Schnelle Vermehrung

Nager gefährdet Deiche - Nutrias sollen bejagt werden

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Ganz schön großer Nager: Ein Nutria versucht, eine Ente und ihr Küken aus seiner Nähe zu vertreiben.

Rotenburg - Von Stephan Oertel. Auf den ersten Blick können Nutrias durchaus possierlich wirken. Doch die Nager sind fleißige Buddler und gefährden damit Deiche und Gewässerböschungen. Und sie werden immer mehr - auch in dieser Region. Nun sollen sie verstärkt bejagt werden.

Erst in der vergangenen Woche hat Andreas Burfeind an einem Gewässer zwei junge Nutrias gesehen. Mitten im Winter. Die Nagetiere können sich das ganze Jahr über fortpflanzen, erklärt der Geschäftsführer des Gewässer- und Landschaftspflegeverbands (GLV) Teufelsmoor. Zwei bis drei Mal im Jahr bringen sie sechs bis acht Junge zur Welt. Sie vermehren sich entsprechend schnell, zumal die eigentlich aus Südamerika stammenden Tiere hier im Grunde keine natürlichen Feinde haben.

Seit er vor acht Jahren das Amt des GLV-Geschäftsführers übernommen hat, sind Nutrias immer wieder ein Thema, sagt Burfeind. Von 2006 bis 2016 hat sich ihr Bestand bundesweit verdoppelt. Von West und Ost breiteten sie sich in Niedersachsen aus. Inzwischen nimmt auch in dieser Region der Bestand deutlich zu. 

Im Kreis Osterholz etwa habe sich die Zahl binnen drei Jahren auf nun weit mehr als 500 erhöht. Auch in Bereichen wie am Oste-Hamme-Kanal bei Gnarrenburg seien die Tiere häufiger anzutreffen. „Wir sind noch nicht im Kerngebiet, wenn es um Schäden geht, aber das kommt, wenn wir nichts machen“, warnt Burfeind bereits.

Nutrias gefährlich durch rege Buddelei

Was die bis zu 65 Zentimeter langen und acht bis zehn Kilogramm schweren Nager so gefährlich macht, ist ihre rege Buddelei. Sie unterhöhlen für Menschen oft unbemerkt Deichanlagen und Uferbereiche und schaffen auch abseits von Gewässern große Hohlräume, in die Menschen und Fahrzeuge einstürzen können. „Da fallen sie richtig rein“, schildert Burfeind. An Deichen kann das verheerende Folgen haben, ebenso mit Blick auf den Hochwasserschutz zum Beispiel im Bereich des Teufelsmoors.

Positiv sei, dass Nutrias die ebenfalls invasiven, also eingeschleppten, Bisamratten verdrängen, die schon länger immer wieder für Schäden an Deichen und Gewässerböschungen sorgen. Dass an ihre Stelle nun deutlich größere Nager treten, beruhigt den GLV-Geschäftsführer aber nicht im Mindesten. Er verfolgt die Entwicklung mit großer Sorge. „Es ist eher fünf nach Zwölf“, bemerkt er.

Und er macht sich gar nicht erst die Illusion, die Tiere in dieser Region ausrotten zu können. „Das werden wir nicht schaffen.“ Ihm geht es darum, den Bestand klein zu halten. Burfeind sieht darin eine Daueraufgabe. Mit den Jägerschaften Zeven, Bremervörde und Osterholz sei darüber auch schon gesprochen worden. 

Das Jagdrecht bietet den Waidmännern inzwischen bessere Möglichkeiten. Seit April gibt es keine Schonzeit mehr für die Nutrias. Der Teufelsmoorverband zahlt Jägern als kleinen Obolus sechs Euro pro Tier. Und er hofft, dass der Landkreis Rotenburg als zuständige Behörde wie in Osterholz über eine Prämie nachdenkt.  

zz

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