Die Hälfte der Rotenburger Stadtratsmitglieder tritt zur Kommunalwahl nicht wieder an

CDU muss sich neu aufstellen

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Eike Holsten bastelt an der Strategie für die Kommunalwahl im September. Der CDU-Gemeindeverbandvorsitzende sieht die Partei bereits gut aufgestellt.

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Es ist ein großer Schnitt innerhalb der Fraktion.“ Das sagt Eike Holsten, seit 2013 CDU-Gemeindeverbandvorsitzender und Stadtratsmitglied seiner Partei. Zwölf Sitze hat die CDU im Parlament der Kreisstadt, sechs Mandatsträger werden am 11. September nicht wieder zur Kommunalwahl antreten. Doch allzu große Sorgen macht sich Holsten deswegen nicht. Er sieht seine Partei bereits gut aufgestellt – 35 Kandidaten wolle man bestenfalls ins Rennen schicken.

Oliver Credo, Paul Dittmer, Heinrich Klee, Henning Poppe, Mechthild Ross-Luttmann und Christa Schmidt: Es sind durchaus bekannte Namen unter den Christdemokraten, die sich nicht wieder aufstellen lassen werden. Viele von ihnen waren bereits mit dem damaligen zwar parteilosen, aber CDU-nahen Bürgermeister Detlef Eichinger 2001 ins Rennen gegangen. Nun haben sie ihre „kommunalpolitische Pflicht“ erfüllt, sagt Holsten. Denn dass das Mandat mit durchaus viel Arbeit verbunden ist, sei unbestritten. Gerade für diejenigen, die beruflich oder familiär stark eingespannt seien, werde die Zeit irgendwann knapp. Drei bis vier Abendtermine seien die Regel, betont Holsten – für das kommunale Mandat, für die Partei und in Vereinen. Er habe, sagt der Gemeindeverbandvorsitzende, mit allen gerne zusammengearbeitet. Stimme die Chemie nicht untereinander, ließe sich der Aufwand auch kaum vertreten.

Jetzt seien aber andere gefordert, die „frisch und motiviert“ an den Start gehen. Jünger und weiblicher wolle man werden, „wir sind leider immer noch sehr männerlastig“, räumt Holsten ein. Am 25. Juli müssen die Wahlvorschläge dem Wahlleiter vorliegen, derzeit hat die CDU rund 70 potenzielle Kandidaten auf der Liste. „Das Parteibuch haben nicht alle in der Tasche“, betont Holsten. Das sei auch gar nicht Voraussetzung, um für die CDU anzutreten, auch wenn alle aktuellen Fraktionsmitglieder in der Partei sind. Das könnte sich aber ändern. Holsten hofft, letztendlich mit rund 35 Kandidaten an den Start gehen zu können. Die Gespräche liefen noch. Musikschul-Leiter Tilman Purrucker, Holstens Vorgängerin als Gemeindeverbandsvorsitzende Anja Bombeck und Spargelhof-Chefin Franziska Kettenburg werden einige der bekannteren Zugpferde der Christdemokraten sein. Auch bemühe man sich darum, Migranten, Bewohner der Rotenburger Werke und Aussiedler mit in die Kandidatenliste aufzunehmen, so Holsten. Die Gespräche koordiniert er mit Stadtrat-Fraktionschef Klaus Rinck.

Anders als in der Stadt selbst sieht es in den Ortsräten aus: Dort sei die Fluktuation unter den Kandidaten aller Voraussicht nach nicht so hoch. Viele Mandatsträger hätten bereits erklärt, wieder antreten zu wollen. Letztendlich entscheidet über die CDU-Liste eine Urabstimmung unter den Parteimitgliedern Ende Mai.

Das Ziel der Rotenburger CDU ist kein Geheimnis. 2011 verlor die Partei vier Sitze, rutschte von 16 Stadtratsmitgliedern auf zwölf ab. Holsten begründet das heute unter anderem mit dem damaligen „Fukushima-Effekt“, der viele Wähler zu den Grünen trieb, die sechs Sitze ergattern konnten. „Das wird sich zurechtrücken“, sagt er. „16 plus X“ sei das Ziel, und dann wohl man wieder unter denjenigen sein, die die Mehrheitsgruppe im Stadtrat bilden. Und das sei in verschiedenen Konstellationen möglich. Wie zuletzt die Kreispartei möchte auch die Rotenburger CDU keine Koalition ausschließen – Gespräche zum Beispiel mit den Grünen inklusive. Das funktioniere bekanntermaßen auch an ganz anderen Stellen.

Ob sich eventuell eine neue Kraft im Rotenburger Stadtrat wiederfinden wird, kann auch Holsten noch nicht abschätzen. „Man sieht aber viele Bestrebungen der AfD, dass sie sich aufstellen“, sagt er. Als zuträglich für die Kommunalpolitik sähe er den Einzug der Rechtspopulisten aber nicht. Bei der Kommunalwahl gehe es mehr als bei jeder anderen Wahl darum, Menschen zu wählen, die die Stadt voran bringen, nicht um Parteien. Die Kommune verliere, wenn dann jemand dazu komme, der nicht gestalten will, sondern nur grundsätzlich dagegen sei.

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