Nadja Salewski will ihre Zuhörer mit ihren Texten zum Nachdenken anregen

Der Traum vom Poetry-Slam

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Nadja Salewski präsentiert ihre Trophäe von ihrem Sieg beim Poetry-Slam in Schneverdingen – der für die 23-Jährige völlig überraschend gekommen ist.

Rotenburg - Von Jessica Tisemann. Das erste Mal überhaupt im Finale und den Sieg in der Tasche: Damit hatte Slammerin Nadja Salewski bei ihrem Auftritt in Schneverdingen nicht gerechnet – deswegen musste sie auch ins kalte Wasser springen und einen ihrer Texte auswendig aufsagen, einen zweiten Text hatte sie nämlich gar nicht erst eingepackt. Doch die 23-Jährige will noch weiter gehen und hat sich einen besonderen Poetry-Slam für Rotenburg in den Kopf gesetzt.

Mit dem Sieg bei „Poetry im Park“ in Schneverdingen hatte die 23-Jährige vergangenes Jahr nicht gerechnet – deswegen war sie auch auf den Finaleinzug nicht vorbereitet. „Normalerweise bringt man immer zwei Texte mit zu einem Slam, ich hatte aber nur den einen dabei, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte, dass ich ins Finale komme“, berichtet die Rotenburgerin von ihrem Erfolg.

Angefangen hat alles im Rotenburger „Schmidt‘s“ – damals noch als Zuschauerin. Das war im Dezember 2014. „Es hat mir damals so gut gefallen, dass ich mir gedacht habe, ich versuche mich mal selbst an Texten.“ Im März 2015 hat der Chef des „Schmidt‘s“, Ralf Schirdewahn, ihr die Bühne gegeben. Und seit dem ist sie auf diesen regelmäßig zu finden. „Ich hatte noch nie Angst, vor Menschen zu sprechen. Klar, ist da eine gewisse Nervosität dabei, das wird aber von Auftritt zu Auftritt weniger“.

So machte der Rotenburgerin auch der Slam „Poetry im Park“ in Lauenbrück vor mehr als 600 Leuten ebenfalls nichts aus. Im Gegenteil. „Das war der Höhepunkt bisher.“ Und genau so etwas will die 23-Jährige auch in Rotenburg aufbauen. „Es ist mein Wunsch, einen eigenen Slam in Rotenburg zu etablieren“, so Salewski. Auch wenn das Ganze noch nicht Hand und Fuß hat, stellt sie eines gleich klar: „Ich will damit nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Sachen treten, wie zum Beispiel den Veranstaltungen im ‚Schmidt‘s‘.“ Deswegen schwebt ihr eine Veranstaltung in den Sommermonaten vor – dann auch draußen, ähnlich dem Angebot in Lauenbrück. Für ihre Idee ist sie bereits auf der Suche nach Locations und Spendern, denn die 23-Jährige würde den ersten Slam gerne ohne Eintritt anbieten. „Ich möchte die Menschen erst einmal an Poetry Slam heranführen“, erklärt sie.

Das Ziel ist es, das Vorhaben noch in diesem Jahr umzusetzen. „Ich will gucken, wie es ankommt, und dann ist es auch eine Überlegung, dass man sich vielleicht nicht nur auf die Stadt Rotenburg beschränkt.“ Wichtig ist der 23-Jährigen aber, dass es nach wie vor ein Hobby bleiben soll. „Es gibt bei der Planung auch einiges zu bedenken. Das geht nicht mal eben so. Es fängt zum Beispiel schon bei einer Schanklizenz an.“

Aber bis dahin zieht es die Rotenburgerin erst mal weiter auf die Bühne. Im März muss sie ihren Titel in Schneverdingen verteidigen. Und in diesem Jahr hat sie sich vorgenommen, ihre Texte alle auswendig zu können. Ideen für ihre Texte kommen ihr meistens spontan – beim Ausritt mit dem Pferd oder beim Entspannen auf der Couch. Dann müssen Handy oder Post-its herhalten, um die Gedanken aufzuschreiben. Meist fällt der 23-Jährigen zunächst der Titel ein, der Text folgt dann erst später. Die Inspiration dafür kommt aus dem Alltag.

Viele der Texte sind daher auch sehr persönlich und sollen eher zum Nachdenken anregen. „Ich lache gerne, kann aber keine lustigen Texte schreiben“, stellt Salewski klar. Wichtig sei ihr, die Menschen mit ihren Gedanken zu erreichen. „Klar, schreibe ich das in erster Linie für mich, aber ich möchte ja schon auch ein Feedback bekommen.“ Und ein besonderes hat sie nach einem Auftritt in Verden einmal bekommen. „Da ist nach meinem Auftritt eine Frau zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass mein Text sie so sehr gerührt hat, dass sie weinen musste.“

Und genau darin könnte auch ein kleines Problem liegen. „Die Menschen wollen bei einem Poetry-Slam unterhalten werden, deswegen gewinnen häufig lustige Texte.“ Denn das Publikum ist die Jury für die Slammer und entscheidet, wer ins Finale einzieht und schlussendlich den Sieg mit nach Hause nimmt. „Umso mehr motiviert mich der Sieg in Schneverdingen. Das hat gezeigt, dass auch nachdenkliche Texte beim Publikum ankommen.“

Auch ins „Schmidt‘s“ zieht es die 23-Jährige immer wieder zurück. Knapp einmal im Monat ist sie auf einem Poetry-Slam vertreten – und das über die Landkreis-Grenzen hinweg. Das schöne am Slammen sei: „Es gibt überhaupt kein Konkurrenzdenken. Man lernt die Leute mit der Zeit immer mehr kennen, und die Atmosphäre ist völlig entspannt.“

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