Landkreis freut sich über HVV-Beitritt am Sonntag

Ab nach Hamburg

Sie freuen sich über die Einführung des HVV-Tarifs: Erster Kreisrat Torsten Lühring (v.l.), Detlef Fischer (Bürgermeister Bremervörde), Tobias Krüger (Fintel), Landrat Hermann Luttmann, Käthe Dittmer-Scheele (Scheeßel), Stephan Meyer (Geestequelle) und Ralf Goebel (Visselhövede). Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Was lange währt, wird endlich gut.“ Landrat Hermann Luttmann (CDU) bemüht beim Pressegespräch am Donnerstagnachmittag im Rotenburger Kreishaus alte Weisheiten, um auf Neuigkeiten hinzuweisen: Ab Sonntag gilt für die meisten Zugreisenden aus dem Landkreis in Richtung Hamburg der Tarif des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV).

Zum Fahrplanwechsel kann von allen Bahnhöfen im Landkreis mit Zeitkarten zum HVV-Tarif gefahren werden. Einzelkarten gelten darüber hinaus auf allen Bahnhöfen bis zum Tarifring F. Dies betrifft Hesedorf, Bremervörde, Oerel und Heinschenwalde auf der Nordstrecke sowie Lauenbrück und Scheeßel im Süden. Rotenburg, Sottrum und Visselhövede gehören hingegen bereits zum Bremer VBN-Tarif, hier gelten nur die HVV-Zeitkarten Richtung Hamburg. Diesen Kommunen war der Zuschussbedarf als Ausgleich für die Tarifverluste der Verkehrsunternehmen auch für Einzeltickets zu hoch.

Seit rund einem Jahrzehnt gab es politische Bemühungen einzelner Kommunen, Teil des Hamburger Tarifsystems zu werden. Doch allein fanden diese kein Gehör, die Landesregierung signalisierte keine Unterstützung: zu teuer. Nun hat sich auch Hannover finanziell bewegt, mit den Nachbarkreisen Cuxhaven, Heidekreis und Uelzen hatte Rotenburgs Stimme mehr Gewicht. Der Landkreis sowie die Kommunen greifen tief in die Tasche. Und das, „für eine Aufgabe, für die wir eigentlich nicht zuständig sind“, wie Landrat Luttmann gerne betont – eigentlich Ländersache. Die gute Konjunkturlage hat Spielräume eröffnet. 130 000 Euro Anschubfinanzierung hat der Landkreis übernommen, die nach Fahrgastaufkommen geschätzten rund eine Million Euro Tarifausgleich teilen sich Kreis und Kommunen. Im jüngsten Nahverkehrsplan des Landkreises war von täglich rund 10 000 Ein- und Auspendlern aus und in die HVV-Gebiete Hamburg sowie die Kreise Stade und Harburg die Rede.

Als großen Vorteil des HVV-Tarifs bezeichnet Erster Kreisrat Torsten Lühring auch, dass Kombitickets zum Beispiel für Konzerte und Fußballspiele mit HVV-Berechtigung ebenfalls ab den Bahnhöfen gelten, die Einzeltickets im Verbund bereithalten – im Altkreis also ab Scheeßel. Die größten Ersparnisse hätten Nutzer von Jobtickets zu erwarten, da durch den HVV-Tarif die Weiterfahrten im gesamten Netz inkludiert seien.

Die Umstellung am Sonntag werde relativ geräuschlos verlaufen, verspricht Luttmann. Probleme wie zuletzt beim neuen Fahrplan für die Buslinien im August würden nicht erwartet. Veränderte Abfahrtszeiten hat die Metronom Eisenbahngesellschaft für die Strecke Hamburg-Bremen nicht angekündigt. Die Aushänge an den Bahnhöfen seien bereits aktualisiert, die Automaten entsprechend programmiert.

Aber: Nicht für alle wird es tatsächlich günstiger. HVV-Sprecher Rainer Vohl spricht von „Preishärten“ und nennt zum Beispiel Pendler, die bislang die Bahncard 50 genutzt haben. Diese gilt im Verbundtarif nicht mehr, nun könnte es für einige in Richtung Hamburg teurer werden. Noch keine Lösung gefunden worden ist darüber hinaus für Studenten. Die meisten Semestertickets gelten in der HVV-Zone E bis Bremervörde, Lauenbrück und Scheeßel liegen aber im Bereich F. Ob Studenten auch von dort künftig mit ihrem Semesterticket Richtung Hamburg fahren können, ist noch offen. Im Februar wird nachverhandelt mit den Hochschulen.

Der endlich vollzogene HVV-Beitritt des Landkreises hat mittlerweile weitere Begehrlichkeiten geweckt. Am Freitag steht im Kreistag ein SPD-Antrag auf der Tagesordnung, der einen Vollbeitritt auch zum Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) zum Ziel hat. Derzeit gilt der VBN-Tarif auf der Schiene ab den Bahnhöfen Rotenburg und Visselhövede in Richtung Bremen, auf den Buslinien im Landkreis ist schon jetzt eine weitgehende Integration in den VBN-Tarif erfolgt. Deswegen beurteilt die Verwaltungsspitze den Wunsch auch noch recht skeptisch. Erster Kreisrat Torsten Lühring hatte zuletzt im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr gesagt, der Vollbeitritt zum VBN sei „noch einmal eine ganz andere Hausnummer“. Und es sei auch gar nicht gesagt, dass die Fahrt zum Beispiel von Scheeßel nach Bremen dann automatisch günstiger werde. „Verbundtickets können auch teurer werden.“ Trotzdem drängen vor allem Scheeßel in Blickrichtung Bremen und Geestequelle mit dem Bahnhof Heinschenwalde mit Blick nach Bremerhaven auf den VBN.

Die Vollmitgliedschaft wäre jedoch auch mit einigen rechtlichen Veränderungen verbunden, die zum Beispiel zur Folge hätten, dass der Landkreis deutlich mehr eigene Haushaltsmittel zum Ausgleich der Tarifverluste für die Verkehrsunternehmen aufbringen müsste, betont Lühring. Ob der finanzielle Aufwand einem wirklichen Nutzen entspricht oder mehr dem symbolischen Wert dient, soll ausgiebig geprüft werden. Prinzipiell gilt das von Lühring auch am Donnerstag noch einmal wiederholte Grundsatzziel, dass Fahrgäste von jeder Haltestelle im Landkreis Richtung Hamburg mit dem HVV, Richtung Bremen mit dem VBN und Richtung Hannover mit dem Niedersachsentarif fahren können. Aber das wird noch dauern.

Tickets ab Sonntag

Wer sich ab Sonntag am Automaten, in Reisecentern oder über die HVV-App Tickets Richtung Hamburg kauft, erhält automatisch den neuen Tarif.

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