Lesenacht im Ratsgymnasium / Schreibtalente und Rekordbeteiligung

Nachts in der Bibliothek

Iris Rehder liest auch bei der Lesenacht im Ratsgymnasium. Foto: Heyne

Rotenburg – In Blau und Violett getauchte Gänge, Gelächter und Applaus dringen aus einigen Klassenzimmern – ein Blick auf die Uhr: Es ist Donnerstagabend nach der Tagesschau. Was machen Schüler, Lehrer, Eltern und Geschwister zu dieser Stunde im Rotenburger Ratsgymnasium? Richtig: Sie lesen – oder lassen sich vorlesen.

In der Bibliothek sitzen die Zuhörer im Halbkreis auf den drei Sofas und Sitzkissen, der Jüngste auf dem Arm der Mutter wenige Wochen alt, die Ältesten von den beiden Enkeln mitgebracht. Andächtig hören sie von „Chefin“ Iris Rehder, wie Bilbo Beutlin in „Der Hobbit“ verzweifelt versucht, sich den Zwergenabenteuern zu entziehen – eine mögliche Umsetzung des diesjährigen Themas „Sehnsucht nach dem Anderswo“. Eine von vielen, laufen dieses Mal doch mehr als 30 Lesungen an sieben Orten parallel – so viele wie noch nie. Das ist nicht nur Rekord, wie Fabian Schleupner als einer der sieben Lehrer des Orgateams vermelden kann, sondern platzmäßig auch so ziemlich das Ende der Fahnenstange. Dabei freut er sich über jeden, der sich meldet – neben einigen Klassen und Kursen sind viele Freiwillige dabei, einige sogar mit eigenen Texten. Und nicht nur Lehrer und Schüler nutzen die Spielwiese für das Vortragen, sondern auch Ehemalige wie Lennart Picht, der sogar eigens einen Beitrag für diesen Abend verfasst hat.

Aus der „Krasch“, der AG Kreatives Schreiben, stammt der Beitrag von Julienne Borck. Das erste Kapitel des Krimis – fünf sind schon fertig. Die Elftklässlerin nutzt die Gelegenheit, „meinen Text mal anderen zu präsentieren als Freunden und der Familie“. Das ist nicht ohne, besonders bei eigenen Werken: „Da kann man sich nicht hinter dem Autor verstecken, denn das ist man ja selbst!“ Braucht sie auch nicht: Das erste Kapitel aus der Perspektive eines Psychopathen, der gleich einen Mord begehen wird, fasziniert Freunde und Lehrerin und macht Lust auf mehr. Doch nach 30 Minuten heißt es: Raumwechsel zum nächsten Beitrag.

Die Qual der Wahl: Zu den Olchis, zum Poetry Slam der Zwölftklässler oder lieber zum Hörspiel der 7B? Manuel Springhorn aus der 5c hat sich für die Buchvorstellung von „Percy Jackson“ seines Klassenkameraden Max Tobias entschieden. Er ist begeistert: „So hat man nicht nur Gelegenheit, viele neue Bücher kennenzulernen, sondern bekommt einen zusätzlichen Leseanreiz, weil die Vorleser sagen, worin die Faszination liegt!“

Sein Klassenkamerad Max hat soeben das moderne griechische Helden-Epos für Jugendliche nicht nur vorgelesen, sondern auch perfekt aus dem Stegreif zusammengefasst. Etwas seltsam sei das schon gewesen, „ich habe immer noch ein ganz komisches Gefühl!“  hey

Eine Leseanregung hat sich auch Matthias Baden geholt. Der zweifache Vater hat sich schon das ganze Jahr auf die Lesenacht gefreut; „Letztes Mal bin ich da reingerutscht, und die Atmosphäre in der Bücherei war einfach so schön!“ Dieses Mal liest Sohn Patrick mit sechs anderen Fünftklässlern „Oh wie schön ist Panama“ auf Englisch mit verteilten Rollen und in Kostümen; das von dessen Klassenlehrer Niels ten Brink in Auszügen vorgestellte „Die Mauer“ nimmt der Vater als Buchtipp mit.

Es ist schon weit nach 21 Uhr, als vier der Lehrer zur ebenso finalen wie zentralen Lesung noch einmal zum „literarischen Potpourri der Sehnsuchtslyrik“ aufdrehen. „Das wird ein bisschen schräg“, grinst Bibliotheksleiterin Sigrid Baden-Schirmer. Recht soll sie haben – die noch mehr als 60 Zuschauer singen mit, als schließlich bei Capri die rote Sonne untergeht.

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