialismus irgendetwas angelastet werden könnte“, äußerte sich der Bürgermeister. 

Hinzu kommen die Ergebnisse des Entnazifizierungsprogramms aus den Jahren 1947 und 1949, die dem Arzt keine Schuld zugewiesen hatten. „Zu der damaligen Zeit hätte er sonst keine Möglichkeit gehabt, als Arzt wirken zu können“, begründete Weber Meckes Beitritt zur NSDAP und seiner Tätigkeit als Sturmbannarzt, „einen Posten in dem man einsortiert wurde und nicht aufgrund irgendwelcher Verdienste“.

Allerdings waren nicht alle von der Beibehaltung begeistert: „Wir haben ja schon ausführlich über die Namen Lent-Kaserne, Buhrfeindsaal und -straße diskutiert, die ja bekanntlich beibehalten werden“, sagte Jan Till Jürgensen (SPD), „obwohl die Herren sich zu keinem Zeitpunkt von dem Naziregime distanziert haben. Schade, dass dem Rat der Mut gefehlt hat zur Umbenennung.“

Erinnerung an seine Tätigkeit

In seiner Tätigkeit ab dem Jahr 1937 als Sturmbannarzt in Rotenburg habe Mecke zugelassen, so der Vorwurf von Jürgensen, dass tausende jüdische Ärzte nicht mehr praktizieren durften. „Das alles kann man nicht einfach wegwischen. Es gibt sicherlich viele Menschen, die sich um Rotenburg verdient gemacht haben und die keine NS-Vergangenheit haben und daher als Namensgeber viel eher in Frage kommen.“ Auch der aus der Verwaltung kommende notwendige Alternativvorschlag „Rodau-Wiedau-Damm“ wäre für den Sozialdemokraten annehmbar.

Elisabeth Dembowski (Grüne) sprach sich ebenfalls für eine kritische Auseinandersetzung aus: „Inwiefern Herr Mecke sich auf dem Gebiet der Rassenhygiene engagiert hat, wissen wir nicht.“ Es sei davon auszugehen, dass der Arzt unter dem Dekan Dr. Rudolf Stich, der als ein überzeugter Nationalsozialist galt, an der Fakultät in Göttingen tätig war. „Die Universität wies schon in den 20er-Jahren eine überdurchschnittliche Zahl an Befürwortern der NSDAP auf.“ Man könne davon ausgehen, dass Stich die Gleichschaltung der medizinischen Fakultät entschieden vorangetrieben hatte. 

Demzufolge könnte Mecke einem gewissen politischem Druck gefolgt sein, in die SA einzutreten, formulierte die Grünenpolitikerin die Entscheidung des Namensgebers. „Das alles können wir aber nicht belegen“, so Dembowski. Auch die Grünen halten eine deformierende Auseinandersetzung in diesem sensiblen Thema für ungut. „Allen voran die Ratsmitglieder sollten aber die nötige Geduld aufbringen, um der Erinnerungs- und einer Debattenkultur einen angemessen Raum zu geben.“

Hickisch wettert gegen Rinck

Parteikollegin Inga Agneta Matusall wies in ihrem kurzen Wortbeitrag darauf hin, dass es einen qualitativen Unterschied zwischen der NSDAP und der SA gab. Für die Notwendigkeit eines Arztes, der SA beizutreten, würde sie sich einen Beleg wünschen.

Joachim Hickisch (Grüne) wetterte im Ratssaal gegen die Äußerungen von CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Rinck, der in einer Pressemitteilung von „links-grünen Schilderstürmern“ und „Maßlosigkeit“ seitens der beiden Parteien sprach. Hintergrund war eine Demonstration auf dem Pferdemarkt, wo grüne und linke Parteiangehörige die Ratssitzung zur Lent-Kasernen-Debatte gestört hatten und unter anderem den Begriff „brauner Sumpf“ aus einem Megafon ertönte. 

„Die Debatte im Stadtrat zu den Namen Lent, Buhrfeind und jetzt Mecke waren von großer Ernsthaftigkeit und Sachlichkeit gezeichnet. Vielleicht können Sie damit nicht umgehen“, wandte sich Hickisch zu Rinck. Es ginge ihm in seinen früheren Wortbeiträgen nie um die Verunglimpfung von Personen, „weder von Herrn Buhrfeind und Herrn Lent, noch von Herrn Mecke“. Den Begriff „Schilderstürmer“ fasste Hickisch als ehrverletzend auf: „Ich gehe davon aus, dass Sie als Hobbyhistoriker keinen Bezug zum byzantinischen Bildersturm herstellen wollten. Die von Ihnen benutzte Begrifflichkeit ist bewusst in die Zeit des Naziterrors anzusiedeln“, lautete sein Vorwurf an den Christdemokraten.

Daraufhin stellte Klaus Rinck klar, dass er die Demo auf dem Pferdemarkt als unangemessen empfunden hatte. „Mit dem Begriff ,Schilderstürmer bezog ich mich allerdings auf den reformatorischen Bildersturm“, so Rinck. „So viel historisches Verständnis müssten Sie auch haben“, konterte der Christdemokrat. „Wenn Sie das mit der Nazizeit assoziieren, wundert mich das. Ich habe das nicht getan.“ Nachdem Ratsvorsitzender Hartmut Leefers Rinck darauf hinwies, doch beim eigentlichen Thema zu bleiben, sprach Rinck sich klar für die Beibehaltung des Namens für den Damm aus. Diese Meinung teilte letztendlich die überwiegende Mehrheit des Stadtrates.

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