Das nächste Kapitel

Landrat Luttmann wirbt für die Beibehaltung des Namens Lent-Kaserne

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Ob der Name der Kaserne bleibt, ist weiter ungeklärt. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die mittlerweile dreieinhalb Jahre währende Debatte um die mögliche Umbenennung der Rotenburger Lent-Kaserne erhält am Mittwoch ein neues, hochoffizielles Kapitel. Dann wird der Kreistag über den Beschlussvorschlag von Landrat Hermann Luttmann (CDU) abstimmen. Luttmann will dem Verteidigungsministerium empfehlen, am umstrittenen Namen festzuhalten. Ob es in diesem Jahr allerdings noch eine Entscheidung geben wird, ist überaus fraglich.

Die Benennung nach dem Luftwaffenoffizier der Nazi-Zeit, Helmut Lent, sei nicht mehr zeitgemäß, hatte das Bundesverteidigungsministerium im November 2013 gerügt. Es folgte ein langer Meinungsfindungsprozess auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Es wurden Archive zurate gezogen, Studien vorgelegt, Initiativen gestartet. Ein einheitliches Bild ergab das nicht – so vehement die Gegner die Eingebundenheit des Wehrmachtssoldaten Lent in das NS-Regime betonen, so eifrig kritisieren Befürworter des Kasernennamens die unklare Aktenlage und die Tradition vor Ort.

Im Bundesvereidigungsministerium hieß es stets, dass man die Entscheidung vor Ort als Maßstab nehmen würde. Damit war vor allem das Votum der rund 1 000 in Rotenburg stationierten Soldaten gemeint. Doch in der Kaserne war die mögliche Umbenennung lange Zeit kein großes Thema. Die Debatte wurde von außen herangetragen. Allerdings mit Folgen: Wenige Monate nach der Anregung des Inspekteurs des Heeres, den Namen Lent-Kaserne zu überprüfen, wurden die historischen Bilder von Lent im Kasernenbereich entfernt. 

Das „Lent-Zimmer“ wurde umgestaltet und in „Wümme-Zimmer“ umbenannt. In der Standortbroschüre taucht der Namensgeber ebenfalls nicht mehr auf. Und erst im Februar waren alle Angaben zu Lent inklusive einiger NS-Symbole von der Casino-Homepage entfernt worden. Im Mai folgte dann die Abstimmung der Soldaten. Und mit dieser schlagen die Vertreter des Jägerbataillons 91 sowie der dritten Kompanie des Versorgungsbataillons 141 in die gleiche Kerbe wie der Rotenburger Stadtrat, der sich im September 2016 ebenfalls für eine Beibehaltung des Namens ausgesprochen hatte. Marco Meyer, Presseoffizier der Lent-Kaserne, sagte aber auch: „Angesichts der aktuellen Geschehnisse bleibt abzuwarten, wie das Ministerium mit dem Ergebnis umgeht.“

„Namensgeber sind nicht mehr sinnstiftend für die heutige Bundeswehr“ 

Tatsächlich sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fast zeitgleich zur Entscheidung in der Kaserne im Mai vor Reservisten: „Am Tor der Kasernen stehen nach wie vor Namen wie Hans-Joachim Marseille oder Helmut Lent. Beide Namensgeber sind nicht mehr sinnstiftend für die heutige Bundeswehr. Sie gehören zu einer Zeit, die für uns nicht vorbildgebend sein kann.“ Kurz darauf ruderte das Ministerium allerdings wieder zurück – es sei keine „Vorfestlegung“, die beiden genannten Namen wären nur Beispiele gewesen. Das Votum vor Ort werde in die Entscheidungsfindung mit einfließen.

Eines dieser Meinungsbilder soll am Mittwoch im Kreistag geschaffen werden, nachdem das Thema dort seit einem ersten Anlauf vor der Kommunalwahl im September vertagt worden war. Landrat Luttmann sagt jetzt: „Nach gegenwärtigen Kenntnisstand bin ich weiterhin der Meinung, der Name Lent-Kaserne sollte beibehalten werden.“ Unterstützung erhält er von der die Mehrheitsgruppe führenden CDU-Fraktion: „Sicherlich würde man eine neue Kaserne nach den heute bestehenden Regelungen der Bundeswehr nicht mehr nach Helmut Lent benennen. Eine Umbenennung der Kaserne würde dem Menschen Helmut Lent allerdings keinesfalls gerecht werden“, sagt Sprecher Marco Prietz. Auf der anderen Seite gibt es kein klares Bild. Oppositionsführer Bernd Wölbern (SPD): „Es gibt zu diesem Thema innerhalb der SPD-Fraktion keine einheitliche Meinung. Auch wegen unterschiedlicher Betroffenheiten kommen die Fraktionsmitglieder zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Abwägung der Argumente. Es wird also jedes Fraktionsmitglied für sich entscheiden, wie es sich bei der Abstimmung verhalten wird.“ Er persönlich werde nicht für die Empfehlung des Landrates stimmen, da er davon überzeugt sei, dass eine Umbenennung der Kaserne gerade zum jetzigen Zeitpunkt und vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse und Debatten eher eine Chance denn ein Nachteil ist.

Dass Ministerin von der Leyen angesichts der politischen Unruhe in ihrem Ressort noch vor der Bundestagswahl im September entscheiden wird, ist unwahrscheinlich. Offiziell heißt es nunmehr aus Berlin: „Der Entscheidungsprozess über eine mögliche Umbenennung der Kaserne wird bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.“

Lesen Sie auch: Der Kreistag in Rotenburg hat am Mittwoch gegen eine Umbenennung der Lent-Kaserne gestimmt.

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