Erdkabel im Landkreis Rotenburg

Nächster Anlauf für die „SuedLink“-Stromtrasse

Die Erdkabel-Korridore laufen laut Tennet in verschiedenen Varianten durch den Landkreis Rotenburg.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Alles auf Null, Erdkabel statt gigantischer Strommasten, eine komplett neue Planung und doch ein altbekanntes Szenario: Auch die neuen Korridore für die geplante „SuedLink“-Stromtrasse sehen einen Verlauf in unterschiedlichen Varianten quer durch den Landkreis Rotenburg vor. Am Dienstag haben die Stromnetzbetreiber Tennet und Transnet ihre Vorschläge für mögliche Erdkabel-Verläufe vom Norden in den Süden vorgelegt. Die Vorschläge für die beiden Stromautobahnen werden nun von der Bundesnetzagentur geprüft.

Ende vergangenen Jahres war der Erdkabelvorrang für Gleichstromverbindungen gesetzlich festgelegt worden. Das betraf vor allem den „SuedLink“, mit dem auf einer Strecke von rund 800 Kilometern insbesondere der Windstrom aus dem Norden in die industriestarken südlichen Bundesländer transportiert werden soll. Bundesweit hatte sich 2014 zuerst im Landkreis Rotenburg Widerstand gegen die Pläne formiert.

Dass die Region trotzdem wieder betroffen sein könnte, wundert Landrat Hermann Luttmann (CDU) trotzdem nicht. Am Dienstagabend wollte er sich die Pläne in Walsrode vorstellen lassen. In einer ersten Reaktion sagte er: „Bei den bekannten Ausgangspunkten – Wilster und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein – und Endpunkten in Süddeutschland war damit zu rechnen, dass unser Landkreis höchstwahrscheinlich auch von den reinen Erdkabeltrassen betroffen sein wird.“ Einer Mitarbeiterin von Tennet habe er zugesichert, dass sich der Landkreis als „Träger Öffentlicher Belange“ kritisch, aber konstruktiv in die Diskussion über die Trassenalternativen einbringen wird. Ob die Erdkabel insgesamt die bessere Lösung sind, kommentierte er mit den Worten: „Das ist in der Vergangenheit von vielen Politikern, Betroffenen und Bürgerinitiativen so gesehen worden, weshalb es dann ja auch die Reaktion des Bundesgesetzgebers gab. Ich habe mich damals bewusst bei der Diskussion dieser Frage zurückgehalten.“

Verschiedene Kriterien für Trassenverlauf

Zu den Kriterien, die in verschiedenen Korridoren nun dazu führen, dass die Trasse durch den Kreis laufen könnte, zählen laut Tennet-Mitteilung die Geradlinigkeit und Kürze der Strecke, das Bodenrelief (Gebirge, Wald) und die Bodenbeschaffenheit. Olaf Eul, Pressesprecher der Bundesnetzagentur, betonte: „Wir halten die Leitungen für dringend erforderlich, damit die Energiewende ein Erfolg werden kann.“ Es werde aber noch mehrere Jahre dauern, bis der genaue Verlauf der Leitungen feststeht. Tatsächlich wollen die Netzbetreiber den „SuedLink“-Genehmigungsantrag auf Bundesfachplanung erst im ersten Quartal 2017 bei der Bundesnetzagentur einreichen. 

Bis Ende November laufe ein öffentliches Beteiligungsverfahren, unter anderem sei am 10. November auch eine Informationsveranstaltung in Rotenburg geplant. Eigentlich sollte der „SuedLink“ 2022, mit dem Abschalten der letzten Atomkraftwerke in Deutschland, stehen. Mittlerweile ist eine Fertigstellung im Jahr 2025 geplant. Die neuerlichen Trassenplanungen gehen von Gesamtkosten von zehn Milliarden Euro aus, die ursprüngliche überirdische Planung lag bei drei Milliarden. Das müssen private Stromkunden und die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen.

Die beiden hiesigen Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil (SPD) und Kathrin Rösel (CDU) begrüßten die frühzeitige öffentliche Beteiligung. Klingbeil mahnte aber auch: „Ich erwarte von Tennet, dass es nun einen offenen und transparenten Dialog mit den Kommunen gibt, um den besten Trassenverlauf zu finden. Dabei müssen auch offene Fragen zur Erdverkabelung und zu den Entschädigungszahlungen für Landwirte geklärt werden. Das wurde mir zugesagt.“ Und Rösel: „Einerseits bin ich froh, dass es keinen oberirdischen Trassenverlauf gibt, allerdings bringt die Erdverkabelung andere Beeinträchtigungen mit sich, die offen angesprochen werden müssen.“ Das reiche von einem Verbot der oberirdischen Bebauung auf der 25 Meter breiten Trasse bis hin zu kurz- bis langfristigen Beeinträchtigungen von landwirtschaftlicher Nutzung und Auswirkungen auf die Umwelt.

Eine kritische Beteiligung ist ab sofort auch über das Internet auf den Seiten von Tennet oder Transnet möglich.

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