Nach Terrornacht sucht Reinhard Grindel Ruhe in Rotenburg

„Böse Menschen haben etwas Schlimmes getan“

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Reinhard Grindel (rechts) mit dem Übergangschef des DFB, Rainer Koch, am Freitagabend im Stade de France.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Reinhard Grindel muss am Wochenende viele Gespräche führen. Aber es geht nicht um Ambitionen aufs höchste DFB-Amt, nicht um die politische Neutralität eines Sportfunktionärs im Bundestag, es geht nicht um die Partei oder um Fußball – sondern darum, ob Papa in Gefahr ist. Der DFB-Schatzmeister und CDU-Politiker aus Rotenburg war mit der Nationalmannschaft in Paris, im Stadion, als die Bomben hochgingen.

„Gott sei Dank keine Termine“, sagt Grindel an diesem verregneten Sonntag. Seit Samstagnachmittag 17 Uhr ist er zu Hause. Nach dem Rückflug mit der Sondermaschine aus Paris am Morgen ist er von Frankfurt aus mit Torwart Ron-Robert Zieler zusammen nach Hannover geflogen und von dort nach Hause gefahren. Er ist zurück bei seiner Frau Wenke und dem fünfjährigen Sohn Gustav. Und die haben Fragen. „Ich war ja selbst nicht wirklich in Gefahr“, wiegelt Grindel ab, will das Erlebte nicht hochspielen. Die Funktionäre befänden sich stets „im privilegierten Bereich“ – anders als so viele andere Menschen im Stadion oder an den anderen Tatorten.

Und doch ist er auch nah dran. „Die Detonationen kamen aus Richtung des hinteren Bereichs der Gegentribüne. Beim ersten Mal ging ich von einem sehr lauten Böller aus, bei der zweiten, deutlich lauteren Detonation habe ich mit Peter Peters von Schalke 04, der neben mir saß, schon darüber gesprochen, ob es sich wohl um eine Bombe handeln könnte.“ Als Mitglied der DFB-Delegation sitzt Grindel in unmittelbarer Nähe des französischen Staatspräsidenten. „Wir bemerkten die Unruhe seiner in großer Zahl vorhandenen Sicherheitsbeamten, und als er dann wenige Minuten später die Tribüne verließ, musste man mit einem schlimmen Vorgang rechnen. Vom ganzen Ausmaß der Anschläge, auch in der Innenstadt von Paris, haben wir erst im Laufe der zweiten Halbzeit durch unseren DFB-Sicherheitsbeauftragten erfahren.“

Die Nacht verbringt Grindel wie alle Delegationsmitglieder bei Mannschaft, Trainerstab und Betreuern in der Kabine. Von dort kann er seine Frau daheim in Rotenburg informieren, mit dem älteren Sohn Enno schreibt er sich die Nacht hindurch Nachrichten. „Müsst ihr wirklich zurück ins Hotel?“, fragt der 22-Jährige besorgt, wohlwissend um die Bombendrohung vom Freitagvormittag. Der Stab, die Geschichte ist bekannt, entscheidet sich dagegen, es gibt nur einen kurzen Abstecher: „Ich bin mit einigen Delegationsmitgliedern, Ärzten und Betreuern um 4 Uhr nachts ins Hotel gefahren, um wichtige Dokumente zu holen.“ Um 8.30 Uhr geht es auch für den 54-Jährigen zurück nach Deutschland.

Zu erklären, was passiert ist, fällt zurück in der Heimat schwer. Denn auch der fünfjährige Sohn hat Fragen, schnappt das Wort „Terrorist“ auf, ist aber zum Glück nicht beunruhigt – Papa ist bei einem vollen Terminkalender als Politiker und Sportfunktionär öfter mal über Nacht unterwegs. „Das kann und muss man nicht bis ins Kleinste vermitteln“, betont Grindel, manchmal lasse es sich auch einfacher zusammenfassen: „Böse Menschen haben etwas Schlimmes getan.“

Ein paar Stunden bleiben am Sonntag, um beim Spielenachmittag und Pizza-Essen in der Innenstadt Kraft aus dem Alltag zu schöpfen, Ablenkung zu finden: Am Montag geht es für Grindel wieder in die DFB-Zentrale nach Frankfurt, am Abend zum Essen mit einer niederländischen Delegation nach Hannover. Es wird wieder andere Fragen geben: Will er DFB-Präsident werden, kann er den krisengeschüttelten Verband führen?

Und er wird sich als Sicherheitspolitiker positionieren müssen. „Ich sehe die Anschläge von Paris in erster Linie gegen die klare Haltung Frankreichs gegen den IS und den Kampf gegen den IS in Syrien gerichtet“, sagt er. Der Sport werde Zeichen setzen: „Ich finde es richtig, dass wir das Länderspiel gegen die Niederlande in Hannover durchführen, weil wir uns durch den Terror des IS nicht einschüchtern lassen dürfen. Das Spiel am Dienstag wird sicher Anlass geben, zur Solidarität mit unseren französischen Freunden und zum Gedenken an die Opfer.“

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