Brandmeister bewerten neue Altersgrenze für Feuerwehrleute nicht als Allheilmittel

Die Nachwuchssorgen bleiben

In ganz Niedersachsen können Feuerwehrleute nun bis zu ihrem 67. Lebensjahr aktiv an Einsätzen teilnehmen. Gerade in dem Alter spielt aber auch die körperliche Fitness eine große Rolle. - Archivfoto: Menker

Rotenburg - Von Joris Ujen. Feuerwehrleute haben nun die Möglichkeit, vier Jahre länger im aktiven Dienst tätig zu sein. Die Altersgrenze wurde dafür nun von 63 auf 67 Jahre angehoben. Das hat der Niedersächsische Landtag am Mittwoch in Hannover beschlossen. Mit der Anpassung des Brandschutzgesetzes soll in den ländlichen Gefilden vor allem dem oft fehlenden Nachwuchs entgegengewirkt werden. Vor allem kleinere Wehren mit kaum Personal sollen von der neuen Altersgrenze profitieren. Aber ist das die Lösung für die Zukunft dieses Ehrenamts?

Geht es nach Rotenburgs Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch, ist das nicht der Fall: „Mit der neuen Altersgrenze wird das Nachwuchsproblem nur verschoben.“ Ortschaften wie Borchel und Mulmshorn fehlt es beispielsweise an neuen Brandbekämpfern. Dass die älteren Kameraden nun vier Jahre länger im aktiven Dienst bleiben können, sei zwar eine Option für die Wehren, ändere aber nichts an deren körperlicher Verfassung: „Viele sind im Alter einfach nicht mehr so belastbar, dass sie aktiv an Einsätzen teilnehmen können“, erklärt der Stadtbrandmeister. Das könne ja auch schon mit 60 Jahren der Fall sein.

Für die Freiwillige Feuerwehr Rotenburg habe die Anpassung „keinerlei Auswirkungen“, ergänzt Ortsbrandmeister Heiko Mießner. Der Stützpunkt in der Wümmestadt zählt aktuell 100 Feuerwehrleute, 20 davon sind in der Altersabteilung. Nachwuchssorgen habe die Wehr laut Ortsbrandmeister nicht. Und auch im gehobenen Alter ist sie gut aufgestellt: „Wir haben 63- bis 80-Jährige bei uns in der Altersabteilung, die hauptsächlich für die Verpflegung der Aktiven verantwortlich sind und auch Fahrten übernehmen.“ Das Gros an Feuerwehrleuten ist auch notwendig, weil die Rotenburger Wehr im Jahr die meisten Einsätze im Landkreis hat.

Kreisbrandmeister Jürgen Lemmermann stimmt Reinsch zu, dass körperliche Fitness eine große Rolle spielen muss, und bewertet die neue Altersgrenze ebenfalls nicht als Heilsbringer für den demografischen Wandel. Für ihn kam die Entscheidung aus Hannover überraschend. So hatten sich die Kreisfeuerwehrverbände Rotenburg und Bremervörde, Interessenvertretungen und Gewerkschaften der Feuerwehrleute im jeweiligen Verbandsgebiet in der Vergangenheit klar gegen die Alterserhöhung positioniert, erklärt der Kreisbrandmeister.

Hintergrund war, dass zwar strukturschwache Gegenden eine Anhebung der Altersgrenze für den aktiven Dienst gefordert hatten, vielerorts laut den Kreisfeuerwehrverbänden dies aber abgelehnt wurde, weil es nur eine zeitliche Verlagerung des Nachwuchsproblems sei, aber keine dauerhafte Lösung. Diese Meinung habe auch der Landesfeuerwehrverband Niedersachsen vertreten, so Lemmermann. Schlussendlich hat der Landtag die neue Altersgrenze beschlossen, was wiederum bedeutet, dass die Mehrheit der Kreisfeuerwehrverbände in Niedersachsen dafür waren. „Schaut man nach Dannenberg oder in die Harzregion, sieht man dort wesentlich akutere Personalsorgen als bei uns“, erklärt sich Stadtbrandmeister Reinsch das Votum.

Was sich noch ändert: Das angepasste Brandschutzgesetz sehe für Feuerwehrleute bei Unfällen eine bessere Absicherung als bisher vor. Es stelle zudem klar, dass Regelungen zur Freistellung für Einsätze, Gutschriften von Arbeitszeiten, Entgeltfortzahlungen und Entschädigungsansprüche auch auf ehrenamtliche Führungskräfte und Funktionsträger in der Kreisfeuerwehr und Führungskräfte des Landes anzuwenden sind. Neu ist zudem, dass Feuerwehrleute ohne Angaben von Gründen nun schon mit 55, statt vorher 63 Jahren, in die Altersabteilung einer Feuerwehr wechseln können.

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