Forderungen im Zusammenhang mit dem Bau des Schülerwohnheims

Nachbarn sammeln Unterschriften

Anlieger vom Therkornsberg und der Lindenstraße.
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Anlieger vom Therkornsberg und der Lindenstraße fühlen sich nicht ausreichend mitgenommen und haben Forderungen angesichts des Baus eines Schülerwohnheims und des Hospizes.

Rotenburg – Die beiden Baustellen am Therkornsberg in Rotenburg bereiten den unmittelbaren Nachbarn, aber auch einigen Anwohnern an den Zufahrtsstraßen Bauchschmerzen. Das berichten einige von ihnen bei einem Treffen vor Ort. Die „Therkornsberger“ starten nun eine Unterschriftensammlung, um ihren Anliegen Nachdruck zu verleihen.

Was sie alle sagen: Sie fühlen sich nicht rechtzeitig informiert, nicht mitgenommen und daher vor vollendete Tatsachen gestellt: Die Anlieger der Lindenstraße sowie am Therkornsberg wissen, dass sie den Bau eines Schülerwohnheims in unmittelbarer Nähe zum ebenfalls noch im Bau befindlichen Hospiz nicht mehr werden verhindern können. Aber sie haben Forderungen: Die aus ihrer Sicht zu spät angelegte Baustellenzufahrt von der B 71 aus über die Einfahrt zur Werkstatt für Behinderte soll ihrer Ansicht nach auch nach der Bauphase für die Erschließung des Wohnheimes sowie des Hospizes dienen.

Zugleich fordern sie das Mutterhaus auf, für mehr Parkplätze auf dem Grundstück des Wohnheimes zu sorgen – mindestens 100. 90 Auszubildende aus dem Bereich der Rotenburger Diakonie sollen dort schließlich mal wohnen. Damit aber nicht genug: „Über die Straße Therkornsberg“ soll es lediglich einen Zugang für Fußgänger und Radfahrer zum Wohnheim geben, heißt es im Begleittext auf der vorbereiteten Unterschriftenliste. Diese wollen die Initiatoren später im Rathaus abgeben.

„Der zunehmende Verkehr bereitet uns große Bauschmerzen“, sagt Doris Klawitter. Es sei ohnehin schon sehr eng auf den Straßen innerhalb dieses Quartiers. „Wohin sollen denn noch die ganzen Autos?“, fragt sie. Eine Anwohnerin der Lindenstraße, die namentlich nicht genannt werden möchte, macht deutlich, dass das alte Wohnviertel mit einem Generationswechsel zu tun habe und mittlerweile wieder viel mehr Kinder hier anzutreffen seien. Sie mache sich Sorgen um die Kleinen. Das alles, was man in den vergangenen Jahren erlebt habe und nun noch dazu komme, sei nicht ausreichend kommuniziert worden. Das unterstreicht auch Ralf Hogrefe, Anwohner der Lindenstraße. „Uns geht es um Schäden, die entstanden sind, und um nicht eingehaltene Versprechungen in der Vergangenheit“, sagt er. Bereits im Zuge der großen Baumaßnahmen am Diakonieklinikum noch während der Amtszeit des damaligen Bürgermeisters Detlef Eichinger habe das Problem begonnen. Es habe Zusagen gegeben, die Parkstreifen an der Lindenstraße zu sanieren – darauf warte man heute noch. Aufgrund der Zufahrt schwerer Fahrzeuge zur Hospizbaustelle durch mehrere Straßen dieses Wohngebietes seien zusätzliche Schäden entstanden. Gelitten hätten nicht nur die Straße Therkornsberg, sondern eben auch die Lindenstraße, die Wiedaustraße sowie die Tannenbergstraße. Das betreffe die Straßen selbst, aber auch die Gehwege.

Mutterhaus-Chef Matthias Richter sieht keine Informationsversäumnisse

Ganz offensichtlich bedauern es die Menschen in der Nachbarschaft, nicht schon frühzeitiger über das Wohnheim-Projekt gleich neben dem Hospiz-Neubau am Therkornsberg in Rotenburg informiert worden zu sein. Zwei Projekte des Diakonissen-Mutterhauses. Dessen Vorstandsvorsitzender Matthias Richter sagt dazu mit Blick aufs Hospiz: „Der Bebauungsplan, der dem Projekt zugrunde liegt, wurde bereits zum Jahresbeginn 2019 in einem öffentlichen Verfahren ausführlich öffentlich diskutiert und beschlossen. Dieses ist der Rahmen, an dem auch Anwohner ihre Bedürfnisse und Anfragen vorbringen können. In der Ausschusssitzung des Stadtrates waren zahlreiche Bürger zugegen.“ Tatsächlich habe sich dort und im Fortgang des Verfahrens seines Wissens nach kein Anlieger zu Wort gemeldet und Einwände formuliert. Auf der Grundlage des dann beschlossenen Bebauungsplanes, der eine Erschließung über die bestehenden öffentlichen Straßen vorsieht, habe man das Projekt entwickelt und in der Folge darüber informiert. „Das setzen wir fort.“

