Fogelvreie planen Ausweichtermin für August

Mystisches am Rotenburger Heimathaus

Zauberhafte Wesen gleiten während der Dreharbeiten durch die Wiesen hinter dem Rotenburger Heimathaus.
+
Zauberhafte Wesen gleiten während der Dreharbeiten durch die Wiesen hinter dem Rotenburger Heimathaus.

Das zweite Jahr in Folge muss das Fogelvreie Pfingstspektakel am Rotenburger Heimathaus pausieren. Als kleine Entschädigung haben sich die Künstler etwas einfallen lassen.

Rotenburg – Es ist dunkel. Mitten in der Nacht. Auf einmal schleichen geisterhafte Gestalten durch den Sumpf hinter dem Heimathaus. In den Händen halten sie Fackeln. Einem besorgten Rotenburger erscheint das merkwürdig, er ruft die Polizei. Die rechnet vielleicht mit zündelnden Jugendlichen, stattdessen trifft sie auf einen Haufen mystischer Gestalten. Es sind Jonas Jaromir Schmidt von den Fogelvreien und weitere Künstler, die an einem Kurzfilm arbeiten. Kein Problem, alles gut, Kamera ab.

Ein mittelalterliches Spektakel mit Markt, wie es sonst zu Pfingsten am Heimathaus stattfindet, kann es das zweite Jahr in Folge nicht geben – Corona macht den Künstlern erneut einen Strich durch die Rechnung. Diese sind nicht untätig, acht von ihnen sind im vergangenen Jahr auf dem Gelände zusammengekommen, als das nach dem ersten Lockdown gestattet war. Schmidt hat erstmals, wie er erzählt, den Platz hinter der Kamera eingenommen, und gemeinsam haben sie „eine kleine Heldenreise inszeniert“, so der Sohn des „Fogelvrei“-Veranstalters Johannes F. Faget. Die kleine „Ausfallentschädigung“ feiert am Samstag um 19 Uhr Premiere auf dem Youtube-Kanal der Fogelvreien.

Es ist nicht dasselbe, das betonen Faget und Schmidt. Ihre Produktionen leben von der Atmosphäre, die sie schaffen, vom direkten Kontakt der Künstler mit dem Publikum. Vom Sehen, Riechen, Hören, Schmecken. Auch hier kommt die Digitalisierung ins Spiel, aber „das funktioniert bei uns nicht“. Kleine „Schmankerl“, wie das Video jetzt, sind möglich, „aber nicht der Sinn unserer Produktion“. Sie tun etwas dafür, nicht in Vergessenheit zu geraten, und es bringt den Künstlern Abwechslung. Aber sie wollen Handwerk zum Anfassen. Doch seit mehr als einem Jahr herrscht für die Kulturschaffenden Zwangspause. Normalerweise versammeln sich die Fogelvreien über Pfingsten am Heimathaus, warten mit einem mittelalterlichen Markt und Spektakel auf.

Bald 20 Jahre sind sie jedes Jahr hier, erzählt Faget. Er lobt den Platz, aber auch die treuen Fans. „Wir kommen schon so lange, dass es schon Generationenwechsel gibt.“ Heute kommen Erwachsene, manchmal mit eigenen Kindern, die früher selber als Kinder mit ihren Eltern gekommen sind. „Über die Jahre haben wir das Konzept auch immer ein wenig verändert“, so Faget.

Rotenburg hat auch schöne Besonderheiten. So gibt es einen Austausch mit den Werken: Die Künstler dürfen dort duschen, im Gegenzug gibt es ein Codewort, mit dem die Bewohner auf das Gelände kommen. Es gab schon Überlegungen, das Ganze mit einem entsprechenden Hygienekonzept aufzuziehen. Das wurde im vergangenen Jahr in Dornum getestet. Aber mittelalterliche Atmosphäre klappt nicht mit Plexiglasscheiben und Desinfektionsspendern. „Wir wollen auch nicht zu früh öffnen, nicht die nächste Welle provozieren. Dann halten wir lieber die Füße still“, meint Faget – auch wenn selbige Füße nur darauf warten, endlich wieder loslegen zu können.

