Ruf nach Schadstoffkontrollen

Erdgas-Abfackelungen: Behörden prüfen Messsystem

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Politik und Bürgerinitiativen fordern Luftmessungen bei jeder Abfackelung an Gasstationen.

Rotenburg - Schadstoffmessungen bei jeder Abfackelung auf einem Erdgasförderplatz – diese Forderung gibt es vor dem Hintergrund der erhöhten Krebszahlen in der Region überparteilich von der Kreispolitik und den Bürgerinitiativen schon lange. Auf den Druck aus der Region folgt nun auch die erste Bewegung der Landesbehörden. Das wurde in der Sitzung der „Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg“ am Mittwoch deutlich. Eine Zusage ist das allerdings noch nicht.

Die Erdgasunternehmen müssen die Abfackelungen, die in der Regel bei der „Ertüchtigung“ beziehungsweise der Reinigung der Förderanlagen notwendig sind, bei den Aufsichtsbehörden anmelden. Wie viele dieser Maßnahmen es in der Region gibt, ist dem zuständigen Landesbergamt allerdings nicht bekannt. Zuletzt hieß es, es seien landesweit „mehrere 100 pro Quartal“. Kritiker befürchten, dass bei diesen Abfackelungen von Erdgas und Reststoffen auch krebserregende Stoffe freigesetzt werden

Das Bergamt hatte bislang stets auf die rechtliche Lage verwiesen, nach denen Messungen nicht verpflichtend seien – weder für die Behörde noch für das durchführende Erdgasunternehmen. Zudem wird sich auf vereinzelte Messungen aus den vergangenen Jahren berufen. Das Bergamt hatte im Jahr 2012 und von Juli 2015 bis April 2016 am Ortsrand von Söhlingen eine Messstation betrieben, zudem Messungen im näheren Umfeld von Fackelarbeiten im Erdgasfeld Söhlingen vorgenommen. Dabei wurden keine für die Frage nach den Krebsursachen entscheidenden, erhöhten BTEX- und Quecksilber-Belastungen festgestellt. Schadstoffe würden schon vor dem Verbrennen herausgefiltert, heißt es.

Das reicht den Wortführern in der Region allerdings nicht. AG-Erdgas-Vorsitzender Hartmut Leefers (CDU) hatte zuletzt beim Besuch der Grünen-Landtagsfraktion am Freitag am Exxon-Betriebsplatz in Bellen und in der Sitzung am Mittwoch betont: „Wir wünschen, dass bei jeder Abfackelung Luftmessungen stattfinden.“ Nach der ersten Absage des Bergamts in der AG-Sitzung im März hätten die Fracking-Gegner um Aktivist Andreas Rathjens beim zuständigen Wirtschaftsministerium in Hannover nachgehakt. Mit dem Ergebnis, dass der Druck auf das Bergamt erhöht wurde. 

Dessen Präsident Andreas Sikorski drückte es am Mittwoch etwas moderater aus: „Wir stehen in der Prüfung durch das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim.“ Dort müsste das von den Bürgerinitiativen ins Spiel gebrachte, relativ günstige Luftmesssystem einer englischen Fachfirma nämlich erst zertifiziert werden – sonst wären die Messdaten rechtlich nicht verwertbar. Sikorski: „Das Akkreditierungsverfahren läuft.“ Leefers hatte zuletzt angedeutet, dass auch ohne die Zustimmung aus Hannover eine politische Mehrheit im Kreistag für eigene Messungen mit dem System möglich wäre – der Landkreis also selbst zahlen müsste. Doch das soll verständlicherweise umgangen werden. 

mk

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