Schon im Vorfeld des Hospizbaus habe das Mutterhaus umfassend über das Projekt informiert – über die Presse, über Infoblätter bei den Anliegern und über die Homepage. Weiterhin habe eine Veranstaltung im „Aira“ stattgefunden, die über das Projekt allgemein informiert habe, und an der auch etwa 25 Anlieger teilgenommen hätten, so Richter. „Schließlich haben Gespräche auf der Baustelle mit einer Handvoll Bewohner insbesondere der Lindenstraße stattgefunden, an der auch der Bürgermeister teilgenommen hat.“

Wegen Corona seien derzeit keine Infoveranstaltungen denkbar. „Deswegen haben wir über das Wohnheimprojekt ausführlich über ein Interview mit der Kreiszeitung informiert. Außerdem wurden die direkten Anlieger von unserem Generalübernehmer vor dem Beginn der Tiefgründung schriftlich informiert.“ Dabei sei es einerseits um die Anlieferung des Baugeräts und andererseits um die Erläuterung gegangen, dass durch die Vorgänge keinerlei schädliche Erschütterungen ausgelöst werden. Zwei Anliegern, so Richter, die sich persönlich an ihn gewandt hätten, habe er ihre Fragen direkt beantwortet, ebenfalls der Verfasserin eines Leserbriefes. Damit meint er Doris Klawitter, der die bisherige Kommunikation bei weitem nicht ausreicht und die jetzt an der Unterschriftensammlung beteiligt ist.

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) hat gegenüber unserer Zeitung versichert, dass der Zustand der Zufahrtsstraßen im Vorfeld erfasst worden sei – und genau das auch nach Abschluss der Bauarbeiten gemacht werde. Die Sorgen „sind unbegründet. Schäden, die durch die Baustelle entstehen, werden durch die ausführenden Unternehmen getragen. „Nach meiner persönlichen Wahrnehmung sind bislang keine größeren Schäden entstanden“, erklärt Matthias Richter, Vorstandsvorsitzender des Diakonissen-Mutterhauses, das das Hospiz und das Wohnheim baut. Richtig sei auch, dass nicht alle Straßen, Fußwege und Parkbuchten in einem Idealzustand sind – „völlig unabhängig von den Baumaßnahmen“.

Richter äußert sich auf Anfrage auch zum zunehmenden Verkehr: „Ich verstehe, dass niemand zusätzliche Bewegung vor seiner Haustür haben will. Und zusätzlichen Verkehr wird es natürlich geben. Ich glaube aber nicht, dass es ein Problem geben wird – anderenfalls wäre das Projekt auch nicht genehmigt worden“. Im Schülerwohnheim würden Schüler ab 16 Jahren wohnen. Die meisten davon verdienten während der Ausbildung gar kein Geld, andere ein Azubi-Gehalt. Bei weitem nicht alle besäßen ein Auto. Dennoch entstünden auf dem Grundstück 45 Stellplätze für die Mieter. Richter: „Die allermeisten Bewohner werden ihren täglichen Arbeitsweg zum Mutterhaus oder zum Krankenhaus haben, wo die Parkmöglichkeiten noch viel knapper sind.“

Dass das Krankenhaus für erheblichen Parkdruck und entsprechenden Suchverkehr sorgt, wissen die Bewohner der Straßen nur zu gut. Nicht zuletzt deshalb vermissen sie einen Planungsprozess, der derart große Vorhaben wie jetzt am Therkornsberg begleitet. Ein Prozess, der das gesamte Viertel und auch die weitere Entwicklung im Blick haben müsse. Schließlich sei künftig mit erheblichem Besuchsvekehr am Therkornsberg zu rechnen – nicht nur mit dem Ziel Hospiz, sondern auch in Richtung Schülerwohnheim.

Die Menschen fühlen sich einfach nicht mitgenommen. Doch Matthias Richter versichert: „Insbesondere die Stellplatzfrage für die bisherigen Anwohner haben wir intensiv bedacht. Für sie entstehen weitere Parkplätze vorne an der Straße, wo sie auch jetzt schon parken.“ Diese Fläche liege „zwar jetzt größtenteils auf unserem Privat-Grundstück“. Man werde die Fläche aber der Stadt überlassen, damit die bisherigen Anwohner wie bisher dort parken können. Richter: „Bei der Stadt haben wir angeregt, dort feste Anliegerparkplätze einzurichten, damit die Parkbuchten auch wirklich für die alteingesessenen Anwohner reserviert sind.“

Wie aber sieht es denn mal mit einem Treffen mit den Anwohnern aus? „Ich sehe bei der aktuellen Corona-Situation alle Präsenz-Treffen sehr kritisch. Wir werden aber auf anderen Wegen über den Fortgang des Schülerwohnheims informieren“, versichert Richter. Wichtiger finde er, dass man als Bauherr alles vertretbar Mögliche unternehme, um die Belastung der Anwohner etwa durch Fahrbewegungen, Lärm und Staub so gering wie möglich zu halten. „Und das geschieht, insbesondere durch die zusätzliche Baustraße. Dieses wird sehr zu einer Entlastung der umliegenden Straßen führen.“

Einige der Anlieger treffen sich nächste Woche mit Bürgermeister Andreas Weber.

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