Da gehe es ihm aber noch besser als vielen anderen, so der Fogelvrei-Chef. „Für die Künstler ist es noch schwieriger, als für uns.“ Er habe die Zeit genutzt, um Renovierungsstaus zu beseitigen und die Werkstatt zu optimieren. Faget konnte einiges abarbeiten, was sonst liegen geblieben wäre. Doch viele der Künstler haben sich in der Zwischenzeit einen festen Job gesucht – nur von Hartz IV leben, das sei nichts für sie. Ganz zu Beginn der Pandemie sind freischaffende Künstler und Kreative „nicht beachtet worden“, sagt Faget. Die Politik war erst spät auf ihre Not aufmerksam geworden. „Wir hatten Arbeitsverbot und wir akzeptieren es. Aber Hilfen gab es nicht.“

Die Künster hoffen, dass sie im August wieder ihr mittelalterliches Spektakel zeigen können.

Gut die Hälfte hat sich vorerst umorientiert. „Aber es fehlt allen. Das Menschen treffen, das Reisen. Früher waren wir jedes Wochenende unterwegs“, erinnert sich Faget. Früher, als ob es ewig her wäre. Er hat mehrere Projektanträge gestellt, drei werden im Rahmen von „Niedersachsen dreht auf“, einem Corona-Sonderprogramm für Solo-Selbstständige und Kultureinrichtungen, gefördert. Damit werden zum Beispiel für Rotenburg die Künstlerkosten gedeckelt, was ihnen eine Sicherheit gibt, wenn es losgehen kann.

Momentan hofft Faget auf einen Ausweichtermin für das Pfingst-Spektakel: Am 28. und 29. August wollen die Fogelvreien das Gelände um das Heimathaus wieder unsicher machen. So, wie es zu dem Zeitpunkt möglich sein wird. Die Planung steht noch etwas auf unsicheren Füßen, aber „wir sind in frommer Hoffnung“, meint Faget. Die Förderung gibt es auch nur, wenn das Spektakel stattfindet. Sollte der Termin platzen, könnte man noch in den Herbst ausweichen – aber ob das mit dem Wetter dann geht, bleibt eine weitere Frage. Platzt es, verfällt die Förderung. Und noch eine Unbekannte bleibt: „Es wird Ausfälle geben, Künstler werden in ihren festen Jobs bleiben, dafür ist diese Saison zu unsicher“, erklärt Faget. Ohnehin braucht es mindestens sechs Wochen Vorlauf, um ein Event auf die Beine zu stellen, „und das ist schon sportlich – aber von heute auf morgen geht das nicht“.

Es war „ein schräges Jahr“, blickt Faget zurück. Auch für seine Auszubildenden im dritten Lehrjahr. Normalerweise steht für diese dann die Praxis an, daraus wurde gezwungenermaßen nun mehr Theorie. Der Schwerpunkt, auf den sich die Azubis sonst freuen, ist weggefallen. Lediglich ein Spektakel auszurichten war im vergangenen Jahr möglich, in Dornum. Der Test mit Hygienekonzept. Fazit: Immenser Aufwand und „finanziell nicht ertragreich“. Die Hoffnung liegt jetzt auf dem Sommer. Die Termine stehen.

Premiere einer Heldenreise

Jonas Jaromir Schmidt und weitere Künstler haben eine Heldenreise auf dem Gelände des Rotenburger Heimathauses inszeniert. Das siebenminütige Video unter dem Titel „Sommertagstraum – Pfingstspektakel Rotenburg 2021“ feiert am Samstag um 19 Uhr auf dem Youtube-Kanal der „Fogelvrei Produktion“ Premiere. Im Anschluss haben Interessierte dann die Möglichkeit, sich über den Instagram-Kanal der Fogelvreien mit Merlin zu unterhalten. „Die Zuschauer können ihm Fragen stellen“, so Schmidt. 

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Meistgelesene Artikel

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien
Für eine bessere ärztliche Versorgung

Für eine bessere ärztliche Versorgung

Für eine bessere ärztliche Versorgung

Kommentare