Nach Garagenbrand: Ortstermin mit den Brandexperten

Nach dem Feuer

Die Polizei um Brandermittler Richard Kaufmann (M.) schaut sich den Ausbruchsort genau an. Fotos: Röhrs

Rotenburg – Es stinkt. Der Geruch von verbranntem Plastik, Lack, Gummi und Holz liegt in der Luft. Der Brand einer Garage an der Dresdener Straße in Rotenburg ist an diesem Mittwochmorgen schon ein paar Tage her, trotzdem ist die Zerstörung auch mit der Nase noch deutlich riechbar. Auch für die Augen gibt es ein zerstörerisches Bild: Ein ausgebrannter Wohnwagen und vier stark von den Flammen angegangene Autos stehen in den Überresten eines Carports. Der Boden ist mit Scherben und Asche übersäht, ein Polizeiabsperrband flattert im Wind.

Doch wie kam es überhaupt zu diesem Feuer? Um das herauszufinden, ist ein Sachverständiger aus der Region Hannover angereist, auch ein Kriminaltechniker, der Polizeisprecher und zwei Streifenpolizisten, die in der Brandnacht vor Ort waren, sind gekommen; dazu Richard Kaufmann, der Leiter des Fachkommissariats für Brand- und Kapitaldelikte. Am Ende dieses Termins werden sie davon ausgehen, dass es sich bei dem Feuer, das gegen 3 Uhr in der Nacht auf Montag „wahrscheinlich“ um Brandstiftung handelt. Verletzt wurde in dieser Nacht niemand, allerdings schätzt die Polizei den Schaden auf rund 100 000 Euro.

Die Gruppe erregt Aufmerksamkeit. Mehrere Nachbarn gesellen sich dazu und beobachten, wie der Kriminaltechniker anfängt, Fotos zu machen. Währenddessen führen Kaufmann und der Sachverständige des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS), der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ein erstes Gespräch, um die Lage zu erörtern. Zuvor hat er schon Fotos und Materialen von der Polizei zugestellt bekommen, jetzt macht er sich ein eigenes Bild. Langsam geht er durch dieses kleine Feld von Chaos und schaut sich die Schäden aus allen Perspektiven an, geht mal in die Hocke, pult an Autoteilen rum – oder dem, was davon übrig geblieben ist.

Ein Bild der Zerstörung. Rund 100 000 Euro Sachschaden sind in der Nacht auf Montag entstanden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Feuer absichtlich gelegt wurde, drängt sich auf, erklärt Polizeisprecher Heiner van der Werp. Die Bilder aus der Brandnacht kamen den Ermittlern nur zu bekannt vor, denn erst Ende März kam es unweit des jetzigen Brandorts – oder besser: Tatorts – an der Königsberger Straße zu einem ähnlichen Vorfall. Damals geriet ebenfalls ein Carport in Brand, insgesamt sieben Fahrzeuge wurden von den Flammen zerstört. Auch wenn die Brandursache damals nicht abschließend geklärt werden konnte, so van der Werp, drängt sich nun ein Zusammenhang zwischen den Feuern auf,

Der Verdacht steht also fest, nun geht es um den Beweis. „Beweisen können wir das noch nicht. Aber wir werden die Ermittlungen in Richtung Brandstiftung führen“, erklärt Kaufmann. Man arbeite jetzt mit Wahrscheinlichkeiten, sortiere nach dem Eliminationsverfahren mögliche Ursache aus.

Ausschließen kann man bereits einen technischen Kurzschluss. Am linken Kotflügel eines Peugeots hat man die Brandausbruchsstelle festlegen können. Dort gibt es die höchste Hitzeentwicklung, die man nach dem Brand noch erkennen kann. Auch ein Zeuge habe die Flammen an dieser Stelle bemerkt, ehe sie sich weiter über die Garagenanlage ausbreiten konnten. Nun hocken der Sachverständige und Kaufmann davor und kratzen im Boden rum, auf der später ergebnislosen Suche nach Überresten von kurzgeschlossenen Autoteilen rum – immer beobachtet von den beiden Streifenpolizisten.

Ein Kriminaltechniker der Polizei macht Fotos.

Für sie wird dieser Ortstermin zu einer kleinen Fortbildung. Der Sachverständige erkärt ihnen, auf was bei zukünftigen Bränden achten sollen, um mit ihren Aussagen die Ursachensuche möglicherweise erleichtern zu können. Zum Beispiel sollen sie sich möglichst merken, wie sich die Flammen ausbreiten und wann die Feuerwehr sie wo löscht. „Man versucht immer, so viele Informationen wie möglich zusammen zu tragen“, hört man den Sachverständigen sagen. „Dann guckt man, welche man verwenden kann.“

Was die Ermittler nun genau herausgefunden haben und wie sie nun weiter vorgehen werden, sagen sie nicht. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“, die Standardantwort eben. „Da lassen wir uns nicht in die Karten gucken“, sagt van der Werp. „Wir wollen kein Täterwissen preisgeben“, so Kaufmann. Wenn es Brandstiftung ist, müsse man den Täter ja auch finden.

Nun ist man weitgehend fertig mit der Ursachenermittlung. Der Sachverständige macht noch weitere Fotos, dann zieht er sich zu einer abschließenden Besprechung mit Kaufmann zurück. Danach ist der Schauplatz wieder freigeben. Die Polizisten packen das Absperrband wieder ein. Nun sind die zerstörten Autos, der Wohnwagen und das Gebäude ein Fall für die Versicherungen.

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